05.05.2015, 14:17 Uhr | 0 |

Pigmente stören Messung Tattoos beeinträchtigen den Pulsmesser der Apple Watch

Tattoos am Handgelenk können den Sensor der Apple Watch stören, der den Puls misst. Das hat Apple bestätigt. Wie bei anderen Smartwatch, deren Sensoren die Herzfrequenz mittels Licht ermitteln, kann tätowierte oder stark verfärbte Haut die Messung beinträchtigen. Apple rät Kunden, in diesen Fällen die Apple Watch kabellos per Bluetooth mit externen Messgeräten wie einem Brustgurt zu verbinden.

Zwei japanische Apple-Fans mit Watch-Kappe
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Zwei japanische Apple-Fans mit Watch-Kappe: Die Uhr hat offenbar Probleme, Körperdaten zu erfassen, wenn die Haut tätowiert ist.

Foto: Franck Robichon/dpa

Permanent überwacht die Apple Watch den Pulsschlag am Handgelenk ihres Trägers. „Wenn du trainierst, misst der Sensor in der Apple Watch deine Herzfrequenz und zeigt sie dir direkt am Handgelenk an“, erfährt der Fitness-bewusste Nutzer der Smart Watch auf Apples Website. Wer die Uhr jedoch auf tätowierter Haut trägt, könnte sich über die angezeigten BPMs – also Schläge pro Minute (engl. beats per minute) – wundern. Denn sie stimmen nicht. Und darüber beklagen sich Tausende von Usern unter dem Hashtag #tattogate auf Twitter.

Tattoos blockieren Licht des Sensors

Nun hat Apple eingeräumt, dass Tattoos die Leistung des Herzfrequenzsensors beeinflussen können. „Tinte, Muster und Farbsättigung einiger Tattoos können das Licht des Sensor blockieren“, räumt Apple in einem aktualisierten Support-Dokument auf seiner Website ein. Auch eine Reihe weiterer Faktoren wie die Hautdurchblutung, die bei Bewegung, Kälte oder Hitze variiert, könnten die Messergebnisse beeinflussen.

Sowohl User der Smartwatch als auch diverse Internetportale haben die Schwierigkeiten, die die Uhr insbesondere mit dunklen, kräftigen Tattoos hat, in Tests nachvollzogen.

Blutstrommessung mit Licht

Der Grund für die Probleme ist, dass der Herzfrequenzsensor der Apple Watch auf einer gängigen Technik basiert, die auch in Smartwatches anderer Hersteller zur Messung des Pulsschlages am Handgelenk eingesetzt wird. Das Verfahren nennt sich „Photoplethysmographie“ und ermittelt die Herzfrequenz anhand der Licht absorbierenden und Licht reflektierenden Eigenschaften des Blutes.

„Blut ist rot, weil es rotes Licht reflektiert und Grünes absorbiert“, erklärt Apple selbst das Prinzip. Grüne LEDs, die auf der Unterseite der Uhr mehrere hundert Mal pro Sekunde aufleuchten, und lichtempfindliche Photodioden dienen in der Apple Watch zur Erfassung des Blutstroms. Bei jedem Herzschlag fließt mehr Blut durch das Handgelenk, die Blutmenge nimmt zu und mehr grünes Licht wird geschluckt. Die Photodioden erkennen dieses Pulsieren des Blutes.

epa04718451 Surrounded by reporters, Yuichiro Masui (C), the first Apple Watch customer at a Japanese telecommunication store in Tokyo's Omotesando fashion district, poses with his wearable device in Tokyo, Japan, 24 April 2015. The Apple Watch, Apple's first new product category since 2010's iPad, goes on sale in eight countries from 24 April and will be sold by Apple only in its online store through at least May. EPA/FRANCK ROBICHON EPA/FRANCK ROBICHON +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Erster Käufer einer Apple Watch in Tokio: Jetzt stellt sich heraus, dass die Uhr auch ihre Macken hat.

Foto: Franck Robichon/dpa

 

Anhand der ermittelten Werte könne die Uhr die Herzfrequenz ihres Trägers kalkulieren, erklärt Apple. Folglich wird die Messung aber auch ungenau, wenn ein Tattoo grünes Licht blockiert oder nur teilweise durchlässt. Der Herzfrequenzsensor arbeite auch mit Infrarotlicht, informiert Apple weiter. In diesem Modus messe die Uhr alle 10 Minuten die Herzfrequenz, um sie in der Health App zu speichern. Wenn der Infrarotmodus keine stimmigen Ergebnisse liefere, werde auf die grünen LEDs umgeschaltet.

Tattoo-freies Handgelenk gesucht

Wer ein Tattoo am bevorzugten Handgelenk für die Smartwatch trägt und nicht auf ein Tattoo-freies Handgelenk wechseln kann oder will, dem empfiehlt Apple, die Uhr per Bluetooth kabellos mit einem externen Messgerät zu verbinden – mit einem Brustgurt zum Beispiel. Verwiesen sei aber auch auf das 14-tägige Rückgaberecht, das Apple Watch–Käufern eingeräumt wird.

Allerdings kann man sich fast wundern über die Proteste der Tattoo-Fans. Denn seit Jahren ist bekannt, dass Tattoos nicht nur Allergien auslösen können. Besonders metallhaltige Farben führen dazu, dass Patienten mit Tattoos keine Magnet-Resonanz-Tomographie in Anspruch nehmen können.

Zum einen beeinträchtigen Tätowierungen mit eisenhaltigen Farben das Ergebnis, zum anderen kann es zu unangenehmen Erhitzungen in der Haut kommen. Das gilt auch für Permanent-Make-ups mit eisenhaltigen Farbpigmenten. Immerhin: Keine Probleme gibt es mit Tattoos bei der Computertomographie.

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Von Susanne Neumann
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