16.03.2016, 07:55 Uhr | 0 |

Fliegender Allesschreiber Graffiti per Fernsteuerung: Diese Drohne kann zeichnen

Für die einen ist es Kunst, die anderen sehen darin vor allem neue Möglichkeiten für Vandalismus: Drohnen mit Zeichenstift oder Sprühdose, die ferngesteuert ihre Botschaft an die Wände bringen. Jüngste Erfindung auf diesem Gebiet ist der „fliegende Pantograf“ zweier Studenten vom MIT Media Lab.

Drohne als Werkzeug für Zeichnungen
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Technisch noch nicht ausgereift, aber als künstlerische Idee bereits ein Trendsetter: mit Drohnen als Werkzeug arbeiten und dabei menschliche mit maschineller Kreativität verbinden. 

Foto: Sang-won Leigh

Technisch ausgereift ist die zeichnende Drohne gewiss noch nicht. Bei der Vorführung auf der diesjährigen TEI Konferenz in Eindhoven stürzte der „flying Pantograph“ nach kurzer Zeit ab und konnte sich aus eigener Kraft auch nicht mehr in die Luft schwingen.

Aber der Idee tut das Missgeschick keinen Abbruch. Für San-won Leigh und Harshit Agrawal ist die zeichnende Drohne, die sie gebaut haben, der Ausdruck für die perfekte Balance zwischen menschlicher und maschineller Kreativität und daran wollen sie weiter basteln.

Stabilisierung der Drohne war die schwierigste Aufgabe

Die beiden studieren am Media Lab des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und „erforschen eine Kunstform, in der die Maschine eine wesentliche Rolle im kreativen Prozess und der Ästhetik übernimmt“. Diese Maschine hört auf den Namen „flying Pantograph“ und ist im Grunde eine dramatische Weiterentwicklung des 1603 erfundenen Pantograf, zu Deutsch Allesschreiber oder Storchenschnabel. Mit diesem mechanischen Präzisionsinstrument kann eine Zeichnung, auch in unterschiedlichen Maßstäben, übertragen werden.

Videoquelle: Sang Leigh

Das Prinzip gilt auch für die neue Drohne: Während der Mensch auf einer horizontalen Unterlage zeichnet, überträgt die Drohne die Linien mit einem Stift in die Vertikale und auf eine Wand. Die Übertragung funktioniert mit einem Nachverfolgungssystem, das die Handbewegungen des Zeichners beobachtet und über Wi-Fi an einen Laptop schickt, der wiederum die Drohne steuert. Die hat es natürlich nicht leicht, im Flugmodus die Linien zitterfrei an die Wand zu bringen und die beiden Erfinder der Drohne schildern, dass die Stabilisierung des Fluggerätes eine der schwierigsten Aufgaben gewesen sei.

Graffiti-Künstler KATSU sprayte per Fernbedienung in New York

Entwicklungspotenzial gibt es auch bei den Zeichnungen selbst, die bislang noch abstrakte Liniengebilde sind. Außerdem könnte man sich noch weitere Steuerungsmethoden vorstellen, etwa über Gehirnströme oder über Eye-Tracking, die Registrierung von Blickbewegungen. Und schließlich arbeiten Sang-won Leigh und Harshit Agrawal an der Reichweite, so dass die ferngesteuerte Beschriftung über eine größere Entfernung, vielleicht über viele Kilometer hinweg, funktioniert. Vielleicht könnten sogar mehrere Künstler, ohne sich zu begegnen, zur selben Zeit an einem Werk beteiligt sein?

Die Aussicht darauf dürfte für den Graffiti-Künstler KATSU durchaus interessant sein. KATSU machte vor einem knappen Jahr mit einem vielgeklickten Video auf sich aufmerksam, in dem eine Drohne mit Spraydose eine prominent platzierte Reklametafel in New York besprüht. Die gezielt gesprühten Farben über das Gesicht des Calvin Klein Models Kendall Jenner wirken wie eine künstlerische Performance, aber man braucht nur wenig Phantasie, um sich vorstellen zu können, was außer dieser eher minimalistischen Sprüh-Attacke noch alles möglich wäre.

Genaue Bauanleitung für eine Spray-Drohne

Die Umsetzung solcherart künstlerisch-technischer Ambitionen will KATSU offenbar nicht alleine übernehmen und liefert auf der Internetseite Icarus One die genaue Anleitung zum Selberbau. Die wesentlichen Bestandteile für den „Icarus One“ sind eine Phantom 2 Drohne, eine Sprühdose mit Halterung und einer mit Hilfe eines Micro Arduino selbst gebauten Steuerungseinheit.

Über sie werden die Sprühstöße, die entweder zu Punkten oder Linien werden, gesteuert. „Das Gerät“, so heißt es auf der Internetseite, „legt das Potenzial frei für den künstlerischen Ausdruck durch die Verwendung der Drohnen-Technologie“. 

Einen fliegenden Roboter mit einem Greifarm ausgestattet haben die Ingenieure des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Damit soll die Drohne aber keine Kunstwerke schaffen, sondern ihresgleichen reparieren. 

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Von Gudrun von Schoenebeck
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