25.11.2015, 12:57 Uhr | 0 |

Anti-Terror-App "See something, send something": New Yorker sollen Verdächtiges melden

Der US-Bundesstaat New York hat eine App entwickelt, mit der Bürger auffällige Gegenstände oder gar Personen fotografieren und an die Sicherheitsbehörden schicken können. Die Anwendung soll der Terrorprävention dienen. Polarisieren könnten die damit einhergehenden Nebenwirkungen. 

Terror-Melde-App in New York
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Mit der neuen App "See something, say something" sollen New Yorker schnell kurze Texte und Fotos an die Polizei übermitteln können, wenn ihnen etwas Verdächtiges auffällt. Gouverneur Andrew Cuomo will so die New Yorker wachsam gegenüber Terrorgefahr machen.

Foto: Chris Melzer/dpa

„See something, send something“ – „Beobachte etwas und sende es“, heißt die App für Android und iOS, die der Bundesstaat New York zum kostenlosen Download anbietet. Das Logo des kleinen Programms: ein piktografiertes Auge, in dessen Iris sich die Umrisse eines Smartphones abzeichnen.

Das Prozedere ist schnell erklärt: Ein Zivilist – ob nun Ur-New-Yorker oder Besucher – sieht etwas, das ihm komisch vorkommt. In der nachgestellten Situation aus dem Werbevideo zur App sind es beispielsweise Fässer mit offensichtlich giftigem Inhalt in einem Lastwagen. Die Person zückt ihr Handy, macht ein Foto und fügt erklärenden Text hinzu.

New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo versicherte bei der Vorstellung der Anwendung in dieser Woche, dass jede Meldung umgehend von den Sicherheitsbehörden an zentraler Stelle geprüft werde.

Zwischen Terrorprävention und Denunziantentum

„A new Way to help fight terrorism“, heißt es in dem Werbevideo – „Eine neue Möglichkeit der Terrorbekämpfung“. Sicher, seit mindestens 14 Jahren sind vor allem die New Yorker hoch sensibel, was die Terrorgefahr angeht. Da ist es verständlich, dass die islamistischen Anschläge mit 130 Toten und zahlreichen Verletzten in Paris am 13. November auch jenseits des Atlantiks die Alarmbereitschaft noch weiter erhöht haben.

Falsche Reaktion?

Andererseits wird von vielen Seiten immer wieder betont, dass eine Reduzierung des freiheitlichen Lebens die falsche Reaktion auf die Anschläge sei. Eine App wie „See something, send something“ könnte vielleicht tatsächlich einen geplanten Angriff verhindern. Sie könnte aber auch Boden bereiten für Vorurteile und öffentliches Denunzieren leichter machen – bequem und aus der digitalen Anonymität heraus.

Videoquelle: NYS Executive Chamber

Es scheint nicht unwahrscheinlich, dass mit der App zwangsläufig auch Menschen fotografiert und den US-Sicherheitsbehörden gemeldet werden, die ganz und gar nichts Böses im Sinn haben. Bei wohl manchen Zeitgenossen braucht es nicht viel, bis sie andere für „verdächtig“ halten. Insofern hängt der tatsächliche Gebrauch der kleinen App wohl an der individuellen Abwägung der potenziellen Anwender von Nutzen und Schaden. 

Ob eine ähnliche Anwendung auch in Europa oder gar in Deutschland denkbar wäre, scheint vor dem Hintergrund möglicher Verletzungen von Persönlichkeitsrechten zumindest fraglich. 

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Von Jan-Martin Altgeld
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