17.08.2015, 10:34 Uhr | 0 |

PROJEKT SMART ROAD Hamburger Hafen testet intelligente Straße mit Sensoren und Kameras

Überwacht mit Sensoren und Kameras und ausgestattet mit einer Beleuchtung, die in Echtzeit auf Fahrradfahrer reagiert: Das ist die Smart Road im Hamburger Hafen. Hier werden unter anderem die Verkehrssituation und der technische Zustand der Hubbrücke ständig überwacht.

Hamburger Hafen in der Abenddämmerung
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Auf der Smart Road im Hamburger Hafen kommen mehrere Systeme zum Einsatz: Sie steuern die Beleuchtung, messen die Luftqualität, registrieren die Verkehrslage und liefern Daten über den Zustand der Kattwykbrücke.

Foto: Marcus Brandt/dpa

Wer genauer hinsieht, muss sich wie bei Big Brother 2.0 fühlen: An jeder Straßenlaterne eine Kamera, an jeder Ampel verdächtige Kästen. Und für einen Radfahrer ist es sicher ein merkwürdiges Gefühl, wenn die Straßenbeleuchtung erst direkt vor ihm angeht und kurz darauf wieder erlischt. Im Hamburger Hafen gibt es diese Straße, die als Testgebiet für die Straße der Zukunft dient.

Smart Road nennt die Hamburger Hafenbehörde das europaweit einmalige Projekt, das sie zusammen mit dem Netzwerkanbieter Cisco gestartet hat. Ein Jahr lang werden hier vier Systeme getestet, die letztlich alle dazu dienen sollen, Energie und Kosten zu sparen.

Verkehrsstörung wird sofort gemeldet

Ein wichtiger Teil ist das System für Verkehrsmanagement. Jede Störung, etwa ein Stau oder ein Unfall, wird automatisch erfasst. Alle Daten laufen beim sogenannten Road Manager zusammen, der sie gegebenenfalls direkt an die Polizei oder andere Behörden weitergibt. So soll der Verkehrsfluss optimiert werden. Zweiter Aspekt sind Umweltsensoren, die laufend Daten über die Luftqualität sammeln.

Neben dem beschriebenen Beleuchtungskonzept mit dem Namen „Follow me Lighting“ ist der vierte Teil des Programms von zentraler Bedeutung: Sensoren liefern Echtzeitdaten über den Zustand beweglicher Infrastrukturen. In der Hamburger Smart Road betrifft das vor allem die Kattwykbrücke, Deutschlands größte Hubbrücke.

Diese Daten versetzen die Instandsetzungsabteilung in die Lage, Wartungsarbeiten und Reparaturen nicht nur präzise, sondern auch vorausschauend zu planen, heißt es seitens Cisco. Genau das ist der entscheidende Punkt: Wenn die 290 m lange Brücke unerwartet ausfällt, können die größten Schiffe den Hafen nicht mehr anlaufen. So geschehen im Jahr 2008, als ein Lager in einer der Seiltrommeln brach. Die wochenlange Blockade der Brücke kostete Hamburger Unternehmen Millionen, die komplette Reparatur dauerte fast ein ganzes Jahr. Die ständige Überwachung des technischen Zustands der Brücke soll solche Desaster künftig verhindern.

Kameras zeichnen Gesichter nur verwischt auf

Wie gut die Systeme funktionieren und ob sie tatsächlich helfen können, Kosten zu sparen, soll im nächsten Frühjahr bilanziert werden. Bis dahin ist die Hamburger Smart Road wohl die bestüberwachte Straße Deutschlands.

IT-Spezialist Cisco legt Wert auf die Feststellung, dass keinerlei persönliche Daten gespeichert werden: „Zu diesem Zweck hat Cisco gemeinsam mit der Firma KiwiSecurity direkt in den Aufnahmegeräten eine Software installiert, die dafür sorgt, dass Gesichter und Nummernschilder nur verwischt aufgezeichnet werden.“

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Von Werner Grosch
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