Fachkräftemangel Apps für Tablets und Smartphones: Programmierer fehlen
Der Boom bei den Tablets und den leistungsstarken Smartphones hat die Softwarebranche in eine Entwicklungskrise gestürzt, meinen viele Experten. Diese neuen Geräte und deren Apps erfordern eine nahezu komplett neue Anwendungsebene auf den dahinter befindlichen Servern. Doch die dafür erforderlichen Programmierer sind nicht vorhanden.
Tablets und Smartphones werden immer beliebter. Kürzlich haben IDC-Marktforscher ihre Prognosen für den Tablet-Markt nach oben revidiert. So erwarten die Analysten für dieses Jahr einen Absatz von 107,4 Mio. Einheiten. Im nächsten Jahr sollen es dann 142,8 Mio. sein, und bis 2016 soll das Marktvolumen sogar auf 222,1 Mio. ansteigen. Bei den Smartphones ist die Situation ähnlich. Laut IDC wurden im ersten Quartal dieses Jahres 152,3 Mio. Geräte verkauft – 50 % mehr als im ersten Quartal des Vorjahres.
Apps für Tablets und Smartphones erobern die Geschäftswelt
Einerseits erobern diese einst für den Endverbrauchermarkt entwickelten Geräte immer mehr die Geschäftswelt, zum anderen macht die Flut an Anwendungen – den sogenannten Apps – diese Systeme für praktisch alle erdenklichen Aufgaben einsetzbar. Doch gerade Letzteres bereitet der dahinter stehenden Softwarebranche zunehmend Kopfzerbrechen, denn die relativ einfachen Apps, die auf den mobilen Endgeräten ablaufen, sind nur die Spitze eines Eisberges. Ein mobiles Onlinebanking erfordert z. B. komplexe Programme auf den Servern der Bank, die sowohl den Formfaktor des Gerätes, das jeweilige Betriebssystem und spezielle Sicherheitsvorgaben berücksichtigen. Das alles muss aus dem Stand heraus neu programmiert werden – und die dafür erforderlichen Programmierer sind nicht in ausreichender Zahl vorhanden.
Schnelligkeit bei der Erstellung der Programme ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. „Wer in der Lage ist, mit neuen Programmen schneller als seine Mitbewerber auf den Markt zu kommen, hat deutliche Marktvorteile“, sagt IDC-Analystin Melinda Ballou.
Engpass bei der App-Entwicklung: Mehr Software in wesentlich kürzerer Zeit
Das Problem lautet also: viel mehr Software in wesentlich kürzerer Zeit bei nahezu gleicher Kapazität zu entwickeln. „Es ist sinnvoll, die gegenwärtige Situation bei der Softwareentwicklung als Krise zu bezeichnen“, sagt Kristof Kloeckner, Chef von IBM-Rational. Er zieht damit Parallelen zu den 60er- und 70er-Jahren, wo ebenfalls ein Mangel an Softwareingenieuren den Einsatz der Mainframe-Technologien bremste. „Immer wenn die Hardwareleistung sehr schnell zunehmen konnte, gab es Probleme mit dem Softwareentwicklungsprozess“, erinnert sich
Kloeckner.
Abhilfe sollen neue Systemarchitekturen und Produktivitätswerkzeuge schaffen, die vor allem die letzten beiden Phasen der Softwareentwicklung betreffen: den Programmtest und die Inbetriebnahme. „Das Testen und Ausliefern dauern zu lange und sind vielfach noch zu teuer. Um die Kluft zwischen den Softwareentwicklern und den Business-Anwendern weiter zu schließen, müssen wir den Anwendern in zunehmend kürzeren Zyklen bereits Teillösungen präsentieren. Das geht aber nur, wenn die damit verbundenen Tests und Auslieferungen ebenfalls schnell und gründlich durchgeführt werden“, sagt Charles Chu, zuständig für die Softwarequalität bei IBM.
Gerade der Softwaretest ist eine zunehmend wichtige Komponente. „Eine fehlerhafte Handy-App kann zum Verlust von Kunden führen – erst recht, wenn es sich um Sicherheitsprobleme bei sensitiven Informationen handelt“, so Chu. Auch aus einem anderen Grund ist es sinnvoll, diesen beiden Teilbereichen – Test und Auslieferung – besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Schließlich verschlingt bei herkömmlichen Entwicklungsprojekten das Testen rund 50 % der Gesamtkosten, das Entwicklungsteam opfert 30 % der Zeit auf das Managen der Testumgebung.
Eine bedeutende Hilfestellung bei der Verbesserung dieser Situation kommt aus der Wolke: Cloud Computing erlaubt das schnelle Einrichten von optimal ausgestatten Entwicklungs- und Testumgebungen, damit wird die Softwareerstellung nicht nur schneller, sondern vor allem auch deutlich billiger, da nur für so viel Infrastruktur bezahlt werden muss, wie auch benötigt wird.
Social-Media-Software soll Produktivitätsschub bringen
Einen weiteren Produktivitätsschub erhoffen sich die Softwaremanager von einer verbesserten Kollaboration, so wie sie mit unternehmensgeeigneter Social-Media-Software möglich ist. „Hier kann Social Media erhebliche Produktivitätsverbesserungen bewirken“, meint IDC-Analystin Ballou. „Eine intensive Kollaboration zwischen allen Beteiligten ist die beste Voraussetzung dafür, dass die Software am Ende auch genau das leistet, was sich die Anwender und die Manager davon versprochen haben.“






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