12.08.2014, 13:03 Uhr | 0 |

Microsofts Hyperlapse-Algorithmus Software macht aus Amateurvideos ruckelfreie Zeitraffer-Filme

Wer gern Action-Cam-Filme von Rad- oder Bergtouren veröffentlicht, sein Publikum aber nicht mit wackeligen, elend langen Beiträgen quälen möchte, kann sich auf den neuen Hyperlapse-Algorithmus von Microsoft freuen: Das Unternehmen bastelt an einer Software, die aus wackligen Amateur-Aufnahmen ruckelfreie Zeitraffer-Filme errechnet.

Snowboarder, Mountainbiker und Skater lieben es, mit Helmkameras ihre abenteuerlichen Fahrten zu filmen
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Snowboarder, Mountainbiker und Skater lieben es, mit Helmkameras ihre abenteuerlichen Fahrten zu filmen. Bei der Präsentation im Zeitraffer wird es bislang allerdings ungemütlich ruckelig. Das will Microsoft mit dem Hyperlapse-Algorithmus ändern. 

Foto: dpa

Wem von der wackligen Handkamera im Film Blair Witch Project schon schlecht wurde, der hat wohl eher wenig Spaß an den derzeit im Trend liegenden Videoaufnahmen von Action Cams wie der GoPro oder Google Glass. Oft handelt es sich um Aufnahmen aus der Ich-Perspektive, bei der die Kamera an der Stirn oder vor dem Auge getragen wird – und den Bewegungen des Trägers entsprechend wackelt.

Wenn diese Filme dann auch noch im Zeitraffer ablaufen, ist es ganz vorbei. Doch auch für stabilere Zuschauer sind die Schnelldurchgänge meistens eine Zumutung: Es wackelt, es hakelt, es fehlen Bilder und Übergänge, die dem erhöhten Abspieltempo zum Opfer gefallen sind.

Was also ist die Lösung für Kletterer, die gerne ihre Tour zeigen, ihr Publikum aber nicht ewig vor dem Bildschirm halten wollen? Was tun Fahrradfahrer, die ihre neueste Strecke zeigen möchten, diese aber zwei Stunden dauert? Am besten warten sie noch ein wenig, bis Microsoft seine neue Videosoftware veröffentlicht hat. Das Unternehmen bastelt gerade an einer Möglichkeit, Filme aus Action-Cams trotz heftiger Wackler im Zeitraffer zeigen zu können – die Hyperlapse-Technik macht aus Ruckelstrecken sanfte, flüssige, ruckelfreie und verdammt schnelle Filmchen in netzverträglicher Länge.

Software berechnet die Umgebung neu

Um das zu erreichen, analysiert der neu entwickelte Algorithmus die Videodaten, berechnet die Szenerie, erkennt die Kameraposition und rekonstruiert die Umgebung in 3D durch Extrapolation. Durch diese dreidimensionale Welt sucht sich das Programm einen neuen Weg für die Kamera, der so genau wie möglich mit dem ursprünglichen Material übereinstimmt. Dieser neue Weg ist sanfter und ohne großartige Ruckler, da die Software Ausreißer herausfiltert. Die dadurch entstehenden Lücken im Bildmaterial füllt sie mit neuen Bildern aus der zuvor errechneten 3D-Rekonstruktion.

Man kann es auch umgekehrt ausdrücken: Das komplette Hyperlapse-Video ist eine Neuberechnung, basierend auf den Daten des Originalfilms, in das zu der geglätteten Strecke passende Einzelbilder aus dem Ursprungsvideo eingefügt wurden. Parallel zur Glättung wird der Film wie ein normaler Zeitrafferfilm verkürzt.

Zuschauer glaubt durch die Kulisse zu fliegen

Das Ergebnis ist ein flüssiges Video, das die Umgebung nicht mehr direkt, sondern zum größten Teil indirekt abbildet – nicht ganz authentisch, aber nah dran am Original. Das Endprodukt habe etwas von einem Computerspiel, schreibt Spiegel Online – ein Vergleich, an dem etwas dran ist, wenn man sich das Beispielvideo einmal anschaut. Das Computermagazin Chip spricht vom „Gefühl, wie Superman durch die Kulissen zu fliegen“ – und auch das trifft es. Dass dies beabsichtigt ist, wird nicht zuletzt durch die Bezeichnung Hyperlapse deutlich. So wird die Zeitraffertechnik genannt, bei der die zeitliche Raffung durch eine räumliche Komponente ergänzt wird – dass dieser Effekt üblicherweise durch eine spezielle Kameraführung und nicht am Computer erzielt wird, steht auf einem anderen Blatt.

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Von Judith Bexten
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