05.08.2014, 10:53 Uhr | 0 |

Schutz für Radfahrer London stattet Linienbusse mit Sensorsystemen aus

London experimentiert derzeit mit Sensorsystemen für Linienbusse, um für Radfahrer das Radeln in der Großstadt sicherer zu machen. Raffinierte Algorithmen halten Radfahrer und Autos auseinander und schlagen sofort Alarm, wenn ein Rad in die Gefahrenzone des Busses gerät. Bis 2020 will London so die Verkehrsunfälle mit Busbeteiligung um 40 Prozent reduzieren. 

Auch die berühmten roten Doppeldecker-Linienbusse in London könnten zukünftig mit Sensorsystemen fahren
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Auch die berühmten roten Doppeldecker-Linienbusse in London könnten zukünftig mit Sensorsystemen fahren, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Denn jeden Tag verzeichnet die Londoner Verkehrsbehörde in der Großstadt Hunderte Vorkommnisse. 

Foto: dpa

Derzeit experimentiert London mit zwei verschiedenen Frühwarnsystemen: CycleEye stammt vom Hersteller Fusion Processing, Cycle Safety Shield hingegen von Safety Shield Systems. Eingebaut wurden die Sensoren in Busse der Linien 25 und 73, die beide durch Gegenden mit besonders vielen Radfahrern und Fußgängern fahren – einschließlich der Londoner Innenstadt. Zugleich zeichnen sich beide Buslinien durch eine meist überdurchschnittliche Fahrgastzahl aus – was den Fahrer gelegentlich abzulenken droht. 

Algorithmen können Radfahrer und Autos in Echtzeit auseinanderhalten

Die Warnsensoren lassen sich in nur einer Stunde am Bus einbauen. Sie funktionieren laut Hersteller bei jedem Wetter und bei Tag wie bei Nacht. Es werden Algorithmen genutzt, die aus der Fülle der Bilddaten automatisch und in Echtzeit Zweiradfahrer und Fußgänger herausfiltern, die dem Bus zu nahe zu kommen scheinen. Autos, Verkehrszeichen, Masten von Straßenlampen, Verkehrsschilder und Bordsteine werden hingegen sofort ausgesondert. Wenn sich nun ein Radfahrer zu sehr nähert, wird der Busfahrer gewarnt – etwa mit der Sprachausgabe “Radfahrer links”.

Die Sensoren machen den Busfahrer neben Radfahrern und Fußgängern auch auf Motorradfahrer aufmerksam. Diese drei Gruppen von Verkehrsteilnehmern gelten als die mit am Abstand Unfallgefährdetsten. In jüngerer Vergangenheit sind die Londoner Busse deshalb bereits mit einem System namens Intelligent Speed Adaption (ISA) ausgerüstet worden – ein Assistenzsystem, das automatisch die Geschwindigkeitsbegrenzung einhält. Noch in diesem Jahr soll ein erster detaillierter Bericht über das Abschneiden der beiden neuen Sensorsysteme von der Verkehrsbehörde Transport for London (TFL) veröffentlicht werden.

Londoner Verkehrsbehörde verzeichnet Hunderte Vorkommnisse pro Tag

Ein Viertel des gesamten Personenverkehrs in London wird von Bussen bewältigt. Die traditionell leuchtend roten Busse sind an acht Prozent aller Verkehrsunfälle mit Personenschaden beteiligt. Diese Quote soll bis 2020 um 40 Prozent reduziert werden – durch die automatische Frühwarnung des Fahrers vor Radfahrern und Fußgängern.

Der TFL-Vorstandsvorsitzende, Leon Daniels, hält die Integration der Warn- und Steuerungssysteme für “lebenswichtig, um Londons Straßen so sicher wie irgend möglich zu machen”. TFL verzeichnet heute Hunderte Vorkommnisse pro Tag, bei denen wenigstens eine Person ins Krankenhaus eingeliefert werden muss. In der Regel sind das Fußgänger, Radfahrer oder Fahrgäste.

Rund 50 Prozent der Verletzten ziehen sich ihre Verletzung übrigens im Bus selbst zu. Dabei fallen die meisten betroffenen Fahrgäste die Treppe vom Oberdeck hinunter. Eine andere häufige Verletzungsursache sind jene Fälle, in denen der Fahrer plötzlich scharf bremsen muss und stehende Fahrgäste umfallen und sich dabei verletzen. 

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Von Peter Odrich
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