09.07.2014, 06:55 Uhr | 0 |

Weniger Platz, weniger Autos Google sieht im fahrerlosen Auto die Revolution der Mobilität

Eine Zukunftsvision, an der Google derzeit kräftig arbeitet, ist das fahrerlose Auto. Das autonome Fahren soll den Straßenverkehr dramatisch verändern. Was ein IT-Konzern mit der Mobilität der Zukunft verbindet, haben die Google-Gründer in einem Kamingespräch verraten. Visionäre beim Plaudern.

Das autonom fahrende Google-Auto
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Derzeit drosselt aus Sicherheitsgründen ein Tempomat den kleinen autonomen Flitzer von Google, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 40 km/h. Die Front hat zudem eine schaumstoffähnliche Oberfläche, die Passanten im Fall einer Kollision schützen soll.

Foto: Google

Die Visionen, mit denen Sergey Brin sich beschäftigt, haben viel mit Maschinen zu tun, die sehen, denken und argumentieren können. Künstliche Intelligenz, glaubt der russischstämmige Informatiker, wird in Zukunft zu einem erheblichen Teil unser Leben bestimmen. Daran wird der 40-Jährige vermutlich nicht unbeteiligt sein. Vor 16 Jahren entwickelte Brin mit Larry Page gemeinsam die Suchmaschine Google. Heute gehört er nicht nur zu den reichsten Menschen der Welt, sondern ist bei Google für die technische Entwicklung und Forschung zuständig. Da sollte man im großen Stil Pläne haben können.

Im Google-Auto ist der Fahrer nur noch Passagier

Einer dieser großen Pläne betrifft den Straßenverkehr, den Brin, beziehungsweise Google, revolutionieren möchte. Darüber plauderte der Informatiker jetzt mit Larry Page und dem amerikanischen Geschäftsmann Vinod Khosla in einer Art öffentlichem Kamingespräch, das es auf YouTube zu sehen gibt.

Wie denn die Strategie bei Google für die Einführung der selbstfahrenden Autos sei, wollte Khosla, der selbst ein Vermögen in der Entwicklung von Umwelttechnologien gemacht hat, von den jungen Google-Chefs wissen. Man sei noch in einem frühen Stadium der Entwicklung, antwortete Brin. Aber er hoffe, dass die Veränderung im Straßenverkehr durch autonome Fahrzeuge „dramatisch“ werde.

Erst kürzlich, im Mai 2014, hatte Google den ersten Prototyp eines eigenen selbstfahrenden Autos der Öffentlichkeit vorgestellt. Und wirklich – die Veränderung des motorisisierten Individualverkehrs wäre drastisch, wenn solche Autos irgendwann die Straßen befahren. Einen Fahrer im eigentlichen Sinne gibt es dann nicht mehr, nur noch Passagiere. Sie könnten sich gegenüber sitzen, kann Brin sich vorstellen.

Selbstfahrende Auto können Straßen besser ausnutzen

Im Google-Prototyp sitzen sie noch nebeneinander. Es gibt weder ein Lenkrad, noch eine Bremse oder andere Pedale. Das Auto wird über die Armatur gestartet, der „Fahrer“ gibt das Ziel auf dem Bildschirm ein und der Wagen setzt sich autonom in Bewegung.

Der Prototyp des Google-Autos fuhr bei der Präsentation bis zu 40 Kilometer pro Stunde schnell. Das soll sich ändern, wenn es nach Sergey Brin geht. „Die selbstfahrenden Autos können unsere Straßen wesentlich effizienter nutzen. Sie könnten schneller unterwegs sein als die jetzige Höchstgeschwindigkeit es erlaubt und sie könnten in einer Kolonne fahren.“

Außerdem werde sich die Parkplatzsituation verbessern, meint Brin. In manchen amerikanischen Städten würden 30 bis 50 Prozent des Platzes von Parkplätzen belegt, das sei extrem ineffizient. Das System der Google-Autos sei so angelegt, dass nicht jeder ein eigenes Auto besitzt. „Man nimmt sich eins, wenn man eines braucht“, glaubt Brin. Deshalb könne auch die Zahl der Parkplätze deutlich reduziert werden.

Google zweifelt: Autoindustrie könnte der falsche Partner sein

Ob sie ihre Vorstellungen vom selbstfahrenden Auto jemals verwirklichen können, ist auch für Sergey Brin und Larry Page ungewiss. Probleme gibt es genug auf dem Weg dahin. Zum Beispiel werden die großen Autokonzerne kein Interesse daran haben, die Zahl der Autos auf den Straßen zu reduzieren.

Sergey Brin ist sich deshalb gar nicht sicher, ob die traditionellen Autohersteller die richtigen Partner für das Google-Auto sein können. „Vielleicht werden wir uns stattdessen mit anderen Herstellern und Dienstleistern zusammentun“, so Brin. 

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Von Gudrun von Schoenebeck
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