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01.10.2013, 14:34 Uhr | 0 |

Freiwillige Regelung gescheitert EU startet neuen Vorstoß für einheitliche Ladegeräte für Handys und Tablets

Das EU-Parlament macht einen neuen Anlauf für einheitliche Ladegeräte bei Handys, Smartphones und Tablets. Ziel der Initiative ist es, Müll zu vermeiden, Produktionskosten zu senken und den Komfort der Benutzer zu erhöhen. Die 2009 von der EU angestoßene freiwillige Selbstverpflichtung der Hersteller, für alle Geräte einheitliche Ladegeräte zu verwenden, führte nicht zum Erfolg und lief 2012 ersatzlos aus.

Ladestation
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Ladestation für verschiedene Handys im CCD Congress Center Düsseldorf: Trotz einer Selbstverpflichtung sind Ladegeräte selbst mit gleichem Stecker so unterschiedlich, dass man in der Regel nur ein Gerät damit aufladen kann. Jetzt hat die EU einen neuen Vorstoß für einheitliche Netzteile gestartet.

Foto: Julian Stratenschulte dpa

Die Ergebnisse des letzten Versuches, einheitliche Ladegeräte für Handys und Tablets auf freiwilliger Basis durchzusetzen, hat die EU-Parlamentarier im Ausschuss für Verbraucherschutz nicht überzeugt. Denn das Ziel, dass man mit einem Netzteil Geräte verschiedener Hersteller aufladen kann, ist weitgehend verfehlt. Mancher bezeichnet zwar schon die Tatsache, dass die meisten Smartphones inzwischen über einen Micro-USB-Anschluss  aufgeladen werden können, als einen Fortschritt. Das gilt aber leider nicht für alle Modelle, und auch die Ladegeräte weisen noch so große technische Unterschiede auf, die sie trotz gleichen Steckers nicht für andere Geräte genutzt werden können.

Einheitlich sind meist nur die Stecker

Der einheitliche Stecker nutzt dann nichts, wenn beispielsweise die Ladeströme oder andere technische Einstellungen nicht gleich sind. Beispielsweise reicht der USB-Standard 2.0 mit seiner maximalen Leistungsabgabe von 2,5 Watt bei vielen Mobilgeräten nicht für eine ausreichend schnelle Aufladung. Und wer will schon stundenlang warten, bis er endlich sein Handy aufgeladen mitnehmen kann? Wer es trotzdem versucht, läuft sogar Gefahr, dass die teuren Akkus seines Handys oder Tablets nie richtig vollgeladen werden und deshalb beschädigt werden.

Deshalb nutzen zahlreiche Hersteller jeweils eigene Techniken, um mehr Strom über das Kabel zu übertragen zu können. So erreichen manche Netzteile für größere Mobilgeräte Leistungen um die 10 Watt und verletzen damit den USB-Standard. Der wurde inzwischen aus genau diesen Gründen schon erweitert, zum Beispiel durch USB Power Delivery (USB PD).

Der Standard USB PD erlaubt sowohl die Stromstärke als auch die Spannung an das zu speisende Gerät anzupassen. USB PD kann sogar Leistungen von bis zu 100 Watt standardkonform liefern  – man muss ihn nur benutzen.

Schlupflöcher der freiwilligen Selbstverpflichtung

Wo die Technik prinzipiell kompatibel wäre, klappt es häufig aus Designgründen nicht. Haben Sie schon einmal versucht, ein Samsung Galaxy-Smartphone über seine Micro-USB-Buchse mit einem Nokia-Netzteil Typ AC-10E aufzuladen? Der Versuch wird scheitern, weil Samsung diese Buchse tiefer versenkt hat, so dass Nokias Micro-USB-Stecker sie nicht erreichen kann. Ähnlich ist es auch bei einigen anderen Kombinationen von Smartphones und Ladegeräten.

Es geht dabei aber nicht nur um Technik und Design, wie man bei Apple deutlich sieht. Auch der kalifornische Hersteller von iPhones und iPads hat die alte Selbstverpflichtung unterzeichnet, baut aber weiter fröhlich spezielle Buchsen in seine Mobilgeräte ein. Deshalb müssen Apple-User oft teure Kabel oder Adapter kaufen. Das ist zulässig, weil Adapter im Memorandum of Understanding zugelassen wurden.

Noch schwerer wiegt, dass diese Vereinbarung der Hersteller ausschließlich für Smartphones gilt. Tablets, von denen inzwischen mehr verkauft werden als Laptops, sind von der Verpflichtung ausgenommen. Auch für einfache Mobiltelefone galt die inzwischen ausgelaufene Selbstverpflichtung erst gar nicht.

Wie die EU diesmal zum Ziel kommen möchte

Im aktuellen Vorstoß der EU-Parlamentarier kommen jetzt keine Adapter mehr vor. Es wird noch nicht einmal erwähnt, ob wieder der Micro-USB-Standard genutzt werden soll. Damit erhalten die Hersteller technisch gesehen im Grunde jeden Freiraum für die Umsetzung.

Allerdings sieht die Industrie ohne Zwang aus der Politik offensichtlich keine Veranlassung, hier endlich befriedigende Verhältnisse zu schaffen, und die Erfahrung zeigt, dass ohne eine gesetzliche Vorschrift wohl keine Verbesserung zu erwarten ist.

Die Hersteller sehen in dem neuen Vorstoß der EU-Parlamentarier zunächst kaum einen Anreiz zur kurzfristigen Änderungen von Netzteilen und Designs oder zur Abschaffung von Kabeln, die nur zu den eigenen Geräten passen. Eile brauchen die Hersteller sowieso nicht zu haben: Mit einer Abstimmung über ein wirksames Gesetz ist in diesem Jahr nicht mehr zu rechnen. Zuvor müssen erst die Vertreter der EU-Kommission und der einzelnen Regierungen über den Vorstoß beraten.

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Von Klaus Ahrens
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