18.12.2015, 12:33 Uhr | 0 |

Diesmal erfolgreich Zwei neue Satelliten für Europas Galileo-System

Nach einem Fehlschlag im August gelang es jetzt, die Zahl der Satelliten für das europäische Navigationssystem Galileo auf zwölf zu erhöhen. In wenigen Tagen übernimmt das deutsche Kontrollzentrum die Feinpositionierung. Schon jetzt können Unternehmen, die Navis entwickeln, testen, wie sie mit den Satellitensignalen zurechtkommen.

Weitere Galileo-Satelliten auf dem Weg ins All
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Eine Sojus-Rakete ist am 17.12.2015 mit zwei weiteren Satelliten für das europäische Navigationssystem Galileo gestartet. Mit Adriana und Liene befinden sich jetzt 12 von 30 vorgesehenen Galileo-Satelliten in der richtigen Umlaufbahn. 

Foto: J. Huart/ESA/dpa

Mit Adriana und Liene hat sich die Zahl der Galileo-Satelliten jetzt auf zwölf erhöht. Eine russische Sojus-Rakete brachte die beiden 715 kg schweren Sonden jetzt vom europäischen Raumfahrtzentrum Kourou in Französisch-Guayana im Norden Südamerikas auf ihre 23.222 km hohe Umlaufbahn um die Erde. „Dieses Jahr war das bisher erfolgreichste für Galileo, da durch drei Satellitenstarts die Anzahl der Galileo-Satelliten im Weltraum von sechs auf zwölf verdoppelt wurde“, freut sich René Kleeßen, Galileo-Programm-Manager beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Es hätten acht neue Satelliten sein können

Fast wären es acht gewesen in diesem Jahr. Doch am 20. August schwächelte die Sojus-Rakete, die die Satelliten Milena und Doresa ins All bringen sollte. Eine Treibstoffleitung war eingefroren, sodass die beiden statt auf einer kreisrunden jetzt auf einer elliptischen Bahn unterwegs sind. Immerhin lassen sie sich noch nutzen, um einen Teil der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein zu untermauern. 2016 soll die Zahl der positionierten Galileo-Satelliten noch schneller steigen. Ariane-Raketen werden auf einen Schlag gleich fünf ins All befördern, insgesamt sollen es 30 Satelliten werden.

Atomuhren an Bord

Die Satelliten, die das Bremer Unternehmen OHB System gebaut hat, haben hochgenau gehende Atomuhren an Bord. Diese senden kontinuierlich ihr Zeitsignal Richtung Erde. Dort wird es von Geräten empfangen, die den heutigen Navis entsprechen. An Hand der Laufzeit der Signale von mehreren Satelliten und deren Position errechnet das irdische Empfangsgerät seine Position, und zwar weitaus präziser als das amerikanische Global Positioning System GPS, das russische Glonass- und chinesische Beidou-System.

Während der ersten zehn Tage steuert die französische Raumfahrtagentur CNES die Satelliten auf eine vorläufige Position. Dann führt das Galileo-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen bei München sie auf ihre endgültigen Positionen. „Wir haben die Übernahme der neuen Satelliten in den vergangenen Monaten intensiv vorbereitet und sind gut gerüstet für die Aufgaben“, sagt Walter Päffgen, Geschäftsführer der Gesellschaft für Raumfahrtanwendungen des DLR, die das Kontrollzentrum betreibt.

In fünf Gates wird Galileo simuliert

2020 soll Galileo in Betrieb gehen. Die Vorbereitungen zur Nutzung sind bereits im Gang. In Deutschland gibt es fünf so genannte Gates, das sind Regionen, in denen so genannte Pseudolites Galileo-Signale ausstrahlen. Ein Pseudolite besteht aus einem Galileo-Signalgenerator sowie einer Antenne, die an einem exponierten Standort montiert ist. Mit dieser Anordnung können Unternehmen, die Empfänger herstellen, testen, wie gut sie funktionieren und sie optimieren.

Die Gates befinden sich in Berchtesgaden, im Rostocker Hafen, auf dem DLR-Forschungsflughafen Braunschweig, auf einer Autobahn-Teststrecke in Siersdorf bei Aachen – dort werden auch die Folgen der Action-Serie „Alarm für Cobra 11“ gedreht – und auf dem Siemens-Bahnversuchsgelände in Wegberg bei Mönchengladbach.

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Von Wolfgang Kempkens
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