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24.06.2016, 10:38 Uhr | 0 |

Terroristen im Visier Die Regierung will bei WhatsApp & Co. mitlesen

Unbelauscht per WhatsApp kommunizieren? Das ist ab dem nächsten Jahr vorbei. 60 Spezialisten werden im Auftrag der Bundesregierung verschlüsselte Kommunikation knacken. Doch nicht Liebesschwüre stehen im Mittelpunkt der Ermittler. Terroristen sollen sich nicht länger verschlüsselt unterhalten können.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg
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Facebook-Chef Mark Zuckerberg: Auch der Chef des größten sozialen Netzwerkes der Welt, der bei der Tochter WhatsApp gerade erst die Verschlüsselung eingeführt hat, muss sich überlegen, wie er auf die Entschlüsselungsversuche der Geheimdienste reagiert.

Foto: Facebook

Schon Dreiviertel der Kommunikation von Terrorverdächtigen läuft über verschlüsselte Programme, hat Europol-Chef Rob Wainwright der Süddeutschen Zeitung erklärt. Diese hat gemeinsam mit WDR und NDR herausgefunden, dass die Bundesregierung eine Truppe aufbauen will, die trotz Verschlüsselung bei der Kommunikationen von Kriminellen mitlesen kann.

Das war schon das Ziel des Bundestrojaners, den das BKA nutzt, um die Kommunikation von Terroristen und Kriminellen im Internet mitzulesen. Doch die weichen eben zunehmend auf Messengerdienste aus.

Zunehmende Verschlüsselung von Messengerdiensten

Der Anlass für den Aufbau der Einheit ist die zunehmende Verschlüsselungen der Kommunikation im Internet. Entsprechende Codierungen halten ja inzwischen nicht nur Spezialentwickler wie Signal vor, sondern auch Massenanbieter von Messengerdiensten wie WhatsApp. Das zu Facebook gehörende Unternehmen hat erst vor ein paar Monaten seinen mehr als einer Milliarde Kunden mitgeteilt, dass sie ab sofort verschlüsselt kommunizieren können. 

WhatsApp nutzt dafür die so genannte end-to-end-encryption, bei der die Nachricht schon beim Absender verschlüsselt wird und erst vom ausgewählten Empfänger mit einem für jede Botschaft neu generierten Code entschlüsselt wird. Verbraucherschützer freuen sich über so viel Sicherheit – Ermittler beißen auf Granit. Und weil Handyhersteller und Netzprovider sich immer öfter weigern, den Behörden beim Knacken zu helfen, müssen die nun selbst aktiv werden.

Staatliche Hackertruppe rechtlich auf schmalem Grat

Die Idee zur Einrichtung eines eigenen „Schlüsseldienstes“ beim Bund wurde schon im vergangenen Jahr bekannt. Jetzt aber sind die Pläne konkret: 60 Mitarbeiter soll die staatliche Hackertruppe zunächst haben, auf rund 400 soll sie in den Folgejahren wachsen. Das berichten NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung.

Offiziell bestätigt ist das bislang nicht, aber das ist bei solchen Themen üblich – man will sich ja nicht allzu tief in die Karten schauen lassen.

Außerdem hat die Sache einen politisch und rechtlich brisanten Aspekt, denn die Frage ist, wer alles Zugriff auf die entschlüsselten Daten bekommt. In Deutschland gilt schließlich die strikte Trennung von Polizei und Geheimdiensten. Deshalb wird die neue Stelle wahrscheinlich vor allem an technischen Methoden arbeiten und diese dann an die verschiedenen Ermittlungsbehörden weitergeben, damit die dann jeweils ihre eigenen Erkenntnisse gewinnen können.

Kriminelle und Terroristen tauchen gänzlich ab

Mit dieser Maßnahme will die Politik ein Phänomen bekämpfen, das „going dark“ genannt wird: Kriminelle und Terroristen tauchen gänzlich ab, ihre Kommunikation ist abgeschottet, Anschlagspläne und ähnliches werden kaum noch erkannt. Laut Süddeutscher Zeitung stößt auch das Bundeskriminalamt immer öfter auf verschlüsselte Kommunikation.

Offenbar will die Bundesregierung lieber selbst die Türen öffnen als die Anbieter per Gesetz dazu zu zwingen. Bei Methoden wie der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung hätte das auch wenig Sinn, weil hier nicht einmal der Provider die Nachrichten mitlesen kann – das ist ja das Schöne. Für Verbraucher und Verbrecher.

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Von Werner Grosch
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