18.07.2016, 15:39 Uhr | 2 |

Premiere gelungen Erste autonome Busfahrt mit einem Elektrobus von Mercedes

Daimlers autonom fahrender Elektrobus hat die Premiere überstanden: Erstmals ist ein Stadtbus von Mercedes im realen Verkehr automatisiert gefahren, zwischen dem Flughafen Schiphol und der Stadt Harlem. Mit 70 km/h war der Bus ganz schön flott unterwegs. Der Fahrer am Steuer hatte nichts zu tun. Zum Glück.

Der Job eines Busfahrers in einer Großstadt kann sehr anstrengend sein, volle Konzentration ist angesagt. Anders ist das beim Mercedes-Benz Future Bus mit CityPilot, der heute seine weltweit erste autonome Fahrt im Stadtverkehr erfolgreich gemeistert hat. Der Bus nutzte ein 20 km langes Teilstück der längsten Expressbus-Linie Europas vom Flughafen Amsterdam Schiphol bis zur Stadt Haarlem für die Jungfernfahrt.

Solche Bus Rapid Transit, BRT abgekürzt, sind hervorragend für autonomes Fahren geeignet. Der Bus fährt eine immer gleiche Strecke auf einer separaten Trasse, hat einen klar definierten Fahrplan und immer die gleichen Aktionen an den Haltestellen.

Fahrer kann jederzeit die Kontrolle übernehmen

Daimler wollte der weltweit erste Hersteller sein, der einen Stadtbus im realen Verkehrsgeschehen automatisiert fahren lässt. Allerdings sind die Stuttgarter etwas zu spät. Den Weltrekord hat ihnen der französische Hersteller Navya vor der Nase weggeschnappt. Die Franzosen haben einen autonom fahrenden Kleinbus entwickelt, der seit Juni in der Schweizer Stadt Sitten im realen Verkehr unterwegs ist. Zugegeben, der Bus ist deutlich kleiner als der Future Bus von Mercedes.

Und wie funktioniert nun der große Future Bus von Mercedes? Er erkennt, ob die vor ihm liegende Strecke für automatisiertes Fahren geeignet ist und gibt dem Fahrer ein Signal. Mit einem Tastendruck aktiviert dieser den CityPilot und nimmt den Fuß vom Gas- oder Bremspedal. Auch lenken ist verpönt, denn jede Fahreraktivität überlagert den CityPilot.

Vernetzte Kameras und Sensoren

Der Bus verfügt über eine Ampelerkennung sowie Hindernis- und Fußgängererkennung. Zehn Kameras sorgen für umfassenden Rundumblick. Der Bus hat Radarsysteme für den Nah- und Fernbereich und das satellitengestützte GPS an Bord. Dabei sind die Kameras und die Sensoren untereinander vernetzt, so dass ein präzises Bild der Umgebung und der exakten Position des Busses entsteht.

In den nächsten fünf Jahren will Daimler Buses rund 200 Millionen Euro in das Stadtbus-Konzept investieren. „Anfang des nächsten Jahrzehnts wollen wir damit in Serie gehen“, sagt Hartmut Schick, Leiter von Daimler Buses.

Der BRT von Schiphol nach Haarlem ist mit speziellen Ampeln ausgestattet. Auf diesen bedeuten zwei rote Punkte nebeneinander Stopp, zwei weiße Punkte übereinander bedeuten freie Fahrt. Das aufwendige Kamerasystem im Bus kann diese Signale eindeutig erkennen. Über ein WLAN-System kommuniziert der Bus mit der gesamten Streckeninfrastruktur. So bezieht er laufend Informationen zum Ampelstatus und kann das Tempo auf grüne Welle optimieren.

Am Ortsende beschleunigt der Bus auf 70 km/h

Sicher fährt der Bus über zwei Brücken, nimmt eine Unterführung. Am Ortsende beschleunigt er auf das einprogrammierte Maximaltempo von 70 km/h. Selbst bei dieser Geschwindigkeit fährt der Bus autonom.

An den Haltestellen kommt der Bus zentimetergenau zum Stehen. Wenn die Ampel von rot auf weiß wechselt und noch Fußgänger die Fahrbahn überqueren, wartet der Bus mit dem Anfahren solange, bis die Fahrbahn frei ist. Zur Vermeidung einer Kollision verfügt der CityPilot über ein automatisches Bremssystem.

Drei Raumbereiche im Businneren

In die Zukunft weist auch Design des Stadtbusses auf Basis des Weltbestsellers Citaro. Der Innenraum ist offen und hell gestaltet und gliedert sich in drei Bereiche. Vorne in Fahrernähe ist der Servicebereich. In der Mitte ist der Expressbereich für Fahrgäste, die nur ein kurzes Stück mitfahren. Hier liegt der Schwerpunkt auf Stehplätze und schnelle Fahrgastwechsel.

Hinten ist die Lounge für längere Fahrten. Besonders praktisch: Die Smartphones der Fahrgäste können dort kabellos über Induktion geladen werden. Der Bus verfügt über ein elektronisches Ticketsystem, vom Verkauf und Kontrolle der Fahrkarten ist der Fahrer befreit.

Anzeige
Von Detlef Stoller
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare
20.07.2016, 08:59 Uhr Luan
Ich finde diesen Ansatz prinzipiell sehr gut. ABER bevor man einen solchen Bus entwickelt, sollten ALLE LKW mit einem Notbremsassisten ausgestattet werden, damit solche Auffahrunfälle gänzlich ausgeschlossen werden! Der Mensch ist das Risiko.

26.07.2016, 14:05 Uhr Progetti
Wenn das automatische Brems- System von der Reaktionszeit her nicht ausreicht, dann sollte ein optisch kontrolliertes Aussen- Airbag- System bestehend aus z.B. je vier Einheiten am Bus vorne und hinten die Schutz- Funktion ergänzen.
Diese Airbag- Einheiten sollten aber nach Aufgabenerfüllung einfach und rasch getauscht werden können!

Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden