01.04.2016, 10:58 Uhr | 0 |

Entwicklerkonferenz Build Microsoft plant eine Welt aus unsichtbaren Robotern

Der Computer versteht, wenn wir sprechen und sehr selbstständige und lernfähige kleine Programme namens Bots erledigen den Rest. Wenn Microsoft mit seiner Vorhersage Recht hat, sind Tastatur, Maus und die Unzahl an Apps für jeden noch so begrenzten Zweck bald Vergangenheit.

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Entwicklerkonferenz Build 2016: Microsoft setzt auf kommunizierende Software.

Foto: Brian Smale/Microsoft/dpa

Vor ein paar Jahrzehnten stellten sich Science-Fiction-Autoren genau so die Welt vor: Roboter übernehmen die Kontrolle, der Mensch wird immer passiver. Nur waren die künstlichen Intelligenzen in den Filmen und Romanen damals immer ziemlich große, staksige Maschinen. Die Roboter, also robots, noch kürzer: Bots der Zukunft sind aber so klein, dass sie auf einen Chip passen. So machen sie einem auch weniger Angst.

Im Gegenteil. Microsoft jedenfalls sieht in ihnen die Zukunft der Informationstechnologie. Das hat Konzernchef Satya Nadella jetzt auf der alljährlichen Entwicklerkonferenz ganz deutlich gemacht. Auf der Build 2016 kamen wieder einmal Tausende Entwickler zusammen, die an Anwendungen für Microsoft-Systeme arbeiten. Wenn es nach Nadella geht, werden die meisten von ihnen in Zukunft an Bots arbeiten.

Mit Cortana sprechen

Jedes dieser Programme soll über die Spracherkennung, die bei Microsoft Cortana heißt, gefüttert werden. Manuelle Eingaben oder Mausbewegungen sind damit nicht mehr notwendig. Vielmehr sollen die Bots weitgehend automatisch arbeiten, weil sie nicht nur die aktuelle Sprachinformation verarbeiten, sondern auch frühere Aktivitäten und überhaupt Gewohnheiten des Nutzers kennen.

Praktisch sieht das dann so aus: Der Nutzer spricht mit seinem Rechner etwa über ein bevorstehendes Klassentreffen. Dann schlägt der Bot ihm unaufgefordert Hotels in der Nähe des Festsaals vor, trägt den Termin im Kalender ein und zeigt vielleicht auch noch die Telefonnummer von Erbtante Gisela an, die in der Nähe wohnt und die man seit 28 Jahren nicht besucht hat.

Cortana-Update für Windows 10

All diese Services gibt es natürlich heute schon. Der Unterschied zu heutigen Apps ist aber, dass sie schon allein über die Spracherkennung aktiviert werden und eben gebündelt über ein einziges Programm ablaufen, während man heute eben eine App für den Terminkalender, die Hotelbuchung und das Adressbuch oder anderes braucht.

Microsoft sieht eine zuverlässige Spracherkennung als wichtigsten Schritt auf dem Weg dorthin. Deshalb soll das hauseigene Programm Cortana mithilfe der externen Entwickler deutlich ausgebaut und per Update im kommenden Juli in Windows 10 integriert werden, das inzwischen nach Unternehmensangaben auf rund 270 Millionen Endgeräten in aller Welt läuft.

Roboter müssen die richtigen Sachen lernen…

Dafür benötigen die Bots aber eine Fähigkeit ganz dringend: Sie müssen lernfähig sein. Auch das ist im Prinzip schon heute möglich, wie Microsofts jüngster Versuch mit dem Chat-Bot Tay gezeigt hat. Das Problem war nur, dass Tay im Netz von den falschen Leuten lernte und nach nur einem Tag rassistische Beleidigungen ausstieß. Microsoft arbeitet jetzt fieberhaft an einem Update. Wie weit künstliche Intelligenz, die extrem lernfähig ist, heute allerdings schon ist, hat kürzlich Googles AlphaGo gezeigt, der in dem asiatischen Strategiespiel Go den Weltmeister ziemlich locker besiegte.

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Von Werner Grosch
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