22.10.2014, 08:33 Uhr | 0 |

Nutzung digitaler Geräte Studie: Deutsche unterscheiden sich deutlich von Usern in anderen Ländern

Wenn es um Medien und digitale Geräte geht, spielt Deutschland im internationalen Vergleich oft eine Sonderrolle. Praktisch ist am besten - scheint das Motto deutscher Verbraucher bei Smartphones, Tablets und Co. zu sein. Das zeigt eine weltweite Studie von Accenture. 

Digitales Design: Lichtgemälde an der Vancouver Filmschool
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Ein Lichtgemälde an der Vancouver Filmschool zum Thema digitales Design. Die Beziehung der Deutschen zu digitalen Geräten ist eine besondere. Das offenbart eine weltweite  Studie. 

Foto: Vancouver Filmschool:

So sind die Deutschen zum Beispiel viel skeptischer beim Kauf reiner Unterhaltungsgeräte wie Tablets oder Spielkonsolen. Mit 29 Prozent besitzt nicht einmal jeder Dritte ein Tablet. Weltweit haben eines aber schon 35 Prozent der Verbraucher. Und auch bei Spielkonsolen liegen die Deutschen deutlich hinter anderen EU-Staaten. Das hat die weltweite Studie „Digital Consumer Survey 2014“ des Managementberatungs-, Technologie- und Outsourcing-Dienstleisters Accenture gezeigt.

Für die Untersuchung wurden 23.000 Verbraucher ab 14 Jahren in 23 Ländern befragt. Neben Deutschland sind unter anderem Australien, Brasilien, China, Frankreich, Indien, Indonesien, Russland, Saudi-Arabien, Südafrika und die USA dabei. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Onlinebevölkerung des jeweiligen Landes.

Deutsche bevorzugen Spezialisten statt Alleskönner

Laut der Befragung besitzt jeder Verbraucher in Deutschland im Durchschnitt fünf digitale Geräte wie Smartphone, PC, Fernseher, Tablet und GPS-Navigationsgerät. Dabei mögen die Deutschen gerne Geräte, die nur eine spezielle Funktion haben, statt solcher, die alles können: Mehr als die Hälfte nutzt deshalb mehrere digitale Geräte für verschiedene Aufgaben.

Zum Beispiel besitzen 41 Prozent ein Navigationsgerät mit GPS und 19 Prozent haben einen E-Book-Reader. Zum Vergleich: Weltweit sind beide Geräteklassen dagegen nur mit 35 und 14 Prozent in Umlauf.

Lieber das klassische Smartphone statt großer Displays

Eine weitere Besonderheit, die die Deutschen ausmacht: Woanders sind Smartphones mit großen Displays der Renner. Solche Phablets eignen sich vor allem gut für Spiele und Videoinhalte. Hierzulande dagegen bevorzugen drei von fünf Smartphone-Käufern noch immer das klassische, kleinere Format. Der Leiter der Studie, Denis Gassmann, meint: „Praktischer Nutzen ist den Verbrauchern in Deutschland offenbar wichtiger als Unterhaltung oder Komfort.“

Das mache sich auch in anderen Bereichen bemerkbar: „Etwa beim Interesse an kommenden Geräten. Hier können sich die Deutschen für intelligente Navigationssysteme mit Echtzeit-Warnungen begeistern, im Vergleich mit anderen Ländern aber nicht so sehr für andere Trends wie Smart Home oder Fitness-Tracking.“

Deutsche zurückhaltend beim Herunterladen von Filmen

Die Studie belegt außerdem, dass sich das Medienverhalten verändert: Überall auf der Welt verliert der Fernseher an Bedeutung. Vor allem jüngere Zuschauer schauen sich inzwischen vieles am PC oder Smartphone an. Dabei sind Plattformen wie YouTube beliebt. Sogar längere TV-Serien oder Filme schaut heute schon jeder dritte jüngere Zuschauer am Computer.

Das ist auch in Deutschland so. Wenn es aber ums Herunterladen von Videoinhalten aus dem Netz geht, sind die Deutschen wieder zurückhaltender: Weltweit haben schon 43 Prozent der Befragten Filme oder TV-Serien heruntergeladen, bei uns waren es dagegen nur 19 Prozent. Nur knapp hinter dem Rest der Welt liegen die deutschen Nutzer jedoch beim Streamen von Filmen, Clips oder Sportübertragungen aus dem Netz.

Viele Gratisangebote im deutschen Netz

Auffallend auch: In anderen Ländern ist es häufig selbstverständlich, für Filme aus dem Netz zu bezahlen. Nicht in Deutschland. Hier gibt es mehr Gratisangebote etwa aus Mediatheken der TV-Sender. Nur bei 17 Prozent der Filme oder TV-Serien aus dem Netz handelt es sich laut der Studie um Bezahlinhalte. Eine Ausnahme sind Sportübertragungen. Da zahlen die Deutschen schon in 27 Prozent der Fälle. Übertroffen werden sie noch von E-Books - mit 46 Prozent.

Digitale Dienstleistungen am liebsten als Paket und von heimischen Providern

Spitze sind die Deutschen dagegen, wenn es darum geht, Dienstleistungen als Teil eines Pakets einzukaufen: Den Zugang zum Netz koppelt zum Beispiel fast jeder Verbraucher hierzulande noch mit einer anderen Dienstleistung. Weltweit tun das aber nur rund zwei Drittel. Bei Video- und TV-Dienstleistungen aller Art liegt der Anteil der Paketangebote jeweils bei etwa 50 Prozent.

Als Provider treten dabei zunehmend internationale Großkonzerne auf den Plan: Überall können sich die Nutzer vorstellen, Videoinhalte zum Beispiel von Google, Apple oder Samsung zu beziehen. In Deutschland dagegen herrscht ein anderes Klima: 40 bis 50 Prozent wollen solche Dienstleistungen von Google und Co. absolut nicht.

Deshalb sieht der Studienleiter Denis Gassmann hierzulande eine große Chance für lokale Anbieter: Da sich der Markt für Videoinhalte aus dem Netz in den kommenden Jahren mehr als verdoppeln werde, so Gassmann, sollten etablierte Unternehmen ihre Marktposition festigen. Dann könnten sie gegen die globalen Unternehmen bestehen.

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Von Lisa von Prondzinski
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