09.01.2017, 11:23 Uhr | 0 |

Internet für die Tasche Ja, das iPhone ist erst zehn Jahre alt

Wie war das eigentlich, als es Smartphones noch nicht gab? Man kann sich kaum noch erinnern. Und dabei ist es erst zehn Jahre her. Gönnen Sie sich auf Youtube noch einmal die Präsentation des ersten iPhones durch Steve Jobs – auf den Tag genau vor zehn Jahren. Mit dem 9. Januar 2007 begann die Revolution unserer Kommunikation.

Steve Jobs mit dem ersten iPhone
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"Das ist ein Telefon", jubelt Apple-Gründer Steve Jobs heute vor zehn Jahren, als er das erste iPhone präsentiert. Gerade erst hat er die Navigationsfunktion vorgestellt – und ist sichtlich selbst begeistert, was sein Gerät alles kann.

Foto: Apple

Wie er da steht, Apple-Gründer Steve Jobs, am 9. Januar 2007 auf der riesigen Bühne in San Francisco. Er versucht zu erklären, was ein iPhone überhaupt ist. Apple hatte noch nie ein Mobiltelefon gebaut. Und jetzt gleich das: ein iPhone. Ein iPod zum Musik hören – das konnten sich die Besucher der MacWorld Expo noch vorstellen. Der iPod, 2001 präsentiert und kombiniert mit der Musikplattform iTunes, hatte die Musikwelt in wenigen Jahren grundlegend verändert.

iPhone: Telefon, Musikbox und Internetsurfer in einem

Das iPhone sollte aber zugleich ein Telefon sein. Und ein „Internet Device“ für die Hosentasche. Und das alles in einem. Internet auf den grünen Displays dicker Handys: Ja, das gab es schon, aber es war unglaublich umständlich, etwas einzugeben. Jobs machte sich lustig über die Geräte von Nokia und Blackberry mit ihren Minitastaturen, die sich kaum richtig bedienen ließen. Ja, Blackberry, das war damals bei Managern ein Statussymbol. Aber nicht mehr lange.

Die Normaluser von Handys telefonierten noch und tippten SMS mit ihren Geräten. Ein König war, wer einen Handy-Vertrag mit SMS-Flat besaß. Doch Preise im Internet vergleichen, eine Reise buchen, schnell die WhatsApp-Gruppe zum Essen einladen, der Freundin ein Bild des neuen Kleides aus der Boutique schicken, mit dem Handy bezahlen, die Jalousien öffnen oder vom Büro aus einen Blick in den Kühlschrank werfen? Nein, so etwas konnte sich damals wohl niemand vorstellen. Oder hatte Steve Jobs davon schon eine Vision?

Microsoft unterschätzte das iPhone kolossal

Die Apple-Fans in San Francisco wussten selbst noch nicht, dass sie wirklich einem historischen Ereignis beiwohnten. Der damalige Microsoft-Boss Steve Ballmer hatte auch keine Ahnung und nahm den kleinen Apple-Konzern trotz des iPod-Erfolges nicht ernst. „Apple hat keine Chance, mit dem iPhone auf einen nennenswerten Marktanteil zu kommen. Zwei, drei Prozent, mehr ist nicht drin.“ Microsoft, groß und satt dank seiner Windows- und Office-Software, verpasste wieder mal einen Trend.

Steve Jobs` Ankündigung, die Kommunikation zu revolutionieren, war wirklich nicht untertrieben. Denn ihm gelang, woran sich der damalige Handriese Nokia gar nicht erst versuchte: Apple schuf ein Gerät, dass man intuitiv bedienen konnte. Es gab nicht mal eine Betriebsanleitung.

Das war neu: Wischen über den Bildschirm

Denn Apple nutzte den Spieltrieb der Menschen. Jetzt gab es ein Telefon ohne Tasten, mit einem berührungsempfindlichen Bildschirm, bei dem man Bilder durch das Auseinanderziehen der Finger vergrößern konnte. Bei dem man nach links und rechts wischen konnte, um zu nächsten Webseite zu gelangen oder zum nächsten Foto. Ach ja: Und eine Kamera war das iPhone ja auch noch. Es gab auch schon die ersten Apps. Apps? Was ist das denn?

Alles, was uns heute so völlig selbstverständlich vorkommt an einem Smartphone, das hatte es damals so noch nicht gegeben. Das iPhone war ein Computer für die Hosentasche, mit dem man auch telefonieren konnte. Viele waren skeptisch. Und was schrieben damals die VDI nachrichten? „Viel Lärm um Apples iPhone-Handy“ hieß es. Durchaus mit Begeisterung wurde das neue Gerät beschrieben. „Doch neben viel Euphorie mehren sich auch schon kritische Stimmen“, dokumentiert die Autorin. Ja, Apple war immer seiner Zeit voraus, aber im Internet surfen, mit so einer kleinen, nur angezeigten Tastatur? Mit so einem kleinen Bildschirm?

Kann man noch ohne Smartphone leben?

Ja, genauso kam es. Das iPhone ist die meistverkaufte Kamera der Welt. Das iPhone ist die „Fernbedienung unseres Lebens“, wie die Süddeutsche heute schreibt. Es gibt 1,5 Millionen Apps im Apple Store. Ja, man kann auch jetzt noch mit dem iPhone telefonieren. Aber es ist heute zugleich Geldbörse, Adressbuch, Kreditkarte, Kamera, Videoplayer, Musikbox, Navi, Nachrichtenzentrale, Steuerungsgerät, Kompass, Taschenlampe, Kalender, Stoppuhr, Wecker, ... Der Versuch, alle Funktionen zu beschreiben, ist zum Scheitern verurteilt.

ARCHIV - Apple-Gründer Steve Jobs präsentiert am 09.01.2007 auf der MacWorld Expo in San Francisco das erste iPhone. (zu dpa «Zehn Jahre iPhone: Das Smartphone, das alles veränderte» vom 08.01.2017) Foto: epa John G. Mabanglo/EPA/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Die Revolution unserer Kommunikation: Apple-Gründer Steve Jobs präsentiert am 9. Januar 2007 auf der MacWorld Expo in San Francisco das erste iPhone.

Foto: John G. Mabanglo/dpa

Das iPhone hat sogar für neue Beschwerden gesorgt. Junge Leute, die ständig aufs Smartphone schauen, haben Rückenprobleme. Vorsicht Buckel! Menschen laufen blind über die Straße oder werden gar vom Zug oder der Straßenbahn überfahren. Städte wie Augsburg installieren Warnsignale auf dem Boden, um die ins iPhone versunkenen Fußgänger vor der Bahn zu warnen.

Und die chinesische Millionenstadt Chongqing hat auf einem Fußweg eine Spur für Handy-Nutzer eingerichtet, damit sie ungestört twittern, Nachrichten schreiben und E-Mails checken können. Andere Fußgänger können auf einem eigenen Gehweg ungestört und zügig voran kommen.  Smartphone-Nutzung während der Autofahrt gilt schon als eine wichtige Unfallursache. Und doch sind wir es, nicht das iPhone, die entscheiden, wie sie mit dem Gerät umgehen.

Also: Sie können das iPhone auch ausschalten. Vielleicht wäre heute ein Spaziergang im Schnee genau das Richtige. Sie könnten ja derweil über die Frage nachdenken: Kann man heute überhaupt noch ohne Smartphone leben?

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Von Axel Mörer-Funk
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