04.02.2015, 10:34 Uhr | 0 |

Beschränkungen notwendig Smartphones und Tablets rauben Jugendlichen den Schlaf

Je mehr Zeit Jugendliche mit PC, Smartphone oder Tablet verbringen, desto stärker kann ihr Schlaf gestört sein. Teils schlafen sie weniger als fünf Stunden, ergab eine Studie norwegischer Forscher. 

Junge Frauen auf Modenschau mit Smartphones
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Junge Frauen filmen mit ihren Smartphones auf der Modenschau von Miranda Konstantintinidou bei der Mercedes-Benz Fashion Week in Berlin: Jugendliche nutzen elektronische Geräte inzwischen so intensiv, dass sie unter Schlafstörungen leiden.

Foto: Jens Kalaene/dpa

Die Ergebnisse sind eindeutig: Wer mehr als zwei Stunden täglich mit elektronischen Bildschirmgeräten wie Tablet oder Smartphone verbringt, der hat ein dreifach erhöhtes Risiko, weniger als fünf Stunden Schlaf zu bekommen. Bei vielen verzögert sich das Einschlafen um mehr als eine Stunde. Das hat die Studie einer norwegischen Forschergruppe ergeben, die jetzt im British Medical Journal veröffentlicht wurde.

Vor allem die Nutzung eines solchen Geräts direkt vor dem Einschlafen – oft noch im Bett – berge die Gefahr von Schlafstörungen, schreiben die Wissenschaftler vom „Regional Centre for Child and Youth Mental Health and Child Welfare“ in Bergen. Sie haben fast 10.000 junge Menschen im Alter zwischen 16 und 19 Jahren befragt und sie ein Online-Tagebuch über ihre Gewohnheiten schreiben lassen.

Gefahr durch Geräte-Vielfalt

Der Zusammenhang zwischen Elektronik-Nutzung und Schlafmangel zeigte sich umso deutlicher, je länger die Jugendlichen die Geräte nutzten und je mehr verschiedene sie nutzten. Wer also täglich vielfach zwischen Handy, Tablet, Fernseher und Spielekonsole wechselt oder sie gar parallel bedient, ist besonders gefährdet.

Die Forscher sehen eine eindeutige Parallele zu den Erkenntnissen, die es zum Fernsehen schon seit vielen Jahren gibt. Bisherige Studien hätten aber die vielfältigen Möglichkeiten der mobilen Elektronik nicht einbezogen. Deshalb müssten nun auch die Empfehlungen an die Eltern erneuert werden. Konkret heißt das: Die Mediennutzung deutlich beschränken.

Daddeln, bis Mama kommt

Wie sich das Verhalten konkret auf die Gesundheit auswirkt, war nicht Gegenstand der Studie. Auch nicht, wodurch genau die Schlafstörungen ausgelöst werden. Vermutet wird – wie beim Fernsehen - , dass die emotionale Aufregung die Jugendlichen nicht zur Ruhe kommen lässt. Auch ein Zusammenhang mit dem kalten Licht, das von den Bildschirmen abgestrahlt wird, ist denkbar. Die einfachste Erklärung ist aber die: Die Kids können einfach nicht die Finger von den Geräten lassen. Liegen im Bett und daddeln, bis die allerletzte Mahnung von Mama und Papa kommt.

ARCHIV - Illustration - Ein Junge sitzt mit seinem Schulranzen auf einer Tischtennisplatte auf einem Spielplatz in Berlin und spielt auf einem Smartphone, fotografiert am 22.08.2012. Foto: Jens Kalaene - MODEL RELEASED (zu dpa «Neuer Erlass soll hohe Zahl von Schulschwänzern hinter Gittern verhindern» vom 01.02.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Kind mit Smartphone auf einem Kinderspielplatz in Berlin: Das Telefon ist längst zum unverzichtbaren Begleiter auch von Kindern geworden. Selbst kurz vor dem Schlafen wird das Gerät benutzt. Die Folge: Manche Kinder schlafen nur noch fünf Stunden pro Nacht.

Foto: Jens Kalaene/dpa

Fast alle Teilnehmer der Studie hätten berichtet, dass sie ein oder gar mehrere elektronische Geräte in der letzten Stunde vor dem Schlafengehen nutzten, schreiben die Forscher. Vor allem die starke Ausbreitung von Smartphones in den vergangenen Jahren hat diese Entwicklung offenbar verschärft.

Nach der Untersuchung des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest aus dem vergangenen Jahr nutzen inzwischen 87 Prozent der Jugendlichen ihr Handy täglich. 81 Prozent von ihnen verbringen jeden Tag Zeit im Internet. Besaß im Jahr 2011 erst knapp ein Drittel der Jugendlichen ein Smartphone, so waren es zwei Jahre später schon rund drei Viertel.

„Empfehlungen an Eltern brauchen Update“

Für die norwegischen Forscher ist die Konsequenz klar: „Die Empfehlungen für einen gesunden Umgang mit Medien, die Eltern und Jugendlichen gegeben werden, brauchen dringend ein Update. Derzeit wird empfohlen, keinen Fernseher im Schlafzimmer zu haben. Das sollte auf alle Medien ausgedehnt werden.“ 

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Von Werner Grosch
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