01.05.2013, 09:00 Uhr | 0 |

Software-Piraterie Spieleentwickler narren Raubkopierer auf ironische Weise

Raubkopierern haben die Entwickler des Spieles „Games Dev Tycoon“ ein Schnippchen geschlagen: Wer die von den Entwicklern selbst gecrackte Version spielt, hat keine Chance, jemals zu gewinnen.

Fehlermeldung des Spiels „Games Dev Tycoon“
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Mit hintersinniger Ironie wird der Benutzer der gecrackten Version auf die Folgen der Software-Piraterie hingewiesen. Er kann bei dem Spiel nie gewinnen, wenn er eine Raubkopie benutzt.

Foto: Greenheart Games

Die Zahlen erschrecken: Von 3318 Kopien wurden gerade einmal 214 gekauft. Das entspricht einem Anteil der Schwarzkopien von rund 93,6 Prozent. Nur 6,4 Prozent der Nutzer des Spieles „Games Dev Tycoon“ waren also bereit, am Tag der Veröffentlichung des Spieles die 6,49 Euro zu bezahlen, die das australische freie Entwicklerstudio Greenheart Games dafür verlangte. 93,6 Prozent haben das Spiel schlicht geklaut. Doch die Spieleentwickler des kleinen Zwei-Mann-Studios haben all den Raurittern im Internet den Spiegel vorgehalten. Sie war es selbst, die eine spezielle gecrackte Version ihres „Games Dev Tycoon“ als Torrent ins Netz gestellt und über einschlägige Filesharing-Seiten verbreitet haben.

Erst nach einigen Stunden schlägt der Hack zu

Das Ziel des Spieles ist es, als Spieler selbst Videospiele zu programmieren und zu verkaufen, um ein virtuelles Unternehmen zum Erfolg zu führen. Zunächst läuft die gecrackte Version völlig normal, es ist vom gekauften Original nicht zu unterscheiden. Doch nach einigen Stunden Spielzeit, dann wenn der Nutzer sich bereits ein eigenes Entwicklerstudio aufgebaut und am Markt Erfolg hat, ändert sich der Spieleverlauf dramatisch. Und zwar dramatisch für den Spieler. Denn sobald er im Simulator höherwertige Produkte verkaufen will, erscheint eine mit „Sales Report“ betitelte Meldung: „Boss, es sieht so aus, als würden die meisten Spieler unser Produkt durch den Download einer gecrackten Version stehlen, statt es legal zu kaufen. Falls die Spieler unsere Software nicht kaufen, werden wir auf kurz oder lang bankrottgehen.“

Nicht alle Spieler der gehackten Version des Spiels sind empfänglich für die hintersinnige Ironie. In einigen Online-Foren fragten viele angebliche Käufer des Spiels, was man denn gegen die Softwarepiraterie unternehmen könne. Im Support-Forum von Game Dev Tycoon hagelte es Beschwerden über die unfaire Software-Piraterie. Einer wollte gar ein Digital-Right-Management (DRM) für das Spiel entwickeln, um solche Diebstähle wirksam zu unterbinden.

Entwickler ist zum Lachen und zum Weinen zumute

Patrick Klug, einer der kreativen Köpfe von Green Heart Games, schreibt, dass er als Gamer am liebsten laut aufgelacht hätte, als Entwickler des Spiels war ihm hingegen eher zum Weinen zumute. Patrick Klug hat Green Heart Games im Juli 2012 gemeinsam mit seinem Bruder Daniel gegründet, um Spiele zu entwickeln, die Spaß machen anstelle von todlangweiligen teuren Geldversenkern. Seit über einem Jahr tüfteln die beiden Brüder an ihrem ersten Spiel herum.

Game Dev Tycoon ist das erste Spiel, mit dem die beiden Brüder nun die Untiefen des Spielemarktes ergründen wollen. Trotz des geringen Preises war den beiden Novizen am Spielemarkt klar, dass die meisten Interessenten wenig Interesse verspüren, für das Spiel auch zu zahlen. Ursprünglich war der Plan, den Downloadern über eine spezielle Einblendung mitzuteilen, dass sie eine illegale Kopie nutzen. Dieser milde ständige Appell an das schlechte Gewissen reichte den Brüder dann aber doch nicht aus. Sie beschlossen, diese, wie sie selbst ironisch meinen „einzigartige Gelegenheit“ nicht auszulassen, um den Nutzer klar zu machen, welche Folgen Piraterie für Spieleentwickler hat.

Pädagogisch wertvolle Klatsche gegen alle Raumkopierer

Die Idee, ein Spiel, dessen Ziel es ist, ein Unternehmen über Spieleentwicklung zum Erfolg zu verhelfen, für diesen Hinweis auf die Folgen von Piraterie zu benutzen, hat eine sehr schwarzhumorige Komponente. In der gecrackten Version von Game Dev Tycoon haben die vom Spieler entwickelten Spiele eine hohe Wahrscheinlichkeit, von Raubkopieren heruntergeladen zu werden. Also im Spiel geschieht genau das, was in der Realität den Alltag abbildet. Dank dieser hohen Wahrscheinlichkeit ist es dem Spieler nicht möglich, als Studio zu überleben. Langfristig gehen die Verkaufszahlen aufgrund der Raubkopierer im Spieleverlauf den Bach runter. Der Hacker vernichtet sich somit durch seine illegal erworbene Spieleversion selber. Und das, nachdem er sein Studio aus der elterlichen Garage zu einem veritablen Unternehmen am Markt gebracht hat. Eine durchaus ironische und vor allem pädagogisch sehr wertvolle Klatsche gegen alle Raubkopierer.

Patrick Klug betont, dass er selber, als er noch jünger war, illegal Software heruntergeladen hat. Dies vor allem, weil damals die globale Distribution noch in den Kinderschuhen steckte. Er ist all den Piraten im Netz also nicht böse. Ihm ist bewusst, dass es auch heute noch Menschen gibt, die sich das Spiel „ernsthaft“ nicht leisten können. Wobei diese Aussage angesichts des Preises von 6,49 Euro auch schon wieder vor Ironie trieft.

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Von Detlef Stoller
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