11.08.2015, 13:46 Uhr | 0 |

Hohe Verluste Werbemuffel auf dem Vormarsch: 25 % nutzen Adblocker

Jeder vierte deutsche Internetnutzer nutzt bereits Software, die Werbung unterdrückt. Dabei wächst die Zahl der Nutzer rasant. Für die Werbewirtschaft droht das zu einer Gefahr zu werden: Die Branche klagt über Milliardenverluste. Denn nicht angeschaute Werbung wird auch nicht bezahlt.

Adblocker
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Kleine Programme, die Werbung auf Webseiten unterdrücken – sogenannt Adblocker – sind nach einer neuen Marktstudie stark im Kommen. Die Werbebranche beklagt schon Milliardenverluste.

Foto: Andrea Warnecke/dpa

Deutsche Internetnutzer fühlen sich weltweit am stärksten durch unvermutet auftauchende Werbung gestört. Jeder vierte hat ein Programm installiert, das Werbung unterdrückt. In den USA liegt der Anteil bei 18 %, in allen anderen Ländern der Welt darunter. Das geht aus dem jüngsten Bericht des Softwarekonzerns Adobe und des irischen Unternehmens PageFair hervor, das neue Formen der Internetwerbung vermarktet. Deren Akzeptanz soll höher sein. Die beiden Unternehmen untersuchen jedes Jahr das Verhalten der Internetnutzer.

82 % mehr Nutzer von Adblockern in Großbritannien

Weltweit setzen mittlerweile 198 Millionen Nutzer die so genannten Adblocker ein, das sind 41 % mehr als im Vorjahr. Die stärkste Zunahme von Werbemuffeln verzeichnet die Studie in Großbritannien. Hier lag die Zunahme bei 82 %, in den USA war es ein Plus von 48 %, in Deutschland von 17 %. In absoluten Zahlen sind das 12, 25 und 18 Millionen.

Dass die Zahlen nicht aus der Luft gegriffen sind, zeigt eine Untersuchung des Online-Vermarkterkreises des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft. Der hatte im Juli mitgeteilt, dass bei durchschnittlich 21,5 % der Page-Impressions die Werbung geblockt wird. Viele Nutzer sind es offenbar leid, dass die Geschwindigkeit, mit der sie im Internet surfen, durch Werbeeinblendungen reduziert wird. Zudem deckt Werbung teilweise die redaktionellen Inhalte ab.

21 Mrd. $ Mindereinnahmen

Andererseits wird die zunehmende Zahl von Werbemuffeln zum wirtschaftlichen Problem. Unzählige Websites finanzieren sich ausschließlich oder großenteils über Werbeeinnahmen. Wenn diese wegfallen, lassen sich viele Angebote nicht mehr halten. Adobe und Pagefair gehen davon aus, dass 2015 weltweit Werbeerlöse in Höhe von 21 Mrd. $ den Werbeblockern zum Opfer fallen, 2016 sogar doppelt so viel.

Vor allem Nutzer von Internetspielen setzen Werbeblocker ein. Weltweit sind es fast 27 %. Wer auf Gesundheits- und Immobilienseiten surft, ist duldsamer. Ganze 5 % nutzen Programme, die Werbung ausblenden.

Der eigentliche Gewinner an diesem Trend sei Adblock, berichten die Financial Times und die FAZ. Der deutsche Anbieter lasse sich von großen US-Tech-Unternehmen wie beispielsweise Google Millionenbeträge dafür auszahlen, damit bestimmte Werbeinhalte und Links nicht unterdrückt werden. Das bestreitet Michael Gundlach, der die kostenlose Software entwickelt hat. „Das tun einige andere Werbeblocker und davon halten wir genauso wenig wie Sie“, schreibt Gundlach auf seiner Homepage. Er finanziere sich ausschließlich über Spenden.

Das irische Unternehmen PageFair wirbt für Maßhaltung bei der Platzierung von Werbebotschaften, um die Nutzer nicht nachhaltig zu verprellen. Viele Einblendungen würden, weil die im Übermaß angeboten werden, gar nicht wahrgenommen, so PageFair. Zu viele Werbeeinblendungen brächten dem werbenden und zahlenden Unternehmen also keinen Vorteil. Die Iren plädieren für Kompromisse, mit denen Nutzer und Werbungtreibende leben könnten.

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Von Wolfgang Kempkens
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