19.11.2014, 11:54 Uhr | 0 |

Bilder unterwegs ausdrucken Das Smartphone lernt das Polaroid-Prinzip

Es kommt, das Missing-Link zwischen der totalen Freiheit dank Smartphone mit Fotokamera und dem Riesenproblem, all die geschossenen Fotos nicht sofort und auf der Stelle ausdrucken zu können, sie in den Händen zu halten, all die bunten Banalitäten. Das französisches Start-up Prynt macht das Smartphone zu einer Polaroid-Kamera.

Das Pryntcase macht Smartphones zur Polaroid-Kamera
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Das Pryntcase macht Smartphones zur Polaroid-Kamera: Es soll für rund 80 Euro auf den Markt kommen und Platz für 30 Blatt Fotopapier haben.

Foto: Prynt SAS

Die Idee ist genial: ein irgendwo auf der Welt mit dem Smartphone geschossenes Foto sofort und an Ort und Stelle ausdrucken. Genau das verspricht das kleine französische Start-up Prynt. Es holt das gute alte Polaroid-Prinzip aus der Mottenkiste und transportiert es ins digitale Zeitalter. Polaroid, eigentlich ein Firmenname, stand für das Prinzip, an Ort und Stelle über ein in die Kamera integriertes Entwicklungslabor Abzüge von Fotos zu machen. 

Vor allem für Profifotografen bot Polaroid die komfortable Möglichkeit, das Licht in einer aufwändig beleuchteten Studioszene sofort zu überprüfen. Stimmte das Ergebnis auf dem Polaroidbild, konnte die Fotosession beginnen. Das sparte enorme Kosten in den analogen Zeiten, als die belichteten Filme erst mal im Labor entwickelt und Abzüge davon hergestellt werden mussten. 

Digitale Kameras machten Polaroid zum Auslaufmodell

Mit dem Einzug der digitalen Kameras war der Niedergang von Polaroid programmiert. Jeder Profifotograf kann sofort auf dem Display seiner Digitalkamera das Ergebnis betrachten und das Set nachjustieren. Schmerzlich vermisst wird das Polaroid-Prinzip erst, seitdem beinahe jeder mit einem Smartphone herumläuft und wie wild damit fotografiert. Laut einer Studie der US-amerikanischen Meinungsforscher von Redshift Research mit Sitz in New York aus dem vergangenen Sommer gaben zum Beispiel 56 Prozent der Franzosen an, jeden Tag bis zu 25 Fotos mit ihrem Handy zu schießen. Bei den Deutschen outeten sich 46 Prozent als mobile Vielknipser.

Prynt macht Smartphone zur Polaroidkamera

Natürlich kann sich jeder auf dem großen Display seines Smartphones sofort das fertige Bild anschauen, kann es anderen zeigen. Er kann es in die Cloud senden, kann es zu Hause an den Computer übertragen und dann ausdrucken. Aber erst dann. Und an dieser Stelle der ungeduldigen Spaßgesellschaft kommt das Start-up Prynt ins Spiel: Das Pryntcase ist so etwas wie ein zu groß geratenes Smartphone-Case. Es enthält einen vollwertigen Thermodrucker, der durch Erhitzen der farbigen Tinte das Bild ausdruckt. Seit Januar werkeln die Kreativen von Prynt an ihrer Idee, das Smartphone in eine druckfähige Polaroidkamera zu verwandeln.

Derzeit ist das Ausdrucken des Sofortbildes noch nicht optimal. Es dauert 50 Sekunden, bis es den Schlitz am Prototypen des Pryntcases verlässt. Der Prototyp kann auch nur ein Blatt Fotopapier aufnehmen. Die finale Version soll bis zu 30 Blatt Fotopaper im Case vorrätig haben und ein Bild in weniger als einer halben Minute ausspucken.

Jedes Foto wird an ein Video der Umgebung gekoppelt

Ein besonderes Extra bietet das Pryntcase auch noch: Jedes geschossene Foto kann über die App von Prynt mit einer Videoaufnahme gekoppelt werden. Hält man das ausgedruckte Foto – zum Beispiel ein Selfie – später bei geöffneter Prynt-App vor die Smartphonekamera, so spielt das Mobilfunkgerät auf Wunsch das passende Video ab. Und zwar genau über dem Foto, das Selfie erwacht so förmlich zum Leben. Anfang nächsten Jahres will Prynt über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter die Finanzierung ihrer Idee sichern. Das Polaroid-Case für das Smartphone soll rund 80 Euro kosten. Noch unabhängiger wird der Hobbyfotograf mit einem Akku, der sich durch Bewegungen aufladen lässt. Diesen Ansatz verfolgen derzeit Erfinder aus Chicago. 

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Von Detlef Stoller
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