13.01.2016, 09:45 Uhr | 0 |

Antwort im Internet Spieglein, Spieglein...: Wie schön bin ich denn?

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Pumuckl und sein Spiegelbild
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Pumuckl erschrickt beim Blick in den Spiegel. Wer seine Schönheit von der Internetseite howhot.io beurteilen lässt, könnte vom Ergebnis auch enttäuscht sein. Allzu ernst jedenfalls sollte es nicht genommen werden.  

Foto: ARD/dpa

Wie sich die Zeiten ändern: Früher, im analogen Märchen, befragte die Königin ihren Zauberspiegel, um ihre Schönheit bestätigt zu bekommen. Heute, im digitalen Jetzt, liefert diese Information eine Webseite. Das Prozedere ist denkbar einfach. Der an einer Bewertung seiner Schönheit interessierte Mensch lädt auf der optisch ansprechenden, wenig wissenschaftlich wirkenden Internetseite howhot.io ein Portraitfoto hoch. Nach wenigen bangen Sekunden des Wartens rutscht der Zeiger auf einer Skala von sechs Schönheitsgraden entweder auf „göttlich“, „umwerfend“, „heiß“, „hübsch“, „ok" oder bleibt im Feld „hmm“ stehen. Das bestimmt ein von der ETH Zürich entwickelter Software-Algorithmus.

„Die Beurteilung der Schönheit ist eher ungenau“

„Die Beurteilung der Schönheit ist eher ungenau, da will ich gar keinen Hehl daraus machen“, bekennt Rasmus Rothe, der an der ETH Zürich im Computer Vision Laboratory arbeitet und mit zwei anderen Wissenschaftlern das Rating-Tool verantwortet. „Aber das Alter können wir schon sehr genau schätzen, besser als ein Mensch das mit denselben Information tun könnte“, betont der 26-Jährige.

Sobald der Algorithmus hinter der Webseite ein Gesicht analysiert hat, spuckt die Software Geschlecht und geschätztes Alter aus. Die Technik hinter der Schönheitssoftware basiert auf zwei Studien der ETH Zürich. Die eine beschäftigt sich mit der computergesteuerten Bewertung von Gesichtsformen, die andere mit der automatischen Bestimmung des Alters und des Geschlechts.

20 Millionen Bewertungen aus einer Dating-App

Grundlage für die Schönheitserkennungs-Software sind Bewertungen, die Menschen über andere Menschen abgegeben haben. Die Schweizer Forscher haben Daten aus der Schweizer Dating-App Blinq herangezogen. Blinq lieferte mit 20 Millionen Bewertungen von über 13.000 Nutzerprofilen die breite Datenbasis. Dazu stellten die Forscher Fotos von Prominenten. Auf dieser Datengrundlage konnten die Forscher ihrem Algorithmus beibringen, welches Gesicht eher schön und welches eher unattraktiv auf die Betrachter wirkt.

„Habt Spaß damit und nehmt es nicht so ernst“

Ganz offenbar ist das Interesse der Menschen an einer computergenerierten Bewertung ihrer Gesichtszüge ziemlich groß. Am vergangenen Dienstagnachmittag ist die Bewertungsseite online gestellt worden. Bis Mittwochabend hatte die Seite über zwei Millionen Besucher, erzählt Rasmus Rothe.

Allzu ernst nehmen sollte allerdings diese Bewertung der eigenen Schönheit  niemand. So erzielte der Redaktionsmops „Buffy“ vom Pro 7 Wissensmagazin Galileo ein „heiß“, was dem armen Tier nun wirklich nicht anzusehen ist. Auf der Webseite schreiben die Forscher deshalb auch ganz offen: „Habt Spaß damit und nehmt es nicht so ernst.“

Bewertet durch Schweizer Brille

Auch weisen die Forscher darauf hin, dass Schönheit sehr subjektiv und die Wahrnehmung von Schönheit von Kultur zu Kultur unterschiedlich ist. Wer sich also mit einem Portrait von der Schönheitsbewertungs-Software in eine der sechs Kategorien einsortieren lässt, ist durch die subjektive Brille von etwa 20 Millionen Bewertungen der 13.000 Nutzerprofile der Dating-App Blinq aus Schweizer Sicht betrachtet worden.

Microsoft schätzt Alter 

Egal, die Leute interessiert es. Das zeigte bereits im Sommer vergangenen Jahres der Run auf die Webseite How-Old.net von Microsoft, die Alter und Geschlecht einer Person ebenfalls anhand eines Bildes bestimmt.

Was zunächst nur als ein kleiner Spaß für Kollegen gedacht war, stieß ganz schnell auf weltweites Interesse: Nach nur drei Stunden im Netz waren bereits 210.000 Anfragen von 35.000 Nutzern gestellt worden. 

Auch Facebook basierte auf Vergleichen

Die Abfrage der eigenen Schönheit hat im Internet schon eine gewisse Tradition. Die Mutter aller Online-Vergleiche war die Webseite „Hot or not“. Auf dieser mussten immer zwei Kandidaten gegeneinander antreten. Davon ließ sich kein Geringerer als Mark Zuckerberg inspirieren, der daraus Facemash entwickelte, welches sich später zum heute wohl mächtigsten sozialen Netzwerk der Welt namens Facebook gemausert hat.

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Von Detlef Stoller
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