23.09.2016, 13:12 Uhr | 0 |

Unsicherer als WhatsApp? Snowden warnt: Bloß nicht Googles Messenger Allo nutzen

Kaum bietet Google seine neue Messaging-App Allo zum Herunterladen an, ruft das die Kritiker auf den Plan. Prominentester Gegner des Chat-Assistenten ist Edward Snowden, der aus seinem russischen Exil twittert und rät, die Finger von Allo zu lassen. Zu viele Daten würden dauerhaft gespeichert.

Whistleblower Edward Snowden auf Twitter
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Whistleblower Edward Snowden warnt vor dem neuen Messenger Allo von Google. Er sein noch unsicherer als WhatsApp.

Foto: Edward Snowden/Twitter

Das Dilemma der modernen Kommunikation per Smartphone ist wieder einmal, oder eigentlich dauerhaft, im Gespräch. Auslöser im aktuellen Fall ist Allo, die Anwendung von Google zum Schreiben von Nachrichten, gedacht als Alternative zum Messenger von Facebook oder zu WhatsApp. Whistleblower Edward Snowden hat sich daraufhin aus seinem russischen Exil prompt per Twitter zu Wort gemeldet und einige Tweets abgesetzt, in denen er sich eindeutig gegen Allo ausspricht.

Mit Allo kann man auf Google zugreifen

„Was ist Allo? Eine Google App, die jede Nachricht, die du jemals gesendet hast, speichert und der Polizei aushändigt, wenn die das fordert“, schrieb Snowden am 21. September, dem Tag, an dem Google den Messenger zum Download im Play Store eingestellt hat. Ein anderer Tweet sagt es noch klarer: „Verwendet Allo nicht.“

Wo liegt das Problem bei Allo? Vor vier Monaten hatte Google den Messenger angekündigt, es ist nach Duo die zweite Chat-App. Mit Allo kann man aber nicht nur chatten, Bilder, GIFs und Videos verschicken. Mit Allo lässt sich auch auf die (vermeintliche) Allwissenheit von Google selbst zugreifen.

Den Assistenten kann man mit @Google konsultieren und dann wie eine Websuche nutzen. Sucht man vielleicht ein Restaurant, eine Route oder hat man andere, aktuelle Fragen, die Googles Assistent beantworten könnte? Googles ausgefeilte Algorithmen sollen die Fragen der Allo-Nutzer intelligent (bisher allerdings nur auf Englisch) beantworten können. Dafür will oder muss die App aber auch viel Persönliches erfahren und Zugriff auf Daten, Orte, Bilder und Kontakte bekommen.

Inkognito-Modus oder Hilfe durch Künstliche Intelligenz?

Nun hatte Google bei der Vorstellung der App angekündigt, die Privatsphäre der Nutzer durch eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zu schützen. Dieser sogenannte Inkognito-Modus würde Nachrichten nur vorübergehend speichern und zum Beispiel auch nicht anzeigen, dass man online ist.

Jetzt, beim Release der App, stellte sich heraus, dass der Inkognito-Modus gar nicht standardmäßig eingestellt ist. Man muss ihn von Hand aktivieren. Falls man dies nicht tut, werden alle Konversationen dauerhaft gespeichert – und nicht wie von Google seinerzeit angegeben, nur einige zufällige Nachrichten, die später gelöscht würden. Laut Google benötigt der Assistent die Benutzerdaten für sein einwandfreies Funktionieren.

Nachrichten werden nicht automatisch gelöscht

Google betonte, dass der Nutzer von Allo die volle Kontrolle über seine Daten behalte. Die Gesprächshistorie werde solange gespeichert, bis der Nutzer einzelne oder alle Nachrichten löschen wolle. Im Inkognito-Modus mit der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung könne man eine Zeit einstellen, nach der automatisch alle Nachrichten, die man an eine Person geschickt und von ihr erhalten hat, gelöscht würden.

Schutz der Privatsphäre oder praktische Hilfe durch Künstliche Intelligenz? Man muss nicht gleich Angst vor Strafverfolgungsbehörden oder der NSA haben, um hier unsicher zu werden. Denn anders als auf Facebook, das schon 2015 im Fokus der Datenschützer stand, oder in anderen sozialen Medien, wo wir mehr oder weniger offen unsere Erlebnisse und Gedanken teilen, sollen gezielt an einzelne Personen geschickte Nachrichten das bleiben, als was sie gedacht sind: privat.

Erst kürzlich hatte WhatsApp, das ebenfalls mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung arbeitet, bekannt gegeben, dass es Benutzerdaten mit Facebook austauschen werde. Nicht die Nachrichten selbst, aber wer mit wem spricht und wer wen in seiner Kontaktliste hat. 

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Von Gudrun von Schoenebeck
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