11.12.2015, 12:06 Uhr | 1 |

Breathaboard statt Gips Getreideabfall für den Innenausbau von Häusern

Ein britisches Start-up will die behäbige Baubranche kräftig aufmischen. „Breathaboard“ heißt das Produkt, welches den traditionellen Innenausbau mit Gipskartonplatten Anteile abjagen soll. Diese Platte besteht zu 75 % aus Getreideabfällen der Landwirtschaft und ist zu 100 % kompostierbar.

Thomas Robinson mit dem neuen Baumaterial Breathaboard
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Thomas Robinson mit der atmungsaktiven und zu 100 % recycelbaren Platte Breathaboard für den Innenausbau von Häusern. Sie besteht zu 75 Prozent aus Getreideabfällen der Landwirtschaft.

Foto: Adaptavate

Beim Innenausbau neuer Häuser kommt in aller Regel die Gipsplatte zum Einsatz. Denn diese ist leicht und kann rasch montiert werden. Schwieriger ist es, wenn es an den Rückbau geht: Dann wandern die Gipsplatten in den Müll. Weil sie herstellungsbedingt giftige Sulfate enthalten, müssen sie als Sondermüll entsorgt werden.

„Bei der Produktion von Gips entsteht jede Menge klimachädliches Gas. Und was das Ganze noch schlimmer macht: Nach Gebrauch landet der Abfall einfach auf der Deponie“, sagt der Brite Thomas Robinson. „Ich habe mir gedacht, da muss es doch etwas Besseres geben.“

Breathaboard ist atmungsaktiv

Im Rahmen seiner Abschlussarbeit im Studiengang „Nachhaltige Architektur“ experimentierte Robinson monatelang mit verschiedenen Bio-Verbundstoffen herum. Heraus kam eine Platte, die zu 75 % aus Getreideabfällen aus der Landwirtschaft hergestellt wird. Der Erfinder hat die Platte „Breathaboard“ genannt, was soviel wie „atmende Platte“ bedeutet.

„Es ist atmungsaktiv, verhindert Kondensation und Schimmel in der Wohnung und kann so Krankheiten wie Asthma, die durch Feuchtigkeit ausgelöst werden, reduzieren“, betont Robinson. Die Atmungsaktivität des Materials reduziere zudem den Bedarf an mechanischer Belüftung, was auch den Energiebedarf senke.

Zu 100 Prozent kompostierbar

Ein weiterer Vorteil von Breathaboard: Die atmende Platte ist zu 100 % kompostierbar. Heute fallen allein in Deutschland jedes Jahr 500.000 Tonnen Gipsabfälle an. Ihre Deponierung ist teuer. Zudem wird Deponieraum immer knapper.

Um seine atmende Platte bekannt zu machen, ist Robinson sogar ins Fernsehen gegangen. In der TV-Show „Grand Designs“ stellt der britische Architekt Kevin McCloud Bauprojekte der besonderen Art vor. Robinsons Auftritt in der Rubrik „Green Heroes“ bescherte seinem frisch gegründeten Start-up Adaptavate aus dem Stand 80 Testkunden. Darunter sind Bauunternehmer, aber auch private Bauherren, die insgesamt rund 20.000 m2 Breathaboard vorbestellt haben. 

Noch nur ein Prototyp

Denn noch ist die Ökoplatte nur ein Prototyp. „Wir bauen nun einen Prozess auf, mit dem wir diese Mengen produzieren können“, sagt Robinson. Bis zum Jahresende will er damit fertig sein und die Baubranche aufmischen. „Wir möchten dieser traditionell konservativen Branche einen neuen Atem einhauchen.“

Videoquelle: Adaptavate

Die atmende Platte bietet noch einige andere Pluspunkte. So ist sie leichter als die etablierte Gipsplatte. Sie hat eine bessere akustische Dämpfung – und vor allem ist sie feuerresistent. Diese Eigenschaft muss sich Adaptavate allerdings noch von externen Stellen zertifizieren lassen.

Gewinner des Green Alley Award 2015

Ansonsten startet der Jungunternehmer gerade richtig durch: Am 4. November wurde der Firma Adaptavate für die atmende Platte der Green Alley Award 2015 in Berlin verliehen. Damit hat sich Adaptavate gegen rund 100 Start-ups aus 17 verschiedenen Ländern durchgesetzt. Der Preis besteht aus einer Kombination von Geld- und Sachleistungen, darunter auch ein halbes Jahr freie Nutzung von Büroräumen in der Start-up-City Berlin, wo die Macher von Adapatavate viele neue Möglichkeiten zur Vernetzung mit anderen Gründern nutzen können (Co-Working-Space). Zusätzlich erhält die Firma, die Chance auf eine Finanzierung durch ein Investment oder Crowdfunding.

Naturglas aus Vulkanausbrüchen

In Deutschland hat übrigens ein Unternehmen aus Oberfranken Naturglas aus Vulkanausbrüchen als Rohstoff für die Bauindustrie entdeckt. Mehr dazu lesen Sie hier.

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Von Detlef Stoller
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kommentare
11.12.2015, 18:58 Uhr Rudolf Kohler
Es tut mir furchtbar leid es so sagen zu müssen, aber das journalistische Niveau hier sinkt immer tiefer.
"Schwieriger ist es, wenn es an den Rückbau geht: Dann wandern die Gipsplatten in den Müll. Weil sie herstellungsbedingt giftige Sulfate enthalten, müssen sie als Sondermüll entsorgt werden."
Gipskartonplatten bestehen aus Calciumsulfat (=Gips). Calciumsulfat ist in keinster Weise als gefährlicher Stoff eingestuft. Insofern stellt sich die Frage, weshalb man diesen als Sondermüll entsorgen soll.

Auch andere Fragestellungen müssen kritisch hinterfragt werden - das Thema "Feuerbeständigkeit" sticht mir zuallererst ins Auge: Ein Baustoff aus mindestens 75% Stroh kann nur durch entsprechende chemische Behandlung flammhemmend gemacht werden.

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