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03.06.2013, 11:30 Uhr | 0 |

Neue Geldscheine "Ein spezieller Lack macht die Noten resistenter gegen Verschmutzung"

Viele Automaten akzeptieren den neuen 5 € Schein noch nicht. Rainer Elm, Leiter des Nationalen Analysezentrums für Falschgeld und beschädigtes Bargeld der Deutschen Bundesbank, spricht über die Schwierigkeiten der Automatenhersteller, die Arbeit von Geldfälschern, die Herausforderungen beim Fälschungsschutz und warum der 5 € Schein verändert wurde.

Neuer Fünf-Euro-Schein
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Ein Mitarbeiter der Bundesbank hält am 18. März 2013 in Düsseldorf einen neuen Fünf-Euro-Schein in die Kamera. Der neue Fünfer ist der erste der zweiten Generation der Euro-Scheine seit Einführung des Euro-Bargelds 2002. Er ist seit dem 2. Mai 2013 im Umlauf. 

Foto: dpa/Federico Gambarini

VDI nachrichten: Herr Elm, einen Monat nach der Einführung haben einige Automaten noch immer ihre Not mit den neuen 5 € Scheinen. Was ist das Problem? Wurden die Automatenhersteller nicht rechtzeitig genug informiert?

Elm: Das kann man so nicht sagen. Die Automatenhersteller wurden schon 2011 von der Deutschen Bundesbank informiert und hatten letztlich etwa ein halbes Jahr Vorlauf, ihre Geräte an die neuen Banknoten anzupassen.

Das Problem liegt meines Erachtens darin, dass die Umstellung in vielen Fällen nicht ganz so trivial ist. Die neuen Scheine verfügen neben den sichtbaren Sicherheitsmerkmalen wie beispielsweise dem Wasserzeichen über Merkmale, die nur von Automaten gelesen werden können und die sich gegenüber den bisherigen Noten verändert haben.

Hinzu kommt, dass die Mehrzahl der Automaten einzeln umgestellt werden muss. Das ist für die Betreiber mit einem ziemlich hohen Aufwand verbunden. Sie können ihre Automaten deshalb nur sukzessive umstellen.

Nur der Anfang

Warum wurde ausgerechnet der 5 € Schein verändert? Ihrer Falschgeldstatistik von 2012 zufolge werden doch vor allem 20 € Scheine gefälscht.

Mit dem neuen 5 € Schein wurde nur der Anfang gemacht. In den nächsten Jahren werden auch die anderen Stückelungen der Eurobanknoten optimiert. Es ist leichter nachvollziehbar, mit der kleinsten Banknote zu beginnen und dann mit den anderen Stückelungen gestaffelt zu folgen.

Der 5 € Schein wurde übrigens nicht nur fälschungssicherer gemacht. Man wollte auch die Lebensdauer verlängern, die im Vergleich zu anderen Stückelungen gering ist. Die Scheine mussten im Durchschnitt nach zwölf Monaten ersetzt werden. Ein spezieller Lack macht die Noten nun resistenter gegen Verschmutzung.

Wer entscheidet, ob und in welchem Umfang Geldscheine verändert werden?

Alle 10 bis 15 Jahre werden neue Banknotenserien ausgegeben. Sie müssen sehen: Wenn die Noten erst einmal im Umlauf sind, können Sie kaum noch etwas daran verändern. Der technische Fortschritt geht aber weiter. Und davon profitieren auch die Kriminellen. Sie können die Sicherheitsmerkmale im Laufe der Zeit immer besser fälschen.

Letztlich fällt der EZB-Rat die Entscheidung, welche Features optimiert werden. Er besteht aus dem Direktorium der EZB und den Präsidenten der nationalen Zentralbanken des Eurosystems.

Die technische Vorarbeit findet aber in verschiedenen Arbeitsgruppen statt. Die EZB arbeitet hier oft mit Partnerfirmen zusammen, die Expertise in den Bereichen haben. Dazu gehören beispielsweise Unternehmen aus der Sicherheitsdruckbranche, Farbenhersteller oder auch Universitäten. Die nationalen Zentralbanken unterstützen die Forschungsunternehmungen und Entwicklungsarbeiten.

Wie sieht Ihr Beitrag konkret aus?

Zu unserer Aufgabe gehört es, Falschgeld, das in Deutschland konfisziert wurde, technisch zu begutachten. Wir analysieren, wie es hergestellt wurde, welche Merkmale nachgestellt wurden und wo es verbreitet wurde. Diese Erkenntnisse werden ausgewertet und fließen in die Entwicklungen mit ein.

Banden aus Südeuropa

Und wer sind die Geldfälscher?

In der Regel handelt es sich um Banden, die in Südeuropa tätig sind. Sie verfügen über die erforderlichen technischen Mittel und Verteilerstrukturen, um das Geld in den Handel zu bringen. Meist ist es so, dass einzelne Bandenmitglieder Waren kaufen und versuchen, möglichst viel Wechselgeld zu erhalten.

Daneben gibt es aber auch Gelegenheitsfälscher wie etwa Schüler, die mit Farbkopierern und Scannern ihr Glück versuchen. Aber diese Fälschungen kann man relativ schnell erkennen. Mittlerweile soll eine spezielle Technik in den Geräten verhindern, dass man Geld einfach kopieren kann.

Wie hoch ist der Schaden?

Im vergangenen Jahr wurden rund 41 500 falsche Eurobanknoten registriert. Der rechnerische Schaden betrug 2,2 Mio. €. Im Vergleich zu anderen Kriminalitätsbereichen wie dem Ladendiebstahl sind Falschgelddelikte zwar schwächer ausgeprägt. Aber es hat eine hohe Außenwirkung. Wenn Sie Falschgeld bekommen, gibt es keinen Ersatz.

Und es gab im vergangenen Jahr wieder einen Anstieg.

Das stimmt. Er betrug rund 6,4 % und ist vor allem auf darauf zurückzuführen, dass die Fälscher mehr 20 € Scheine in Umlauf gebracht haben. Sie werden in der Regel nicht so genau kontrolliert wie 50 € Scheine.

Spezielle Strukturen im Hologramm

Gibt es Merkmale, die nur sehr schwer gefälscht werden können?

Unser Slogan lautet: Fühlen, Sehen, Kippen. Wir raten, mehrere Merkmale zu überprüfen, denn kein Fälscher fälscht alle Merkmale. Wenn Sie den Schein in die Hand nehmen, können Sie beispielsweise den EZB-Schriftzug zwischen dem Zeigefinger und dem Daumen fühlen er ist leicht erhaben. Wenn Sie den Schein gegen das Licht halten, sehen sie das Wasserzeichen die Zahl muss ein wenig heller als das Architekturmotiv sein. Und wenn Sie den Geldschein kippen, wechseln sich auf der Spezialfolie die Wertzahl und das Eurozeichen ab. Zusätzlich gibt es Farbwechselelemente, die je nach Blickwinkel die Farbe ändern.

Wohin geht die Reise? Was sind die Trends beim Geldfälschen?

Als der Euro herauskam, waren die Hologramme auf der Spezialfolie noch recht exklusiv auf Banknoten. Mittlerweile werden sie etwa auch in Konzertkarten oder Fahrscheine eingearbeitet. Die Forscher arbeiten an der weiteren Verbesserung dieser Elemente. Sie entwickeln spezielle Strukturen, die in Hologramme eingearbeitet werden und kaum nachzustellen sind. Das können Sie schon beim neuen 5 € Schein sehen.

Im Trend sind zudem Änderungseffekte, die nur schwer kopierbar sind, und eine verbesserte Haptik, die auch von 3-D-Druckern nicht so einfach gefälscht werden kann. Grundsätzlich ist es das Ziel, Merkmale zu entwickeln, die schnell, einfach und vor allem unauffällig überprüfbar sind.  

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Von Sabine Philipp | Präsentiert von VDI Logo
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