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Ausgewählte Ausgabe: 06-2016 Ansicht: Modernes Layout
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Prozessautomation in der Wasserwirtschaft: Nutzen aus Bits und Bytes


Triebfeder des technologischen Fortschritts ist der stetige Wandel. Das gilt auch für die Prozessautomatisierung als wichtige Querschnittsbranche in nahezu allen Bereichen der industriellen Produktion. Reflektiert man die Entwicklung dieser noch ziemlich jungen Branche, scheint die Digitalisierung jedoch kein wirklich neues Thema zu sein. Mit HART als erstes digitales Signal und erst recht mit der Einführung digitaler Feldbusse sind Bits und Bytes in der Prozessautomation seit gut 30 Jahren Realität. Warum also der Hype, könnte man sich fragen.
Dieser Hype erklärt sich durch die neue Qualität, mit der Daten vernetzt und als Informationen nutzbar gemacht werden können. „Internet of Things“ ist eines dieser Schlagwörter, die den Einzug der Internet-Technologie auch in die Prozessautomation beschreibt. Die Frage, ob das der Anfang einer zweiten Internet-Revolution ist, nachdem andere zentrale Bereiche unseres Lebens bereits nachhaltig verändert wurden, ist durchaus gerechtfertigt und kann wahrscheinlich mit einem klaren Ja beantwortet werden.
Was bedeutet das für die Wasserwirtschaft? Gerade diese Branche scheint in besonderen Maße vom Wandel betroffen, steht ihr zentrales Produkt ja selbst im Fokus vieler Megatrends: Der Klimawandel führt zur Wasserverknappung beziehungsweise Flutkatastrophen. Landwirtschaft, Bevölkerung und Industrie konkurrieren zunehmend um das wertvolle Gut. Die steigende Wassernutzung führt vielerorts zur Verschlechterung der Wasserqualität. Allgemein setzt sich in der Branche die Erkenntnis durch, dass integrierte Ansätze notwendig sind – integriert in Bezug auf den Wasserzyklus vom Rohwasser bis zum geklärten Abwasser, auf den Betrieb von Anlage und Netz oder auch auf die Einbindung aller Stakeholder.
Integrierte Ansätze in diesen Dimensionen funktionieren aber nur über eine intelligente Vernetzung. Vernetzung wiederum ist das zentrale Wesen Internet basierter Lösungen. Es ist somit kein Zufall, dass nach „Industrie 4.0“ nun „Wasser 4.0“ zum Schlagwort geworden ist, unter dem die spezifischen Herausforderungen der Wasserwirtschaft in den Kontext der neuen Möglichkeiten, die Digitalisierung beziehungsweise Internet-Technologien bieten können, diskutiert werden.
Wie die German Water Partnership es formuliert, stellt Wasser 4.0 die Digitalisierung und Automatisierung in den Mittelpunkt einer Strategie für eine ressourceneffiziente, flexible und wettbewerbsfähige Wasserwirtschaft. 
 Es geht also um neue übergreifende Ansätze der Informationsvernetzung und -Bereitstellung über bestehende System- und Organisationsgrenzen hinweg. Das Versprechen ist, Informationen durchgängig verfügbar zu machen und so Wertschöpfungsketten in einer neuen Qualität gestalten zu können.
Ein aktuelles Beispiel der Branche ist die Diskussion um die „Smart Networks“, die sowohl Kanalsystem als auch Trinkwassernetze umfassen. Dieser Begriff geht über das Erfassen und die Weitergabe von Messdaten aus einem Netz zur Leitwarte weit hinaus. Wesentliche Idee ist die Datenzusammenfassung sowie deren Nutzbarmachung für den Betreiber in Form einer Entscheidungshilfe. Solche Ansätze erfordern Lösungen, die das Management von sehr großen Datenmengen bewältigen und applikative sowie messtechnische Kompetenzen integrieren können.
Digitalisierung allein ist also nicht neu. Neu jedoch ist die Möglichkeit der durchgängigen Nutzbarmachung von Informationen für alle Zielgruppen. Dies eröffnet innovative technologische Ansätze, die die zukünftigen integrativen Konzepte der Wasserwirtschaft positiv unterstützen können.

Autoren

 Michael Ziesemer

Chief Operating Officer, Endress+Hauser Gruppe, Reinach/Schweiz.

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