18.08.2015, 11:28 Uhr | 0 |

Software entscheidet Eigenwillig: Israelische Drohnen mit Selbsterhaltungstrieb

Drohnen, ausgestattet mit Sensoren, Kameras, Video- und Übermittlungsgeräten sind teuer. Und empfindlich. Erscheint das Risiko von Beschädigung oder Zerstörung der hochwertigen Fluggeräte zu groß, verzichten Feuerwehr, Militär und Rettungstrupps oftmals auf deren Einsatz. In Israel haben Studenten jetzt eine Software entwickelt, die der Drohne vor allem Selbstschutz verleiht.

Drohne mit Selbsterhaltungsprogramm
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Die am Jerusalem College of Technology entwickelte Drohne eignet sich für das Auskundschaften von Räumen oder Tunneln in Extremsituationen. Besteht die Gefahr, dass sie selbst Schaden nimmt, ändert sie eigenständig die Flugroute oder bricht den Einsatz ab. Die Selbsterhaltung geht vor den Erfolg einer Mission.

Foto: Jerusalem College of Technology

Im Lev Academic Institute des Jerusalem College of Technology haben Studenten einen Indoor-Quadcopter mit einem Navigationsprogramm entwickelt, das auch unter extrem schwierigen Einsatzbedingungen verhindert, dass die Drohne beschädigt oder zerstört wird. Selbst dann nicht, wenn sie in Gaza Terrortunnel erkunden soll. Denn die Software stellt das Überleben der Drohne bei allen Einsatzaufträgen an die erste Stelle.

Autonome Drohne für extreme Einsätze

Brennende Gebäude, Räume, die nach Beschädigungen von Leitungen mit Gas gefüllt sind oder auch enge Tunnelbauten der Araber unter den israelischen Grenzen – solche Szenarien hatten die Entwickler der Software vor Augen. In all diesen Fällen ist der Einsatz von Soldaten, Feuerwehrpersonal oder anderen Menschen kaum zu rechtfertigen. Also sollen Drohnen die menschlichen Aufgaben übernehmen. Dazu gehören Messungen von Luftzusammensetzung, Temperatur, Luftdruck, die Aufnahme von Photos oder Videos und deren drahtlose Übermittlung an das Einsatzzentrum.

Bei all diesen Aufgaben, die im Prinzip von einer Fülle verschiedenster Drohnen erfüllt werden können, ist zu berücksichtigen, dass sie in vielfach engen, teilweise stockdunklen  Räumen erbracht werden sollen, in die der meist weit entfernte Drohnen-Betreiber keinerlei Einblick hat. Letzterer kann nur die Aufgabe vorgeben. Deren Erfüllung aber ist de facto allein Sache der Drohne selbst.

Selbstschutz hat Vorrang

Wer technisch aufwändige Drohnen einsetzen will, muss bislang als Betreiber einige Erfahrung und Übung mit dem jeweiligen Modell haben – auch dann, wenn diese Drohne das Blickfeld des Betreibers nicht verlässt. Während die Sensoren und Kameras für die Einsätze programmiert sind, muss nach der Entwicklungsvorgabe in Israel die Software für den Drohnenflug sicherstellen, dass sich diese Drohne nicht stur nach Plan sondern flexibel nach den örtlichen Einsatzbedingungen bewegt. Sie muss beispielsweise Flammen oder aufgespannten Drähten im Flug ausweichen.

Sie muss auf der einen Seite schnell sein, um ihre Aufgabe erfüllen zu können und nicht länger als unbedingt erforderlich in dem bedrohlichen Umfeld zu verweilen. Auf der anderen Seite muss sie aber langsam genug fliegen können, um auch plötzlich auftauchenden Hindernissen auszuweichen. Um das zu erreichen, ist die neue Software so ausgelegt, dass der Eigenschutz der Drohne im Zweifelsfalle vor der Erfüllung aller ihrer Aufgaben rangiert. Shimon Mizrahi, der die Arbeitsgruppe am Lev Academic Institute leitet, spricht ausdrücklich vom vorrangigen “Überlebenswillen” der Drohne.

Drohne sichert sich im Ernstfall zunächst selbst

Die naheliegendste Gefahr für eine Drohne, die in engen Räumen fliegt, ist die Kollision mit einer Wand, dem Fußboden oder der Decke. Shimon Mizrahi betont in knappen Worten, dass die Software des Lev Academic Institute dafür sorgt, “dass das nicht geschieht“. Sogar dann, wenn der Betreiber die Drohne gezielt auf ein Hindernis steuert, wird sie sich schließlich zurückziehen oder eine andere ausweichende Aktion einleiten. Offiziell wird in diesem Zusammenhang vom “universellen Selbsterhaltungstrieb” der Drohne gesprochen, der jeweils an erster Stelle unter den Zielsetzungen eines Fluges steht.

Flugversuche bestätigen Selbsterhaltungstrieb der Drohne

Wie vom Lev Academic Institute betont wird, haben Flugtests den Überlebenswillen der Drohne auch unter schwierigen Bedingungen bestätigt. Als nächstes stehen Standard-Versionen für die Streitkräfte, die Feuerwehr und Bergungstrupps aller Art an.

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Von Peter Odrich
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