19.12.2013, 11:26 Uhr | 0 |

Fatale Fehldiagnosen DNA-Tests für Zuhause sollen verboten werden

Mit Selbsttests können Menschen in den eigenen vier Wänden prüfen, welche möglichen Krankheiten ihre DNA bereithält. Fehldiagnosen und unnötige Operationen seien oft die Folge, warnt die US-amerikanische Arzneimittelzulassungsbehörde FDA. Sie will den Vertrieb deshalb verbieten lassen.

DNA-Selbsttest über Speichelprobe
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In den USA können Menschen mit einem Messgerät von 23andme ihre eigene DNA durchchecken. Die FDA warnt, dass eine laienhafte Auswertung der Ergebnisse besonders bei Brust- und Eierstockkrebs fatale Folgen haben könnte. Den Rechtsweg hat die Gesundheisbehörde bislang allerdings nicht eingeschlagen.

Foto: dpa/Armin Weigel

Die US-amerikanische Arzneimittelzulassungsbehörde US Food and Drug Administration (FDA) hat jetzt dem Marktführer für Do-it-Yourself-DNA-Testkits, 23andme, verboten, diese direkt an Verbraucher zu verkaufen. Der Absatz der Testkits an medizinische Einrichtungen wie Arztpraxen oder Krankenhäuser ist dadurch nicht allerdings berührt.

Das kalifornische Unternehmen 23andme verkauft die grünen DNA-Testkits für 99 Dollar oder umgerechnet knapp 73 Euro. Das Gerät analysiert die DNA der Testperson mit Hilfe einer Speichelprobe. Ungeachtet der relativ hohen Anzahl bisher von 23andme verkaufter Testkits haben sich die Geräte insgesamt nicht zu dem ursprünglich unterstellten Verkaufsschlager entwickelt.

Die Behörde begründet ihr Verkaufsverbot damit, dass ungenaue Testergebnisse fatale Folgen haben könnten. Entweder gäben die Personen, die sich selbst testeten, Geld für eine unnötige medizinische Behandlung aus. Oder sie unterließen eine an und für sich notwendige medizinische Behandlung. Die Ergebnisse einer DNA-Analyse medizinischen Laien verständlich zu machen, sei kompliziert.

Falsche Eigendiagnose führt zu fatalen Operationen

In der darauf folgenden Auseinandersetzung der Food and Drug Administration mit 23andme betonte die Behörde, dass ein falsches Verständnis der Testergebnisse besonders dann folgenreich sein könne, wenn es beispielsweise um Brust- oder Eierstock-Krebs gehe. Eine falsche Diagnose könne die entsprechenden Frauen leicht zu schwerwiegenden Operationen veranlassen, die nicht mehr reversibel seien

Die US Food and Drug Administration beschäftigt sich schon seit mehreren Jahren mit den Do-it-Yourself-DNA-Testkits. Im Jahre 2010 schrieb sie mehrere Anbieter an und wies darauf hin, dass es keineswegs klar sei, ob sie für den Verkauf der Testkits nicht eine Genehmigung bräuchten, wie sie auch für zahlreiche andere medizinische Geräte erforderlich sei. In Folge hielten sich die anderen Anbieter am Markt zurück. Nur 23andme intensivierte die Absatzanstrengungen und ging dabei auch zur Fernsehwerbung über. Insgesamt zählt 23andme bislang 400.000 Kunden für die DNA-Testkits.

In der eigenen Werbung hatte 23andme speziell auf die Möglichkeit der Früherkennung einer Anfälligkeit für bestimmte Krebsarten durch die DNA-Testkits hingewiesen. 23andme versucht nun, durch weitere Gespräche die Behörde zu einer Änderung ihres Verkaufsverbots zu veranlassen. Bisher hat die Gesellschaft allem Anschein nach nicht den in Amerika sonst üblichen Rechtsweg eingeschlagen.

Google beteiligt sich an Finanzierung von 23andme

Die Gesellschaft 23andme wurde vor fünf Jahren von Anne Wojcicki gegründet. Sie ist die Ehefrau von Sergey Brin, einem der Gründer von Google und zugleich die Schwester der Werbechefin von Google, Susan Wojcicki. Anne Wojicki hat das Unternehmen mit 160 Millionen Dollar finanziert, die sie von hochgestellten Persönlichkeiten aus den Vereinigten Staaten erhielt. Ein Teil dieser Summe stammt auch von Google selbst. Das Geld floss über die Google Beteiligungsgesellschaft Google Ventures. Dieser Hintergrund führt zu der Erwartung, dass es eine lange und harte Auseinandersetzung um die Zukunft der DNA-Testkits geben könnte.

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Von Peter Odrich
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