19.05.2017, 14:30 Uhr | 0 |

Umtriebiger Fahrdienstleister Uber drängt ins Speditionsgeschäft

Im Taxibereich hat sich Uber trotz aller Kritik etabliert, nun wollen die Amerikaner den Logistikmarkt umkrempeln. Ein entsprechender Dienst ist gerade gestartet.

Uber Freight
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Foto: Screenshot Uber/ingenieur.de

Der selbstbestimmte Trucker in den Weiten Nordamerikas - das ist das Bild, mit dem Uber Freight sein neuestes Produkt auf den Markt bringt. Eine App, die Händler mit Transportunternehmen verbindet. Der eine stellt seine Aufträge ein, der andere sagt die Fahrten zu, die seiner Route entsprechen. Ein Frachtdienst, der so unkompliziert funktionieren soll wie der bestehende Personenservice. Gerade startet er in den USA.

Einen entscheidenden Unterschied gibt es allerdings: Die Frachtfahrer sollen selbst entscheiden können, wen oder was sie mitnehmen. Denn nicht jede Fracht ist für jedes Fahrzeug geeignet. Von der Art der Fracht, der Länge der Strecke und weiteren Faktoren soll auch der Preis abhängen, den die Fahrer erhalten.

Uber verspricht verlässliche Bezahlung

Das Angebot Uber Freight dürfte vor allem Ein-Mann-Unternehmen und kleine Speditionen ansprechen. Denn alle potenziellen Aufträge kommen mit garantierten Fixpreisen daher, die Lkw-Fahrer brauchen also nicht mehr zu verhandeln. Wenn der Preis stimmt, kann der Auftrag angenommen werden und wird unmittelbar bestätigt, so Uber. Und auch die Zeiten, da Spediteure und Lkw-Fahrer für Wochen oder gar Monate in Vorkasse gehen mussten, sollen damit vorbei sein. Uber verspricht eine Bezahlung innerhalb von sieben Tagen nach Zustellung.

Fahrer könnten bald unnötig werden

Noch klingt die Uber-App nach einem Service, der Fahrern und Spediteuren die Arbeit erleichtern soll. Doch auf lange Sicht könnten sie die Bauernopfer des Systems sein. Denn Uber investiert in autonome Fahrzeuge. Wenn diese Entwicklung weiter voranschreitet und einige rechtliche Hürden genommen sind, könnten sie den menschlichen Fahrern Konkurrenz machen.  

Auf dem deutschen Logistikmarkt tummelt sich viel Konkurrenz

Ob der Uber-Dienst in absehbarer Zeit auch nach Deutschland kommen wird, ist fraglich. Zwar ist die Bundesrepublik laut Weltbank Logistik-Weltmeister und, wenn man den Marktanalysten der Beratungsfirma Oliver Wyman glaubt, auch Heimat eines Gütertransportmarkts mit einem Umsatzvolumen von 250 Mrd. EUR. Dennoch fließen 90% der Investitionen in Logistik-Start-ups in den USA und Asien.

Einige innovative Lichtpunkte gibt es hierzulande dennoch: Ähnlich wie das aktuelle Uber-Angebot funktionieren etwa das Rocket-Venture Instafreight, das Aufträge im Gütertransport digital vermittelt, und das Berliner Start-up Truckin, das Lkw-Fahrer und Spediteure untereinander vernetzt. Außerdem organisiert Frachtraum, das seinen einstigen Namen Überland wegen Uber abgeben musste, Teil- und Komplettladungen im europaweiten Frachtverkehr. Der Logistikriese DB Schenker kooperiert dennoch mit einem US-Start-up, der Online-Frachtbörse uShip. Das Ziel: Gütertransporte und Lagerräume künftig besser auslasten.  

Damit die vollgeladenen Lkw schließlich ihre Lieferzeiten einhalten können, hat das Potsdamer Start-up Synfioo ein Warnsystem für Frachtführer entwickelt, das vor Staus, Sicherheitskontrollen und Sperrungen auf der vorgesehenen Route warnt. Und vielleicht stehen noch viel mehr Unternehmen in den Startlöchern, um die europäischen Straßen zu besetzen, bevor Uber es überhaupt über den großen Teich schafft.

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Von Lisa Schneider
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