10.10.2013, 15:00 Uhr | 0 |

Oberflächenbehandlung ausgeweitet Pulverbeschichtung jetzt auch bei Kunststoffteilen möglich

Bisher lassen sich nur metallische Bauteile pulverbeschichten, weil dazu ein elektrisches Feld nötig ist. Nach einer Behandlung mit einem Haftvermittler geht es jetzt auch bei Kunststoff.

Pulverbeschichtung
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Das neue Verfahren ermöglicht die Pulverlackbeschichtung auch bei Kunststoffen.

Foto: TLB

Pulverlack wird einfach in die Richtung gesprüht, in der sich das zu beschichtende Objekt befindet. Obwohl die Zielgenauigkeit gering ist, finden die meisten Farbpartikel den richtigen Weg. Den weist ihnen ein elektrisches Feld, das zwischen dem – metallischen – Objekt und der Sprühpistole aufgebaut wird. Farbpartikel, die ihr Ziel nicht treffen, sind nicht verloren. Sie werden einfach aufgesaugt und erneut genutzt.

Diese Art der Beschichtung hat zwei entscheidende Vorteile: Die Farbe wird sehr gleichmäßig aufgetragen, Nasen, also herunterlaufende Farbtropfen, gibt es nicht. Zudem sind umweltbelastende Lösungsmittel  überflüssig. Nach der Beschichtung werden die Teile in einen Wärmeofen gestellt. Hier verschmelzen die Farbpartikel zu einer glänzenden Schicht.

Dass es nur bei metallischen Gegenständen funktioniert ließ Ingenieure des Unternehmens Schneider Oberflächentechnik aus dem Schwarzwaldstädtchen Lahr und Forschern der Fachhochschule Offenburg keine Ruhe. Sie wollten auch nicht-leitende Teile pulverbeschichten, vor allem solche aus Kunststoff. Das haben sie jetzt geschafft. Sie entwickelten einen so genannten Primer, einen Haftvermittler, an dem die Farbpartikel haften, als würden sie durch ein elektrisches Feld dazu gezwungen. Dieser Primer, eine Art Voranstrich, enthält keine metallischen Partikel. Wenn das Pulver haftet geht es weiter wie gewohnt: Die beschichteten Teile wandern in den Wärmeofen.

Es funktioniert auch in der dritten Dimension

„Wir haben nach einer neuartigen und effizienten Möglichkeit gesucht, die einfach in bestehende Produktionsabläufe zu integrieren sein sollte“, erklärt Professor Johannes Vinke, der an der in Offenburg Maschinenbau und Werkstofftechnik lehrt. Schneider Oberflächentechnik bietet das Verfahren bereits auf dem Markt an. In einer Demoanlage präsentiert die Firma das Verfahren Interessenten. „Wir können mittlerweile sogar dreidimensional pulvern“, sagt Inhaber Harald Schneider.

Das Projekt ist im Rahmen eines ZIM-Förderprogramms des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) entstanden. Dass Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) soll die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, einschließlich des Handwerks und der unternehmerisch tätigen freien Berufe, nachhaltig unterstützen und einen Beitrag zu deren Wachstum leisten, verbunden mit der Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen.

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Von Wolfgang Kempkens
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