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15.07.2013, 16:12 Uhr | 0 |

Firefox OS fürs Smartphone Feuerfuchs macht Google und Apple Konkurrenz

Mozilla will auf dem Markt des mobilen Internets mitmischen und schickt sein Betriebssystem Firefox OS in das Rennen um die Herrschaft im Netz. In Spanien ist ein Smartphone mit dem Feuerfuchs an Bord bereits für 69 Euro zu haben.

Firefox OS
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Der Feuerfuchs will jetzt auch dem mobilen Internet auf dem Smartphone Feuer geben.

Foto: Mozilla

Es klingt fast wie eine Bedrohung und soll doch eine Befreiung werden: „Firefox OS ahnt Ihre Bedürfnisse voraus, passt sich jeder Situation an und liefert sofort die Informationen, die Sie möchten.“ Mit diesem Slogan wirbt die Mozilla-Stiftung für ihr neues Smartphone-Betriebssystem. Die Mozilla-Stiftung hat sich 18 Mobilfunkanbieter weltweit gesucht, mit denen sie in Gemeinschaftsarbeit mit der riesigen Firefox-Fangemeinde die Marktmacht von Apple und Google über das mobile Internet brechen möchte. Und das mit Wucht und Paukenschlag: Seit Anfang Juli verkauft die spanische Telefónica das erste Smartphone mit Firefox OS – für 69 Euro. Eine klare Kampfansage.

Ab September auch in Deutschland

„Die Zeiten der eingeschworenen Gemeinde von Apple-Fans sind vorbei“, sagt der Mobilfunkexperte Roman Friedrich von Booz & Company. „Wenn jemand heute sieht, dass er das Gleiche auch bei einem anderen Anbieter bekommt, dann ist er nicht mehr bereit, mehr zu zahlen – nur weil Apple drauf steht.“ Auch die Deutsche Telekom macht mit im Poker von Firefox um die Herrschaft über das mobile Internet. Im September wird der rosa Riese das erste Firefox-OS-Smartphone, zusammengeschraubt vom französischen Hersteller Alcatel, unter seiner Marke Congstar im Internet verkaufen. „One Touch Fire“ wird der Angreifer mit dem Feuerfuchs-Betriebssystem heißen.

Die Ausstattung ist recht dürftig, kein Porsche, eher ein Smart unter den Smartphones. So hat das 8,9 Zentimeter große Display eine Auflösung von 480x320 Pixeln und verspricht kein High-End-Surfvergnügen. Zum Vergleich: Das iPhone-Display leistet sich 1136x640 Pixel. Samsungs Galaxy S4 zeigt die Welt sogar mit 1080 x 1920 Pixel in Full-HD. Im „One Touch Fire“ mit den Abmessungen 115x62x12 Millimeter mit einem Gewicht von 108 Gramm rechnet ein Einkern-Prozessor mit einem Gigahertz Taktfrequenz, dem 256 Megabyte Arbeitsspeicher zur Seite stehen. Mit 512 Megabyte ist der Datenspeicher sehr klein, immerhin lässt er sich per MicroSD-Karte aufstocken. Smartphone-Standards wie WLAN-n, Bluetooth, GPS und USB-Buchse sind an Bord. Auch die Kamera bietet mit 3,2 Megapixel nur Einsteigerleistung.

Handy für wenig Geld

Es geht der Telekom denn auch gar nicht darum, den Tanz um das goldene Technik-Kalb zu gewinnen. Vielmehr geht es darum, viele neue Kunden für das Firefox-OS-Handy zu begeistern. Und dafür muss der Preis stimmen. Griechenland und Ungarn sind deshalb auch Länder, in denen die Telekom ihr Firefox-Handy verkaufen will. Polen steht bereits in der kommenden Woche auf der Verkaufsagenda. Es sind somit Staaten, in denen die Kunden im Zuge der Krise wenig Geld für Handy nebst Vertrag ausgeben können und wollen.

Das ist auch der Grund für die Mozilla-Stiftung, ihr Firefox-OS nicht etwa im Alleingang zu vertreiben. Denn in Europa ist es der Kunde gewöhnt, sein neues Smartphone bei einem Mobilfunkanbieter zu kaufen. Diese subventionieren das Gerät und holen sich die Kosten später über die Gebühren des Mobilfunkvertrages wieder rein. „Die Mobilfunkanbieter suchen nach einer Alternative, um sich von den Großen der Branche nicht die Preise diktieren zu lassen“, sagt Experte Friedrich. Denn das gehört – bisher – zur Tradition im Handymarkt. Erst diktierte Nokia die Preise, dann kam Apple und jetzt hat Samsung das Sagen, dank des von Google komponierten Betriebssystems Android.

Mobilfunkanbieter sind für Google und Co. nur die Klempner des Netzes

„Wir unterstützen das Projekt Firefox seit zwei Jahren – auch weil wir dabei die Grundlagen für unsere eigenen Dienste legen können“, sagt Christian Stangier, der bei der Telekom für das Geschäft mit Smartphones und Tablets zuständig ist. „Bei den anderen Betriebssystemen ist unser Einfluss begrenzt.“ Denn bei Google und Apple sind die Mobilfunkanbieter so etwas wie die Klempner des Netzes, die den Kopf für den Kunden hinhalten müssen, wenn das Video auf YouTube ruckelt oder mal wieder die Netzleistung schwächelt.

„Bei Firefox können sich die Mobilfunkanbieter selbst noch einbringen, um die Software beispielsweise etwas sicherer zu machen. Das gibt ihnen auch die Möglichkeit, wieder etwas näher ins Bewusstsein ihrer Kunden zu rücken“, sagt Anette Zimmermann, Analystin bei dem auf IT spezialisierten Beratungsunternehmen Garner. Und Kundennähe kann sich in Zukunft in barer Münze auszahlen. Denn heute ist es so: Die Telekom investiert Milliarden in den Ausbau der Netze. Die Gewinne aus all den schönen mobilen Diensten streichen Apple, Google und Co. ein, die die Software für die Geräte liefern. Denn jede App lässt dort die Kasse klingeln, 30 Prozent des Preises kassieren die Platzhirsche von heute.

Firefox OS ist ein offenes Betriebssystem

Firefox OS ist angetreten, genau das zu verändern. Denn anders als bei Android oder iOS gibt es keine systemspezifischen Apps. Im Grunde genommen können Programme von jedem Internet-Server herunter geladen werden. Firefox-OS ist so etwas wie ein einziger Browser. Alle Internetseiten, alle Anwendungen und Funktionen werden in diesem Browser gestartet. Alle Apps müssen dafür in der Internet-Programmiersprache HTML5 geschrieben sein. So soll das Ziel der Mozilla-Stiftung erreicht werden, ein offenes Betriebssystem zu schaffen, unabhängig von einem bestimmten Hersteller.

Auf der Webseite der Mozilla-Stiftung ist der Grund beschrieben: „Wir möchten etwas bewegen, nicht Gewinn erzielen. Wenn Sie sich für Firefox OS entscheiden, helfen Sie dabei, eine leuchtendere Zukunft für das Internet und Anwender auf der ganzen Welt zu schaffen. Die meisten Smartphones werden von wenigen Menschen entwickelt, an einem Ort, weit weg von Ihnen. Handys mit Firefox OS sind anders. Sie werden von einer riesigen, weltweiten Gemeinschaft entwickelt und sind die einzigen Smartphones, die verstehen und Ihnen geben, was Sie möchten und brauchen. Firefox hat das Surfen für immer verändert, indem es die Anwender an erste Stelle stellt und ihnen eine neue Ebene der Wahlfreiheit und Innovation im Internet eröffnet. Jetzt tun wir das Gleiche wieder mit Firefox OS, und liefern gleichzeitig dasselbe überlegene Surf-Erlebnis für Ihr Smartphone. Damit können Sie Ihr Online-Leben kontrollieren und das Beste aus dem Internet herausholen, egal wo Sie sind.“

Firefox will das offene mobile Internet sozialisieren

Genauso wie der Feuerfuchs die Dominanz von Microsoft im Netz mit seinem Internet-Explorer gebrochen hat, will die Stiftung jetzt das offene mobile Internet sozialisieren. Entscheidend für den Erfolg dürfte die Anzahl der nützlichen Helfer, der Apps, sein, mit denen man dann eben wirklich das Beste aus dem Internet herausholen kann. Und so viel ist wohl sicher: Der Feuerfuchs hat bereits einmal bewiesen, dass seine große Entwickler- und Fangemeinde in der Lage ist, ständig neue Add-Ons für den Internet-Browser zu schreiben. Diese dürften es als sportliche Herausforderung verstehen, Google und Apple in die Schranken zu verweisen. In die Schranken eines eigentlich schrankenlosen weltumspannenden Netzes. Oder um noch einmal den Feuerfuchs persönlich sprechen zu lassen: „Firefox OS ist voll mit den Funktionen, wegen denen Sie überhaupt ein Smartphone verwenden möchten.“

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Von Detlef Stoller
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