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11.05.2013, 09:40 Uhr | 1 |

Bundesinstitut für Risikobewertung Deutsche nehmen Weichmacher über die Nahrung auf

Weichmacher, die Kunststoffen Flexibilität geben, gelangen über Lebensmittel auch in den menschlichen Körper. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat in einer Studie erforscht, wie stark die Deutschen mit diesen Weichmachern belastet sind. Das Ergebnis: Bei einem Prozent der Bevölkerung werden die Grenzwerte überschritten.

Mit Mayonnaise zubereiteter Salat.
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Vor allem in fetthaltigen Würzsoßen wie Mayonnaise verbergen sich oft Weichmacher. 

Foto: CMA

Weichmacher sollen Kunststoffprodukte, zum Beispiel aus PVC, geschmeidiger machen. In unseren Lebensmitteln wollen wir sie aber nicht haben und schon gar nicht in unserem Körper. Der Stoff kann die Fortpflanzungsorgane schädigen, die Fortpflanzungsfähigkeit und die Entwicklung des Kindes im Mutterleib beeinträchtigen. Im Spielzeug oder in Kosmetika darf der Weichmacher DEHP deshalb nicht mehr verwendet werden. DEHP, kurz fürDi(2-ethylhexyl)phthalat, gehört zu den am häufigsten verwendeten Weichmachern.

Jetzt hat das Bundesinstitut für Risikobewertung in einer Studie herausgefunden, dass DEHP bei Jugendlichen und Erwachsenen hauptsächlich über die Nahrung in den Körper gelangt. Zwar berichten die Forscher, dass die Aufnahmemengen äußerst gering sind und dass normalerweise kein Gesundheitsrisiko besteht. Außerdem würden aufgenommene Weichmacher auch schnell wieder aus dem Körper ausgeschieden. Für einen kleinen Teil der Bevölkerung könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass die gesundheitlich tolerierbaren Mengen überschritten würden.

Besonders belastet sind fetthaltige Soßen und Fertigprodukte

Im Durchschnitt nehmen die Deutschen über die Nahrung derzeit täglich 13 bis 21 Mikrogramm DEHP je Kilogramm Körpergewicht auf. Die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit festgelegte tolerierbare Menge liegt bei 50 Mikrogramm.

Für die Studie, die im Auftrag des Umweltbundesamtes entstanden ist, wurden Daten der vergangenen 20 Jahre zum Verzehrverhalten von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Deutschland berücksichtigt. Die Wissenschaftler werteten verschiedene Aufnahmepfade von über 37 Lebensmittelgruppen, Spielzeug, Verbraucherprodukten aus Kunststoffen wie Schuhe, Kosmetika, Textilien, Hausstaub und die Innenraumluft von Autos aus.

Laut Studie können alle Grundnahrungsmittel wie Fleisch, Fett, Getreide, Obst, Gemüse und Milchprodukte mit der Chemikalie belastet sein. Allerdings fanden die Forscher besonders hohe DEPH-Werte vor allem in fetthaltigen Würzsoßen wie Mayonnaise und ölhaltigen Fertigprodukte wie Fisch und Gemüse aus Gläsern. Zwar wurde die Verwendung von DEHP als Weichmacher in Verpackungen fetthaltiger Lebensmittel 2007 verboten, aber der Stoff wird weiterhin durch Importprodukte eingeführt. Erst ab 2015 darf DEHP nach der EU-Chemikalienverordnung dann in der EU nicht mehr ohne Zulassung für die Herstellung von Verbraucherprodukten verwendet werden.

Frische Speisen und weniger Fertigprodukte reduzieren die DEHP-Belastung

Bei Kindern, besonders wenn sie sich viel auf dem Fußboden aufhalten, kommt außer über die Nahrung auch noch Hausstaub und Spielzeug als DEHP-Quelle hinzu. Dadurch kann die DEHP-Aufnahme höher sein als bei Jugendlichen und Erwachsenen. In der Studie wurde die durchschnittliche Aufnahmemenge bei Kindern pro Tag und Kilogramm Körpergewicht auf 15 bis 44 Mikrogramm geschätzt. Obwohl der Stoff in Spielzeug und Kinderartikeln seit 1999 verboten ist, wird er gelegentlich in solchen Produkten nachgewiesen.

Die Aufnahme von DEHP ließe sich im Alltag mit einfachen Verzehr- und Hygienemaßnahmen verringern, meinen die Forscher. Sie raten dazu, Speisen so oft wie möglich frisch zuzubereiten, selten Fertigprodukte zu verwenden und die Produktmarken öfter zu wechseln. Außerdem sollten Böden und Teppichböden häufiger gereinigt werden und Kleinkinder möglichst nur Sachen in den Mund nehmen, die dafür gedacht sind.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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kommentare
11.05.2013, 07:53 Uhr mlr_1
Ich frage mich eh, warum die Industrie möglichst viel Kunststoff in die Verarbeitung mit einbringt.
Es gibt super Alternativen, welche die Verwendung von Kunststoff im hohen Maße senken würde.
Oben genannte Probleme wären somit nicht gegenwärtig.

Als kleines Beispiel sei Nutzhanf genannt. Aber auch aus Bambus und Mais lassen sich qualitativ einwandfreie Produkte herstellen, wie z.B. Geschirr.


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