17.11.2014, 13:39 Uhr | 0 |

Hype um Datenbrille flaut ab Verkaufsstart von Google Glass steht weiter in den Sternen

Entwickler von Google Glass und von Anwendungen glauben offenbar nicht mehr so recht an die Eignung der Datenbrille für den Massenmarkt. Eine Consumer-Version soll frühestens im kommenden Jahr in den offiziellen Handel kommen. 

Google Glass: App für Basketball
Á

Ein Google-Mitarbeiter erklärt bei der Entwicklerkonferenz Google I/O am 25. Juni 2014 in San Francisco eine App für die Datenbrille Google Glass, die einen Wurf beim Basketball analysieren kann. 

Foto: dpa/Andrej Sokolow

Er pflegte es ständig zu tragen, sogar am Strand. Doch vergangene Woche erschien Google-Mitgründer Sergey Brin auf einem Promi-Event im kalifornischen Silicon Valley ohne sein Google Glass im Gesicht. Er habe es im Auto gelassen, erklärte er Reuters zufolge einem Reporter. Grund genug für die Nachrichtenagentur den Stand des Projekts abzuklopfen, um das seit seiner Präsentation vor zwei Jahren mächtig viel Wirbel gemacht wurde.

Markteinführung mehrfach verschoben

Brin ist der Kopf von „Google X“ – der Forschungsabteilung des US-amerikanischen Unternehmens für visionäre Projekte, die als „Moonshot“ bezeichnet werden. Google Glass ist eines der Google X-Projekte. Es handelt sich dabei um einen Computer mit einem briefmarkengroßen Display, Internet und Mikrofon im Miniformat, der auf ein Brillengestell montiert ist. Im Blickfeld des Trägers dient er der so genannten „erweiterten Realität“ (engl. augmented reality) und bietet Navigation, Foto- und Videoaufnahmen sowie Kommunikationsanwendungen.

Google hatte die Markteinführung des Gadgets bereits mehrfach verschoben, eine hochgejubelte Testversion, eine „Explorer“-Edition, ist seit April 2014 im Internethandel verfügbar. Doch der Hype um das Gadget flaut ab. „Es sieht einfach zu nerdy aus“, zitiert Reuters einen Explorer, dessen Glass nun in der Schublade verstaube.

Entwickler springen ab

Viele Entwickler und Anwender verlören allmählich die Geduld und das Interesse an der Datenbrille, berichtet Reuters. Google selbst habe die Einführung auf dem Massenmarkt erneut verschoben. In einer nicht repräsentativen Umfrage unter 16 Entwicklern von Anwendungen für die Datenbrille sagten neun aus, sie hätten die Arbeit an ihren Projekten auf Eis gelegt oder ganz eingestellt, hauptsächlich aus Mangel an Kundschaft oder wegen bestehender Hardware-Limitierungen. Drei weitere Entwickler hätten sich vom Consumermarkt abgewandt und konzentrierten sich nun auf Anwendungen im Business-Bereich.

„Im Moment gibt es einfach keinen Markt“ zitiert Reuters Tom Frencel, Vorstandsvorsitzender von Little Guy Games. Die Softwareschmiede habe die Entwicklung eines Spiels für Glass aufs Eis gelegt und sähe sich nach anderen Plattformen um, wie der VR-Brille „Oculus Rift“, die Facebook Inc. gehört. Viele der größeren Entwickler und einige Business-Anwender wie die Firma CrowdOptics, die Glass als Unterstützung für Chirurgen in 19 US-Krankenhäusern einsetzt, blieben jedoch bei Glass. Zu den etwa 100 Apps, die derzeit auf der offiziellen Website für die Datenbrille verfügbar seien, zählte auch eine Facebook-App, allein Twitter fehle.

Führende Google-Köpfe quittieren die Mitarbeit

Wie die Nachrichtenagentur weiter berichtet, hätten bei Google selbst in den vergangenen sechs Monaten mehrere wichtige Köpfe, die mit dem Glass-Projekt befasst waren, das Unternehmen verlassen, darunter Entwicklungschef Babak Parviz, Elektronik-Chef Adrian Wong. Das schwindende Interesse an dem Gadget spiegelt sich auch beim Handel auf Ebay wider: Dort erziele die 1.500 US-Dollar teure Explorer-Version laut Reuters mittlerweile nur noch ungefähr die Hälfte des Listenpreises.

Man sei nach wie vor überzeugt von den Möglichkeiten, die Wearables und insbesondere Google Glass eröffneten und darauf festgelegt, Glass auf den Markt zu bringen, versicherte Chris O'Neill, Chef der Google Glass business operations gegenüber Reuters. Doch: „Das wird Zeit brauchen und wir werden das Produkt nicht herausbringen, bevor es absolut fertig ist.“

Anzeige
Von Susanne Neumann
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden