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05.04.2013, 16:59 Uhr | 0 |

Mobilfunk Mit Joyn an der SMS und Whatsapp vorbei

Whatsapp, Facebook Messenger, iMessage, Skype, Viber – die kostenfreien Messaging-Dienste sind bei vielen Nutzern beliebt. Und gleichzeitig deutschen Mobilfunkbetreibern ein Dorn im Auge, da sie das einst lukrative Geschäft mit SMS und MMS zum Einsturz bringen. Daher haben Vodafone und Telekom den Nachrichtendienst Joyn gestartet. Dieser kommt jedoch erst langsam ins Rollen.

Vor wenigen Wochen startete die Telekom nach langer Verzögerung den Nachrichtendienst Joyn als Beta-Version für ihre Kunden. Der Dienst wurde von der Telekom bereits für Dezember 2012 angekündigt, schließlich zur CeBIT 2013 als Android-Version gestartet. Seit Mitte März steht den Nutzern auch die Apple-Version iOS als App zur Verfügung. Die App-Varianten für Blackberry und Windows Phone 8 sollen folgen.

Vodafone bietet den Messaging-Dienst seit August 2012 an. "Joyn bietet Smartphone-Nutzern einen echten Mehrwert. Die App ist funktionaler und sicherer als vergleichbare Messaging-Dienste", bilanziert Pressesprecher Thorsten Höpken. Mit einer Installation von Joyn auf über 500 000 Smartphones zeigt sich Vodafone zufrieden.

Die Mobilfunkbetreiber versuchen mit dem neuen Nachrichtendienst einen Weg zu finden, um an das ehemalige "Goldesel"-Geschäft mit Kurznachrichten anzuknüpfen. Laut eines Berichts von John Strand, einem dänischen Technologieberater, sei die SMS eine exzellente Einnahmequelle gewesen, die oft bis zu 20 % des Geschäftsumsatzes der Mobilfunkbetreiber ausmachte. Danach kam die MMS, die ebenso wie die SMS zum Überraschungserfolg wurde. Heute werden die kostenpflichtigen Dienste zunehmend von kostenfreien Instant-Messaging-Diensten wie Whatsapp oder dem Facebook Messenger verdrängt.

Dadurch werden Mobilfunkanbieter bis 2016 weltweit Umsätze von knapp 54 Mrd. $ (rund 42 Mrd. €) mit SMS und MMS einbüßen, schätzen Marktforscher des britischen Analystendienstes Ovum. Das weiß auch die internationale Branchenorganisation der Mobilfunkbetreiber GSMA, die sich auf den technischen Standard Joyn geeinigt hat. Daher wollen weltweit auch Mobilfunkanbieter wie Orange, SK Telecom aus Südkorea und der spanische Mobilfunkbetreiber Movistar mit Joyn ihre Kunden im Bereich Messaging zurückgewinnen.

Von dem Erfolg des neuen Messaging-Angebots ist die Telekom überzeugt. "Joyn ist besonders einfach zu nutzen", so Niek van Damme, Vorstand für Telekom Deutschland. Vodafone stellt jetzt zudem fest: "Seit dem Start der Telekom sehen wir eine deutlich steigende Nachfrage unserer Kunden. Insbesondere die Verfügbarkeit der iPhone-App sorgt für einen deutlichen Anstieg der Nutzung." Wie viele den Dienst derzeit nutzen, geben beide Anbieter nicht bekannt.

Doch den positiven Erwartungen der Mobilfunkbetreiber steht Skepsis vonseiten vieler Marktbeobachter gegenüber. "Es wird schwer werden für Joyn sich durchzusetzen", prognostiziert Rafaela Möhl, Pressesprecherin von Teltarif, einem unabhängigen Online-Telekommunikationsmagazin.

Mit Whatsapp, Skype, Viber und iMessage stünde Joyn eine weltweit verbreitete Konkurrenz gegenüber, die ebenfalls Gruppenchats, Videotelefonie und Datenaustausch beherrscht. Daher müsse der Dienst etwas bieten, was die Nutzer zum Umsteigen bewege, meint Möhl von Teltarif. Joyn biete jedoch im Vergleich keine besonderen Zusatzfunktionen. Technologieberater Strand ist sich sicher: "Die Menschen nutzen Facebook und Whatsapp. Joyn ist nicht auf dem Radar." Er ist nicht überzeugt, dass sich Joyn zum ernstzunehmenden Wettbewerber entwickeln könne. Vielmehr prognostiziert Strand ein anderes Modell: "Zukünftig werden SMS, MMS und Telefonie in einem Paket für einen pauschalen Einheitstarif verkauft. Wir sehen das bereits in Dänemark."

Durchaus Vorteile biete Joyn laut der Mobilfunkanbieter aber in Bezug auf seine Sicherheitsaspekte. Joyn unterliege hierzulande aufgrund der Unternehmenssitze der Mobilfunkanbieter und der Serverstandorte in Deutschland europäischen Datenschutzbestimmungen. Das Adressbuch des Smartphones bleibt immer lokal auf dem Gerät. Es wird nicht als Kopie auf global verteilte Server hochgeladen. Damit grenzt sich Joyn beispielsweise von Whatsapp ab, das in der Vergangenheit öfter für Sicherheitslücken, wie unverschlüsselte Kommunikation und Möglichkeiten der Übernahme des Benutzerkontos durch Dritte, kritisiert wurde.

O2 habe die Markteinführung von Joyn für dieses Jahr angedacht, teilt Ralf Opalka, Pressesprecher der Telefónica Germany GmbH & Co. OHG, mit. Weitere Informationen will der Telekommunikationsdienstleister aber nicht bekannt geben. Andere Mobilfunkanbieter halten sich derzeit noch zurück, was den Start von Joyn angeht: "Die E-Plus Gruppe plant aktuell keinen Start von Joyn. Das Unternehmen prüft, welche Relevanz Joyn für die Nutzer von SMS und Messaging-Diensten und gegen bereits bestehende Angebote im Markt zu entwickeln vermag", meint Klaus Schulze-Löwenberg, Leiter der Pressestelle von E-Plus. NORA NUISSL

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Von Nora Nuissl | Präsentiert von VDI Logo
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