08.09.2014, 14:59 Uhr | 0 |

Fahrradautobahn fürs Ruhrgebiet Gutachter bescheinigen dem Verkehrsprojekt enormen Nutzwert

Der Radschnellweg Ruhr – RS1 genannt ­– soll gut 100 Kilometer quer durch das Ruhrgebiet führen und zehn Stadtzentren miteinander verbinden. So sehen es die Pläne vor, die jetzt im Auftrag des Regionalverbands Ruhr (RVR) auf ihre Machbarkeit hin geprüft wurden. Der Studie zufolge würde der RS1 183,7 Millionen Euro kosten. Doch der gesamtwirtschaftliche Nutzen wäre fast fünfmal so hoch. 2020 könnte die Strecke ausgebaut sein.

Radweg über die Erzbahnschwinge in Bochum
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Radweg über die Erzbahnschwinge in Bochum: Eine Machtbarkeitsstudie zum Radschnellweg Ruhr (RS1), der die Stadtzentren von Duisburg, Mülheim an der Ruhr, Essen, Gelsenkirchen, Bochum, Dortmund, Unna, Kamen, Bergkamen und Hamm miteinander verbinden soll, wurde jetzt positiv bescheinigt. Der gesamtwirtschaftliche Nutzen wäre etwa fünfmal höher als die Kosten von 183,7 Millionen Euro für den Bau.

Foto: dpa/Oliver Berg

Die vorgesehene 101 Kilometer lange Strecke des RS1 verbindet die Stadtzentren von Duisburg, Mülheim an der Ruhr, Essen, Gelsenkirchen, Bochum, Dortmund, Unna, Kamen, Bergkamen und Hamm miteinander. Weniger Staus auf der Hauptverkehrsader A40 und B1 erhoffen sich die Planer ebenso vom RS1 wie eine Entlastung des öffentlichen Nahverkehrs zwischen Duisburg und Hamm.

Jährlich CO2-Emissionen von 900 Haushalten einsparen

Allein im nahen Einzugsbereich der geplanten Trasse leben laut Informationen des RVR rund 1,6 Millionen Einwohner sowie 430.000 Erwerbstätige und 150.000 Studierende. Je nach Streckenabschnitt rechnen die Planer mit bis zu 5000 Radlern, die den Schnellweg täglich nutzen würden. Insgesamt könnten rund 50.000 Pkw weniger die Straßen des Ruhrgebiets verstopfen. Dadurch würden jährlich 16.600 Tonnen CO2 eingespart, was in etwa den CO2-Emissionen von 900 Haushalten entspräche.

Fahrzeit um ein Drittel reduzieren

Für die teils neu-, teils auszubauende Trasse sollen vor allem alte Bahntrassen und bereits vorhandene Radwege genutzt werden. Rund die Hälfte der Kosten entstünde durch den Bau von Sonderbauwerken wie Brücken und Unterführungen, während der eigentliche Wegebau nur gut 20 Prozent der Gesamtkosten ausmachen würde.

Ein Radfahrer fährt am 02.09.2014 in Essen (Nordrhein-Westfalen) auf einem Radweg über das Gelände der Zeche Zollverein. Der Regionalverband Ruhr stellt eine Machbarkeitsstudie für den geplanten Radschnellweg Ruhr vor Die rund 85 Kilometer lange «Fahrrad-Autobahn» im Ruhrgebiet soll die Städte zwischen Hamm und Duisburg miteinander verbinden. Foto: Oliver Berg/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Radfahrer in Essen auf einem Radweg über das Gelände der Zeche Zollverein: Der Regionalverband Ruhr hat eine Machbarkeitsstudie für den geplanten Radschnellweg Ruhr vorgestellt. Die rund 85 Kilometer lange Fahrrad-Autobahn RS1 im Ruhrgebiet soll die Städte zwischen Hamm und Duisburg miteinander verbinden. 

Foto: dpa/Oliver Berg

Geplant ist ein durchweg vier Meter breiter Radweg mit jeweils einer Spur für beide Richtungen. Eine durchgängig gute Qualität des Radweges soll die Fahrzeit, die Radfahrer aktuell auf den interkommunalen Verbindungen in der Metropole Ruhr benötigen, um etwa ein Drittel reduzieren.

Laut Studie lassen sich elf Millionen Euro an Krankheitskosten sparen

Die Planer gehen davon aus, dass die Fahrradnutzung auf mittleren Entfernungen von fünf bis 15 Kilometern deutlich ansteigen wird. Steigende Verkaufszahlen von Elektrofahrrädern, insbesondere von Pedelecs, die besonders geeignet für den Radschnellweg wären, sprächen dafür. Durch die gesundheitlichen Effekte des Radfahrens würden laut Studie jährlich bis zu elf Millionen Euro an Krankheitskosten eingespart. Gleichzeitig sänke die Anzahl der Verkehrsunfälle im Einzugsbereich des RS1 um bis zu zwei Prozent. Insgesamt sei der gesamtwirtschaftliche Nutzen des RS1 um den Faktor 4,8 höher als die Investitionskosten.

Ungebremst ans Ziel kommen

In den Niederlanden als Vorreiter, in Belgien, Großbritannien und Dänemark werden bereits seit einigen Jahren Radschnellwege gebaut. Diese Radwege werden vom Fußverkehr und dem motorisierten Individualverkehr getrennt. Die Fahrzeiten und der Energieaufwand der Radfahrer sollen auf diesen Strecken minimiert werden, ohne Umwege von A nach B führen. Sie sind breit genug und haben möglichst wenig Steigung. Kreuzt der Radweg einen anderen Weg, wird er entweder über- oder unterführt oder priorisiert. Nonstop und ungebremst von anderen Verkehrsteilnehmern kommen Radfahrer so schneller und ausgeruhter ans Ziel.

Das Bundesverkehrsministerium finanzierte die Machbarkeitsstudie mit 320.000 Euro aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans 2020 (NRVP). Als nächsten Schritt zur Realisierung des RS1 empfiehlt die Studie nun, dass Bund, Land, Kommunen und RVR gemeinsam Finanzierungsmöglichkeiten und Trägerschaftsmodelle für den Radschnellweg ausloten.

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Von Susanne Neumann
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