06.02.2014, 15:00 Uhr | 0 |

Geometrie reduziert Stromverbrauch Dem Klimasünder Fräsmaschine geht es an die Schneide

Fräsmaschinen verpesten die Umwelt: Pro Jahr emittiert ein Gerät indirekt so viel Kohlendioxid wie zehn PKWs. Ein neues Forschungsprojekt will jetzt die Geometrie der Schneiden optimieren. Das soll zur Stromeinsparung im zweistelligen Prozentbereich führen

Die Universität Bayreuth forscht an klimaschonenden Fräsen
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An der Universität Bayreuth entwickelt ein Forschungsprojekt neue Schneiden für Fräsen. Jedes Gerät könnte pro Jahr zukünftig indirekt bis zu 1,7 Tonnen CO2 weniger emittieren. Betriebe erhoffen sich dadurch höhere Margen. 

Foto: Universität Bayreuth, LUP

Einen wertvollen Beitrag zur Stromeinsparung in der Industrie soll ein neues Forschungsprojekt leisten, an dem neben der Uni Bayreuth sieben bayrische Unternehmen beteiligt sind. Die Teilnehmer wollen die Geometrie der Schneiden von Fräsen so verändern, dass im Durchschnitt Stromeinsparung im zweistelligen Prozentbereich möglich wird. Das würde eine indirekte Reduzierung bei jeder Maschine um jährlich rund 1,7 Tonnen Kohlendioxid bedeuten – gemessen am Verbrauch von Strom, der aus fossilen Quellen erzeugt wird. Diese Schätzung beruht auf Vorversuchen mit den Maschinen. Die Experten setzen vor allem darauf, den Fräsprozess für jede einzelne Bearbeitung zu verkürzen. Das soll sich für Betriebe in niedrigeren Betriebskosten niederschlagen.

CO2-Ausstoß in Partnerunternehmen könnte um 85 Tonnen sinken

„Untersuchungen zufolge emittiert eine durchschnittliche Fräsmaschine indirekt jährlich so viel Kohlendioxid wie zehn Mittelklasse-Pkw“, sagt der Leiter des Forschungsteams, Hans-Henrik Westermann. Allein bei den für den Praxistest genutzten 50 Fräsmaschinen in den Partnerunternehmen könnte nach seiner Einschätzung der Kohlendioxid-Ausstoß um 85 Tonnen pro Jahr sinken. Die Fräswerkzeuge sind so genannte Vollhartmetall-Schaftfräser. Weil sie in praktisch jedem Betrieb des Maschinenbaus, der Medizintechnik und der Autoproduktion im Einsatz sind, sei die Neuentwicklung für Energieeinsparung und Klimaschutz „von strategischer Bedeutung“, meint Westermann.

„Das neue Forschungsprojekt baut auf den eigenen wissenschaftlichen Kompetenzen auf und greift darüber hinaus auch wichtige Erkenntnisse aus anderen Projekten wie beispielsweise der Green Factory Bavaria auf", erklärt der leitende Ingenieur Stefan Freiberger. Die „grüne Fabrik“ ist das Ziel eines bayrischen Forschungsverbunds. Sie soll so effizient produzieren, dass sie im Idealfall sogar autark ihren restlichen Energiebedarf decken kann.

Betriebe hoffen auf höhere Margen

Das Bayreuther Projekt soll ein Baustein in diesem ehrgeizigen Programm sein. Auf den Erfolg der Forschungen setzen auch die beteiligten Firmen, einige davon kleinere Mittelständler. Bei ihnen ist der Kostendruck so hoch, dass eine spürbare Energieeinsparung die Margen erhöhen und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit auch gegenüber der Konkurrenz in Billiglohnländern verbessern könnte. Ob die neuen Forschungen, die von der Bayerischen Forschungsstiftung finanziell gefördert werden, diese Hoffnung erfüllen, wird sich allerdings wohl erst in einigen Jahren erwiesen haben.

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Von Werner Grosch
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