18.02.2014, 16:00 Uhr | 0 |

Binnenmarkt für Handytelefonie EU-Kommission plädiert für Abschaffung der Roaminggebühren

Reisende in der ganzen EU sollen ab 2016 zu Inlandspreisen telefonieren und surfen können. Dieses Ziel hat EU-Kkommissarin Neelie Kroes bei der Vorstellung einer Studie bekräftigt, wonach 94 Prozent der EU-Bürger im Ausland die Onlinefunktionen ihrer Handys wegen hoher Roaminggebühren nicht nutzen. Das sei auch für die Wirtschaft ein untragbarer Zustand. 

Telefonieren und Datenaustausch im Ausland
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Die hohen Roaminggebühren für Datentransfers hält fast die Hälfte der EU-Bürger davon ab, auch im Ausland E-Mail-Dienste oder Soziale Medien wie Facebook zu nutzen. Nur acht Prozent telefonieren genauso wie zu Hause. Mit der derzeitigen Preisgestaltung verbauen sich die Telekommunikationsanbieter einen Markt von geschätzten 300 Millionen Handynutzern. 

Foto: dpa

Sobald sie ein anderes EU-Land betreten, zeigen sich die meisten Handynutzer durch hohe Roaminggebühren verunsichert. 94 Prozent schränken deshalb die Nutzung von Onlinediensten wie Facebook stark ein, 47 Prozent würden sogar niemals E-Mail-Dienste oder soziale Medien in anderen EU-Ländern nutzen. Das beweist eine Umfrage unter 28.000 EU-Bürgern, die die Europäische Kommission in Auftrag gegeben hat.

Kroes: Roaming kostet EU-weit 300 Millionen Kunden

28 Prozent der Reisenden handeln noch radikaler. Sie schalten ihr Handy nach dem Grenzübergang grundsätzlich aus. Nur acht Prozent der Reisenden telefonieren mit ihrem Handy im Ausland genauso wie zu Hause.

Neelie Kroes, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, hat jetzt die Roaming-Gebühren unter Beschuss genommen. „Ich bin wirklich von diesen Zahlen geschockt. Sie zeigen, dass wir endlich ganze Arbeit leisten und Roamingentgelte abschaffen müssen“, sagte Kroes in Brüssel. „Die Verbraucher schränken ihre Handynutzung auf extreme Weise ein, und davon haben auch die Unternehmen nichts.“

Die Kommission schätzt, dass sich auch Telekommunikationsanbieter mit ihrer derzeitigen Preisgestaltung einen Markt von rund 300 Millionen Handynutzern verbauen. Besonders betroffen von den Roamingentgelten seien aber auch die Anbieter von Reiseführer-, Foto- und Landkarten-Apps. Kroes: „Roaming hat keinen Sinn in einem Binnenmarkt und ist auch wirtschaftlich kurzsichtig.“

EU-Kommission plädiert für Ausweitung der Inlandstarife

Die Kommission möchte die EU-Gesetzgeber mit einem Legislativvorschlag davon überzeugen, einen echten Binnenmarkt für Telefonanrufe und Internetnutzung zu schaffen. Ziel soll es sein, Mobilfunkbetreiber mit einer Kombination aus Regulierungsvorgaben und Marktanreizen dazu zu bringen, die Inlandstarife auf die ganze EU auszudehnen.

Ab 2016 sollten Reisende dann bestenfalls ihre Handys und Smartphones zu Inlandspreisen nutzen können. Ab Juli 2014 haben sie übrigens schon das Recht, auf Auslandsreisen billigere Roamingdienste lokaler Betreiber zu nutzen – ohne ihre SIM-Karte wechseln zu müssen.

Reisender tappt mit 46.000 Euro in die Kostenfalle

Die Chancen auf EU-weites Telefonieren zum Inlandstarif sind realistisch. 2008 hatte die EU eine Preisobergrenze für Roaminggebühren eingeführt und damit indirekt die Endkundenpreise um 80 Prozent gesenkt. Dadurch kam es zu einem EU-weiten Zuwachs beim Datenroaming von 1500 Prozent.

Zudem hat die EU eine Kostenbegrenzungsfunktion für mobiles Surfen zur Pflicht gemacht. Sobald der Kunde ein Standardlimit erreicht, muss der Mobilfunkbetreiber automatisch das Datenroaming beenden, um Schockrechnungen zu verhindern. Der Kunde selbst kann auch ein höheres Limit festlegen. Vor dieser Regelung hatte ein Reisender für Aufsehen gesorgt, der im Ausland eine TV-Sendung heruntergeladen hatte. Er bekam dafür eine Rechnung über 46.000 Euro. 

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Von Patrick Schroeder
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