02.01.2014, 15:21 Uhr | 0 |

Gefahr für Kapitalanleger Britische Finanzmarktaufsicht warnt vor Graphen-Gangstern

Die britische Finanzmarktaufsicht Financial Conduct Authority (FCA) warnt vor Betrügern, die versuchen, mit dem Wundermaterial Graphen Geld zu machen, noch ehe es am Markt erhältlich ist. Die Behörde sieht erhebliche Gefahren auf Kapitalanleger zukommen.

Maschendraht aus Graphen
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Graphen ist eine modifizierte Form des Kohlenstoffs. Es besteht aus einer einzigen Atomlage mit einer sechseckigen Wabenstruktur. Das Wundermaterial ist 100-mal so kräftig wie Stahl und soll in Zukunft völlig neue Technikfelder eröffnen. Zwar ist es bislang noch nicht auf dem Markt erhältlich. Doch Betrüger locken bereits mit Graphen-Investments.

Foto: dpa/Illustration: Jannik C. Meyer, U.C. Berkeley

Anlass für die ungewöhnliche Warnung der Financial Conduct Authority (FCA) sind verschiedene Angebote für so genannte Graphen-Investments im Internet. Die Leiterin der Strafverfolgungsabteilung der FCA, Tracey McDermott, betont, dass der Preis, zu dem Graphen eines Tages auf den Markt kommen wird, derzeit in keiner Weise abzuschätzen sei. Hinzu komme, dass dieser künftige Marktpreis vermutlich relativ schnell fallen werde. Die FCA geht zudem davon aus, dass mittlerweile schon sehr viele Menschen in Europa von Graphen gehört haben, aber de facto nicht viel über dieses Material wissen.

Viele Angebote haben nichts mit Graphen zu tun

Die Finanzmarktaufsicht geht in ihrer Warnung allerdings noch einen Schritt weiter. Sie vermutet, dass sehr schnell einschlägige Investment-Produkte auf den Markt kommen werden, die in Wirklichkeit überhaupt nichts mit Graphen zu tun haben, sondern vielmehr auf Graphit oder Kohlenstoff-Nanoröhrchen basieren. Dabei verweist die Behörde auf frühere Erfahrungen mit Betrügereien vor allem bei Seltenerdmetallen. Diese hätten Anleger letztlich sehr viel Geld gekostet.

Wundermaterial kommt frühstens 2020 auf den Markt

Graphen ist im Jahre 2004 an der Universität Manchester entdeckt worden. Es basiert auf modifiziertem Kohlenstoff in einer zweidimensionalen Struktur, die dem Material bemerkenswerte mechanische und elektronische Eigenschaften verleiht. Experten erwarten, dass es zunächst in Displays, elektrischen Schaltungen, Solarzellen und auch Batterien zum Einsatz kommen wird.

In Europa, Nordamerika und Ostasien wird derzeit intensiv an der Entwicklung von Produktionsverfahren für Graphen gearbeitet. Die größten Anstrengungen dürften dabei wohl in Großbritannien unternommen werden. Dort hat Finanzminister George Osborne die Graphen-Forschung ausdrücklich zur vorrangigen Staatssache erklärt. Aber auch die Briten erwarten, dass Graphen wohl kaum vor dem Jahre 2020 in nennenswerten Mengen auf den Markt kommen wird.

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Von Peter Odrich
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