20.11.2014, 16:45 Uhr | 0 |

SCHUTZ VOR SPÄHPROGRAMMEN Amnesty International verschenkt Software gegen Computer-Spione

Ist der Rechner mit Spähsoftware infiziert, die heimlich E-Mails mitliest und Fotos schießt? Amnesty International will Computernutzern diese Sorge nehmen: Die Menschenrechts- und Datenschutzorganisation hat dafür die kostenlose Software Detekt entwickeln lassen.

Detekt soll Journalisten vor Spähsoftware schützen
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Die Software Detekt soll unter anderem Journalisten und Menschenrechtler vor Regierungen schützen, die ihre Strategien mit Spähsoftware auskundschaften wollen.

Foto: Gleb Shabashnyi

Es sei bewiesen, dass Regierungen Überwachungstechnologien gegen Menschenrechtler, Journalisten, Nicht-Regierungsorganisationen, Oppositionelle sowie religiöse und ethnische Minderheiten einsetzen, um herauszufinden, was sie planen, so Amnesty International. Die Menschenrechts- und Datenschutzorganisation bietet deswegen die kostenlose Software Detekt an – gemeinsam mit der Electronic Frontier Foundation (EFF), Privacy International und der Digitalen Gesellschaft. Detekt wurde von dem in Berlin lebenden IT-Sicherheitsexperten Claudio Guarnieri entwickelt.

Anti-Spähsoftware Detekt funktioniert nur unter Windows

Detekt erkennt gleich mehrere Schädlinge – anders als Programme, die einzelne Spähsoftwarefamilien aufspüren und unschädlich machen. Und zwar, indem es den Arbeitsspeicher ausliest und nach bestimmten Mustern sucht. Zu den acht Spähsoftware-Familien, die dem Programm bekannt sind, zählen DarkComet RAT und HackingTeam RCS.

Detekt erkennt auch Produkte des in München ansässigen deutschen Unternehmens FinFisher, dessen Erzeugnisse gegen Menschenrechtsaktivisten in Bahrain eingesetzt wurden – beispielsweise Fin Spy. Die Spähsoftware kann Skype-Gespräche abhören, Dateien von der Festplatte kopieren, E-Mails abfangen und sogar Fotos schießen, indem sie die Computer-Kamera fernsteuert.

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Teilnehmer des Jahreskongresses des Chaos Computer Clubs im Berliner Congress Center. Auf der Veranstaltung wurden unter anderem Vorträge zu Netzpolitik, Datenschutz, und IT-Sicherheit gehalten.

Foto: Britta Pedersen/dpa

Sobald der Suchvorgang von Detekt abgeschlossen ist, erhält der Anwender genaue Details und Anweisungen, ob und was gefunden wurde. Er erfährt auch, was als nächstes zu tun ist – also wie man Experten kontaktieren kann, um sich von ihnen helfen zu lassen.

Die Anbieter warnen allerdings: „Es ist möglich, dass Detekt die jüngsten Versionen der Spähsoftwarefamilien nicht erkennt.“ Eine weitere Einschränkung: Detekt funktioniert nur unter Windows ab der Version XP, mit Ausnahme der 64bit-Version 8.1.

Fünf Milliarden US-Dollar für Spähsoftware

Der Handel mit Technologien zur Kommunikationsüberwachung ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Die Coalition Against Unlawful Surveillance Exports (CAUSE), deren Mitglied Amnesty International ist, schätzt den Wert der jährlich weltweit gehandelten Überwachungstechnologien auf fünf Milliarden US-Dollar. Die Hälfte davon entfällt auf Europa.

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Von Wolfgang Kempkens
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