12.09.2015, 07:55 Uhr | 0 |

Software von Bosch Superschnelle Warnung vor Geisterfahrern aus der Datencloud

Bosch hat eine Software entwickelt, die Falschfahrer auf ihren Fehler aufmerksam macht und die warnt, die ihm entgegenkommen. Die Meldung kommt schon nach wenigen Sekunden. Der Rundfunk braucht dafür mehrere Minuten.

App warnt vor Geisterfahrt
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Geisterfahrer bringen sich und andere Verkehrsteilnehmer in Lebensgefahr. Bosch hat eine Software entwickelt, die Falschfahrer auf ihren Fehler aufmerksam macht und die warnt, die ihm entgegenkommen. 

Foto: Bosch

Wenn die Verkehrsredaktion vor einem Falschfahrer warnt hat dieser längst einen Unfall verursacht oder selbst bemerkt, dass er auf falschem Kurs ist. Denn die Warnmeldungen kommen mit mehrminütiger Verspätung. Außerdem enden Geisterfahrten meist schon nach wenigen 100 Metern. Verkehrsdurchsagen sind also kein effektiver Schutz.

Eine App im Smartphone genügt

Den will der Stuttgarter Autozulieferer  Robert Bosch vom nächsten Jahr an bieten. „Bosch entwickelt den Schutzengel aus der Datencloud“, sagt Geschäftsführer Dirk Hoheisel. Zu tun hätte der Schutzengel genug, allein in Deutschland werden jedes Jahr rund 2000 Geisterfahrten im Radio gemeldet.

Das System besteht aus einer App, die auf Smartphones aufgespielt wird, und einem Datenzentrum, an das die angeschlossenen Mobiltelefone ständig ihre Standorte senden. Die werden per Global Positioning System (GPS) ermittelt. Die Software lässt sich auch in moderne Infotainment-Systeme  an Bord von Autos und Navigationsgeräte integrieren.

Warnungen kommen innerhalb von zehn Sekunden

Im Datenzentrum werden die Standortmeldungen mit einer hochgenauen digitalen Straßenkarte verglichen, auf der auch die zulässigen Fahrtrichtungen gespeichert sind. Sobald der Abgleich ergibt, dass ein Auto sich entgegen der zulässigen Fahrtrichtung bewegt erhält der Geisterfahrer eine Warnung. Auch entgegenkommende Fahrer werden gewarnt, sofern sie ebenfalls die Bosch-App installiert haben. Die Warnungen kommen innerhalb von zehn Sekunden.

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Geisterfahrten enden oft tödlich. Auch für die Fahrer in den entgegenkommenden Autos.

Foto: Florian Kater/dpa

Voraussetzung ist natürlich, dass die Geräte ständig online sind. Die neueren Navigationsgeräte des niederländischen Herstellers TomTom erfüllen dieses Kriterium bereits. Sobald die Navigation genutzt wird, melden sie ihren Standort. Darauf basiert die Echtzeitmessung von Wartezeiten in Staus.

Bedenken wegen des Datenschutzes?

„Wir setzen auf eine schnelle Akzeptanz, damit das System seine lebensrettende Stärke baldmöglichst in vollem Umfang ausspielen kann“, sagt Hoheisel. Er könnte Recht haben. Denn die Hardware, etwa das Smartphone, ist in den meisten Fällen bereits vorhanden. Es muss also nur die Software nachgerüstet werden. Andererseits könnte es wieder Bedenken geben, weil ein solches System, obwohl die Daten anonymisiert sind, theoretisch die Möglichkeit bietet, Bewegungsprofile zu erstellen.

Galileo-Satelliten sind noch genauer

Zunächst basiert das System auf den Daten des amerikanischen GPS-Systems, mit denen sich Standorte nur auf zehn Meter genau ermitteln lassen. Bei nah beieinander liegenden Richtungsfahrbahnen könnte es Probleme geben. Das wird mit dem europäischen Satellitennavigationssystem Galileo anders. Es ist bis zu zehnmal genauer, allerdings noch längst nicht in Betrieb. Gerade erst positionierte die Europäische Raumfahrtbehörde die beiden in Bremen gebauten Satelliten namens "Alba" und "Oriana". Damit sind jetzt sieben Galileo-Satelliten in Betrieb. Gut 20 sollen es werden.

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Von Wolfgang Kempkens
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