12.04.2013, 10:59 Uhr | 0 |

Versicherungen Die (fast) unbemerkte Prämienerhöhung

Private Krankenversicherungen erhöhen die Prämien meist zum Jahresanfang. Doch immer häufiger scheren Versicherer aus und verschicken die blauen Briefe erst im Frühjahr. Dahinter steckt Kalkül, glauben Verbraucherschützer.

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Private Krankenversicherer haben ihre Beiträge erhöht. Warum einige Versicherungen sich mit der Erhöhung mehr Zeit ließen als andere, wirft beim Bund der Versicherten Fragen auf.

Foto: dpa-Zentralbild

HUK-Coburg, Axa und DKV haben ihren vollversicherten Kunden in den letzten Wochen mitgeteilt, dass sie ihre Prämien zum 1. März bzw. 1. April anheben. Bei der HUK-Coburg beträgt die durchschnittliche Beitragserhöhung rund 3,3 %. Die Axa hat die Prämien eigenen Angaben zufolge zum 1. Januar um durchschnittlich knapp 2 % angehoben. Für "wenige, ausgewählte" Tarife wurde es dann ab dem 1.  April teurer. Bei der DKV werden im Durchschnitt aller Vollversicherten zum 1.  April 4,5 % mehr verlangt. In der Spitze steigen die Prämien nach Unternehmensangaben sogar um 19,9 %. Die Bayerische Beamtenkrankenkasse und ihre Schwestergesellschaft Union Krankenversicherung verteuern sich zum 1. Mai bzw. 1. Juli um durchschnittlich 2,9 % bzw. 3,4 %.

Die überwiegende Mehrheit der Krankenversicherer hatte ihre Prämien bereits zu Jahresbeginn angehoben oder die Beitragssätze unverändert belassen. Weil die Beitragsnachzügler ihre Prämien überdurchschnittlich stark erhöht haben, schließt der Bund der Versicherten nicht aus, dass sie negative Schlagzeilen vermeiden wollten. Schließlich konzentrieren sich die Medien in ihrer Berichterstattung auf das Jahresende. Der Gesetzgeber hat keinen Monat für Beitragsanpassungen vorgeschrieben. Die Prämienhöhen müssen aber jährlich von unabhängigen Treuhändern überprüft werden. Steigen die Kosten der Versicherer etwa aufgrund von Inflation, weil mehr medizinische Leistungen in Anspruch genommen, neue Behandlungsmethoden eingeführt werden oder die Lebenserwartung zunimmt, sind dies "auslösende Faktoren" für eine Beitragsanpassung. Konkret: Übersteigen oder unterschreiten die Kosten die Kalkulation um 5 % können die Beiträge angehoben bzw. gesenkt werden. Ab 10 % müssen sie sogar geändert werden.

Die HUK-Coburg begründet ihren März-Termin mit Unternehmenstradition. Axa und DKV argumentieren, dass man die aufwendigen Bearbeitungsvorgänge "Beitragsanpassung" und "Abrechnung der Leistungsfälle im Januar" zeitlich entzerren wollte, um kostenintensive Mehrarbeit zu vermeiden.

Angesichts der Umstellung auf geschlechtsunabhängig kalkulierte Tarife (Unisex) zum 21. Dezember 2012 hält Gerd Güssler, Geschäftsführer der Informationsdatenbank KVpro.de, vor allem bei der DKV den Termin der Beitragsanpassung für "strategisch bewusst" gewählt. "Hätten die guten, weil gesunden und noch sehr jungen Versicherten, die bisher kaum Alterungsrückstellungen aufgebaut haben oder diese zumindest teilweise mitnehmen können, von der Beitragsanpassung schon im November gewusst, wären sie womöglich zu einem anderen Anbieter gewechselt", erklärt er.

Bis zum 20. Dezember hätte diesen DKV-Kunden noch ein geschlechtsabhängig kalkulierter Tarif (Bisex) bei einem anderen Krankenversicherer offengestanden. Seit dem 21. Dezember dürfen die Krankenversicherer nur noch die sogenannten Unisex-Tarife verkaufen, die unter anderem aufgrund von Sicherheitsmargen teurer sind. "Die DKV hat mit der Verschiebung ihre Bestandsverluste minimiert", vermutet Güssler. Ob sich der Wechsel zu einem anderen Anbieter überhaupt lohnt, hängt neben Prämien- und Leistungsunterschieden auch immer davon ab, in welcher Höhe aufgebaute Alterungsrückstellungen verloren gehen. Innerhalb derselben Gesellschaft darf der Versicherte nach § 204 Versicherungsvertragsgesetz den Tarif unter Mitnahme der Alterungsrückstellungen und ohne erneute Gesundheitsprüfung wechseln (siehe Kasten auf dieser Seite).

Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass neue Tarife keine Mehrleistungen enthalten bzw. keine zusätzlichen Leistungen, die der Wechselwillige nicht ausschließen könnte. Die Kunden der sogenannten Bisex-Tarife können bei ihrem Anbieter in jeden anderen Bisex- oder Unisex-Tarif wechseln. Von den Unisex-Tarifen gibt es jedoch kein zurück mehr.  MONIKA LIER

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Von Monika Lier | Präsentiert von VDI Logo
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