23.04.2013, 14:53 Uhr | 0 |

FBI verstärkt Überwachung Neue Software soll Gesichtserkennung von Straftätern massiv beschleunigen

Die amerikanische Bundespolizei FBI entwickelt eine Bilderkennungssoftware, die sogar in der Lage ist, Menschen auf Videobildern in Sekundenschnelle zu erkennen. Dabei soll sie Bilder von öffentlichen Räumen mit 12 Millionen Fotos von Straftätern vergleichen.

Attentäter von Boston
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Der Attentäter von Boston wurde durch eine Überwachungskamera vor dem Anschlag aufgenommen. Das FBI will nun eine Software entwickeln, die auf Dauer und in kürzester Zeit Aufnahmen in der Öffentlichkeit mit den Bildern von 12 Millionen Straftätern vergleichen kann.

Foto: FBI

Nach den Anschlägen auf Zuschauer des Boston Marathons intensiviert das FBI sein milliardenschweres Programm zur automatischen Erfassung von biometrischen Daten. Next Generation Identification (NGI) heißt das Vorhaben, das bereits im kommenden Jahr anwendbar sein soll. Eine neuartige Fahndungs-Software soll hochgeladenes Foto- oder Videomaterial von Verdächtigen in kürzester Zeit mit einer Datenbank von Millionen Bildern abgleichen. „Die Mission des NGI-Programms ist es, terroristische und kriminelle Aktivitäten zu reduzieren, indem die Möglichkeiten der biometrischen Identifizierung deutlich verbessert und ausgeweitet werden", heißt es auf der Webseite des FBI.

Zwölf Millionen Fotos von Menschen, die mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind, werden dann in einer gigantischen Datenbank gespeichert. Die Vergleichsbilder liefern vor allem Überwachungskameras, die in den USA, anders als in Deutschland, weit verbreitet sind. Die Bilderkennungssoftware, die das FBI entwickeln lässt, identifiziert Gesuchte innerhalb kürzester Zeit. Voraussetzung ist allerdings eine gute Bildqualität, die gängige Überwachungskameras nicht liefern. Selbst professionelle Auswerter sind mit der Erkennung von Gesichtern oft überfordert oder brauchen viel zu lange.

Software hat Probleme mit bewegten Bildern

Auch in Deutschland wurde die automatisierte Gesichtserkennung bereits unter die Lupe genommen: Zum Jahreswechsel 2006/07 testete das Bundeskriminalamt diese Technik mit freiwilligen Pendlern am Mainzer Hauptbahnhof. Die Erfolgsquote lag bei guten Lichtverhältnissen bei immerhin 60 Prozent. Bei schlechteren Lichtverhältnissen sank die Quote aber auf bis zu zehn Prozent. Das reichte den deutschen Behörden nicht, und auch das FBI wünscht sich eine weitaus höhere Trefferquote.

Die US-Bundespolizei hat sich das Know-how mehrerer Unternehmen gesichert, um ihr Ziel zu erreichen, darunter die Rüstungskonzerne Lockheed Martin und BAE Systems, der IT-Riese IBM sowie der Beratungs- und Technologiedienstleister Accenture.

Vergleich von rund 1000 Kennzeichen

Die Bilderkennungssoftware orientiert sich an diversen biometrischen Daten, deren Kombination für jedes Gesicht typisch ist. Eine wichtige Rolle spielen etwa der Augenabstand, die Kopf- und Nasenform sowie der Ansatz von Ohren und Wangenknochen. Insgesamt werden mehr als 1000 Kennzeichen verglichen.

An der Ruhr-Universität Bochum ist ein  solches System bereits vor mehreren Jahren entwickelt worden. Das ebenfalls in Bochum ansässige Unternehmen ZN Vision Technologies vermarktet die Technik, die Gesichter zuverlässig erkennt, allerdings nur, wenn sie sich nicht bewegen. Bei Videobildern gibt es zu viele Fehler, erst recht, wenn sich ein Gesuchter in einer großen Menschenmenge versteckt.

Digitale Kameras liefern scharfe Bilder

Fehlerbehaftet ist die Technik auch, wenn die Bilder verschwommen sind – und das ist die Regel. Dagegen ist allerdings ein Kraut gewachsen. Dass Unternehmen Mobotix in Winnweiler bei Kaiserslautern stellt digitale Überwachungskameras her, die unter anderem an Tankstellen eingesetzt werden. Die Bilder sind so scharf, dass die Nummernschilder der Fahrzeuge mühelos lesbar sind.

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Von Wolfgang Kempkens
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