24.05.2016, 13:03 Uhr | 0 |

Umgebauter Truck Fernbus mit Schlafkabinen unterwegs zwischen LA und San Francisco

Dieser Schlafwagen fährt nicht auf Schienen. Es ist ein Bus, der seine Fahrgäste im Schlaf von Los Angeles nach San Francisco bringt. Für 48 $ bekommt man seine eigene Schlafkabine mit WLAN und darf mehrere Gepäckstücke und sogar ein Fahrrad mitnehmen. Nach gut sechs Stunden ist man ausgeruht am Ziel. Und Ausschlafen darf man auch noch.

SleepBus
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Der SleepBus ist ein umgebauter Volvo-Truck. Er verfügt über Schlafkabinen, Sitzecken und reichlich Platz für Gepäck. Er verkehrt nachts zwischen Los Angeles und San Francisco.

Foto: SleepBus

Während Elon Musk kräftig an seinem Hyperloop bastelt, der Pendler in einer halben Stunde mit Höchstgeschwindigkeit von Los Angeles nach San Francisco katapultieren soll, hatte Tom Currier eine andere Idee. Statt ein komplett neues Streckennetz aufzubauen, wie Musk dies mit seiner Magnetschwebekapsel vorhat, baut der Jungunternehmer auf vorhandene Strukturen und bietet einen einfachen, aber offenbar vielfach gewünschten Service an. Wie im Schlafwagen werden die Reisenden über Nacht von A nach B transportiert, jeder in der eigenen Schlafkabine.

In der ersten Woche wurden über 1300 Tickets verkauft

Für Europäer, die bei langen Zugfahrten die Option des Schlafwagens in Betracht ziehen, ist das eher nichts Neues. Aber im schlecht ausgebauten Gleisnetz der USA stellt sich diese Möglichkeit als echte Marktlücke heraus.

Bislang gab es keinen Service, der Passagiere über Nacht von San Francisco nach Los Angeles beförderte und ihnen währenddessen einen bequemen Schlafplatz anbieten konnte. Entweder fliegt man relativ teuer oder man quetscht sich in einen Sitz im Greyhound Bus.

Nach der Pilotphase, in der Tom Currier einen Bus gechartert hatte, um seinen neuen Service zu testen, ist der richtige SleepBus nun seit Mitte April in der Einführungsphase. Der Erfolg ist anscheinend riesig, vor Anfragen kann sich das junge Unternehmen SleepBus kaum noch retten. In der ersten Woche seien über 1300 Tickets verkauft worden. Reservierungen könne man erst wieder entgegen nehmen, wenn man die nächsten zehn neuen Busse umgebaut habe, heißt es auf der Website. Die Kapazitäten würden erst Mitte August steigen.

Am Ziel dürfen die Reisenden bis 9 Uhr ausschlafen

Korrekt müsste der SleepBus eigentlich SleepTruck heißen, denn der „Bus“ mit derzeit 20 Schlafkabinen ist ein umgebauter Volvo-Truck. Abends um 11 geht die Reise sowohl von San Francisco als auch von Los Angeles los und dauert bei normalem Straßenverkehr und ohne Zwischenstopp zwischen sechs und sieben Stunden. Entweder ist Tom Currier selbst ein Langschläfer, oder er kennt seine Kundschaft, denn die Reisenden werden am Ziel nicht sofort rausgeschmissen, sondern dürfen bis 9 Uhr ausschlafen.

Auch die Schlafkabinen bieten einen gewissen Komfort. Neben frischer „Luxus-Bettwäsche“ gibt es ein Leselicht, eigene Stromversorgung, einen Vorhang für die Privatsphäre sowie WLAN. Für alle Reisenden stehen ein Bad, eine Sitzecke, Kaffee und Tee zur Verfügung. Weil genügend Platz da ist, darf jeder drei große Taschen mitbringen. Auch der Transport des Fahrrads oder anderer sperriger Ausrüstung ist im Preis inbegriffen. Der liegt zurzeit bei 48 $, wird aber nach der Einführungsphase auf 65 $ steigen.

Das Streckennetz soll ausgebaut werden

Sein Streckennetz will das Unternehmen SleepBus in Zukunft ausbauen. Als nächstes steht die Strecke zwischen San Francisco und Las Vegas auf dem Plan. Im Jahresverlauf soll auch die Strecke von San Francisco nach San Diego dazu kommen. Dann wollen die SleepBus-Gründer eventuell auch auf Sonderwünsche reagieren. „Passt man als großer Mann mit 1,93 in eure Betten?“, will jemand auf der Facebook-Seite des Unternehmens wissen. „Ehrlich gesagt, das wäre ein bisschen eng“, antwortete SleepBus. „Wir hoffen aber, in der nächsten Version auch Angebote für unsere größeren Freunde machen zu können.“

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Von Gudrun von Schoenebeck
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