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28.08.2014, 08:30 Uhr | 0 |

Farbwechsel als Warnung Nagellack wird zum Fingerzeig auf Drogen

Ein Nagellack wechselt die Farbe, wenn im Drink eine Vergewaltigungsdroge versteckt ist. Indem sie Alltagskosmetik zum Testgerät machen, wollen die Erfinder zur Sicherheit feiernder Frauen beitragen. Noch ist das Produkt nicht auf dem Markt, doch es gibt bereits Unterstützer – und Kritik. 

Der Nagellack der US-amerikanischen Studenten wechselt bei Drogenkontakt die Farbe
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Der Nagellack der US-amerikanischen Studenten wechselt bei Drogenkontakt die Farbe. Das soll Frauen vor sogenannten Vergewaltigungsdrogen schützen, mit denen Kriminelle ihre Opfer betäuben. 

Foto: Undercover Colors

Nein, es muss nicht unbedingt verführerisch gemeint sein, wenn eine Frau scheinbar gedankenverloren mit ihrem Finger in ihrem Drink rührt: Vielleicht testet sie ihr Getränk gerade auf Drogen. Möglich macht das ein neuartiger Nagellack, den vier Studenten aus den USA erfunden haben.

Undercover Colors heißt das Produkt, das Ankesh Madan, Stephen Gray, Tyler Confrey-Maloney und Tasso Von Windheim, Studenten der Materialwissenschaft und des Ingenieurwesens an der amerikanischen North Carolina State University, entwickelt haben. Kommt die Substanz, die genau wie ein handelsüblicher Nagellack aufgetragen wird und auch genauso aussieht, in Kontakt mit sogenannten Vergewaltigungsdrogen wie Rohypnol, Xanax oder Liquid Ecstasy (GHB), wechselt sie die Farbe. Die betroffene Frau kann dann reagieren, indem sie den Drink stehen lässt und sich unverzüglich Hilfe holt.

Alltagskosmetik wird zum Teststreifen

Die geruchs-, geschmack- und farblosen Drogen, die Opfer betäuben, sie willenlos machen und im Nachhinein äußerst schwer nachweisbar sind, sind ein ernstzunehmendes Problem, nicht nur in den USA. Jeder von ihnen kenne jemanden, der schon einmal mit Vergewaltigungsdrogen in Kontakt gekommen sei, erklären auch die vier Studenten. Für sie lag es auf der Hand, etwas dagegen zu unternehmen. Also kombinierten sie chemische Stoffe zum Nachweis der entsprechenden Substanzen mit weit verbreiteten Kosmetika und entwickelten den Nagellack.

Wann genau dieser auf den Markt kommen soll, ist jedoch noch nicht bekannt; die Erfindung befinde sich noch in einer sehr frühen Phase, heißt es. Auch zu den vorgesehenen Farben gibt es noch keine Informationen. Ihre Universität glaubt jedenfalls an die vier Studenten und ihr Projekt: Das Team erhielt rund 8500 Euro als Unterstützung von der North Carolina State’s Unternehmensinitiative. Außerdem dürfen sie auch nach ihren Examen weitere sechs Monate Labore und weitere Einrichtungen ihrer Universität nutzen, um ihr Produkt weiterzuentwickeln. 

Nagellack befindet sich in guter Gesellschaft

Wenn Undercover Colors dann irgendwann einmal auf den Markt kommt, reiht sich der Nagellack ein in die Kollektion verschiedener Hilfsmittel und Teststreifen, die Partygänger vor Drogen in ihren Drinks schützen soll. Vor kurzem zum Beispiel stellten Tüftler aus den USA den pd.id vor. Der kleine Stick in Feuerzeuggröße warnt ebenfalls vor Substanzen in Getränken, die dort nichts zu suchen haben. Mit dem Nagellack haben die vier Studenten nun eine noch unauffälligere Möglichkeit gefunden, einen schnellen Getränkecheck zu machen – wenn auch nur für Leute, die sich gern die Nägel lackieren. 

„Eine frische Maniküre könnte dein Leben retten“, titelte die britische Daily Mail plakativ. So überspitzt das klingt, so Recht könnte sie haben – eine hundertprozentige Garantie für die Sicherheit ihrer Erfindung wollen die jungen Männer aber doch nicht geben, zumal jederzeit neue, noch nicht per Farbtest entdeckbare Drogen auf den Markt kommen könnten. Auch aus anderer Richtung kommt Kritik an diesem und ähnlichen Produkten. Das eigentliche Problem sei schließlich nicht, dass Frauen nicht wüssten, was in ihrem Drink sei, heißt es zum Beispiel seitens der Aktivistengruppe „Force: Upsetting Rape Culture“, sondern dass überhaupt jemand etwas hineinschütte. Testgeräte würden nur ein Pflaster über das Problem kleben, anstatt es an der Wurzel zu fassen. Am Ende komme es noch so weit, den Opfern die Verantwortung zuzuschieben, weil sie nicht ausreichend getestet hätten.

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Von Judith Bexten
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