20.06.2014, 11:30 Uhr | 0 |

Amazon-Shop in der Hosentasche Amazon-Chef Jeff Bezos stellt Smartphone „Fire Phone“ vor

Amazon-Chef Jeff Bezos hat das erste Smartphone des größten Online-Händlers der Welt vorgestellt. Das neue „Fire Phone“ fällt vor allem durch seine spezielle 3D-Darstellung und die Erkennungssoftware „Firefly“ auf. Alle Produkte, die darüber erkannt werden, können umgehend mit nur einem Knopfdruck bestellt werden. Und identifizieren kann das Fire Phone nach Herstellerangaben bereits mehr als 100 Millionen Objekte.

Amazon-Chef Jeff Bezos
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Amazon-Chef Jeff Bezos entspannt im Bayerischen Hof in München: Zurzeit hat er anderes zu tun – Bezos hat gerade in den USA das erste Smartphone des Online-Riesen vorgestellt. Es ist von seinen Funktionen her als eine Art Amazon-Filiale im Hosentaschen-Format konzipiert.

Foto: dpa/Victoria Bonn-Meuser

Das Fire Phone ist vor allem dazu gedacht, bei Amazon einzukaufen und die Amazon-Dienste zu nutzen. „Amazon hat keine Läden, also steckt es einen Laden in ihre Tasche“ , brachte ein Blogger von TechCrunch die Strategie des Online-Händlers auf den Punkt. Dabei funktioniert „Firefly“ ähnlich wie das Erkennungsprogramm des Musikdienstes Shazam. Während der aber nur Musikstücke zuordnen kann, macht Firefly das mit allen optischen und akustischen Eindrücken aus der Umgebung.

Wenn man zum Beispiel das Handy einige Sekunden vor einen Fernseher hält, auf dem gerade eine TV-Serie läuft, liefert Firefly nicht nur den Titel der Serie, sondern auch den der laufenden Folge.

Natürlich funktioniert das auch mit Musik. Neben Titel und Interpret eines Songs findet Firefly auch weiterführende Informationen, zum Beispiel über die Band, die auf Wunsch eingeblendet werden können. Wenn es der Besitzer möchte, läuft auch gleich noch der Songtext über den Bildschirm.

epa04265329 A handout image of the new Amazon Fire Phone made available on 18 June 2014. The new phone, which is built by Amazon, was introduced on 18 June 2014 by the company. EPA/AMAZON.COM / HANDOUT EDITORIAL USE ONLY, NO SALES +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Das Fire Phone von Amazon zeichnet sich vor allem durch die Erkennungssoftware Firefly und seine spezielle 3D-Darstellung aus.

Foto: dpa/Amazo

Selbst ganz alltägliche Gegenstände lassen sich per Firefly erkennen, egal ob es um Pampers, Cornflakes oder ein Glas Nutella geht. Mit der Firefly-Software soll die Smartphone-Kamera Bücher, Spiele, DVDs, CDs, URLs, Telefonnummern, QR-Codes und Barcodes erkennen. Das Fire Phone soll schon mehr als 100 Millionen Objekte identifizieren können.

All diese intelligenten Erkennungsalgorithmen haben im Grunde nur einen einzigen Zweck: Für die meisten Waren, Musikstücke oder TV-Serien, die Firefly erkennt, wird auf dem Bildschirm ein Bestellknopf eingeblendet. Ein Touch, und die Ware ist bestellt – und zwar ohne lästige Konkurrenz in der Amazon-Filiale, die man in der Hosentasche mit sich trägt.

Bisheriges Erfolgskonzept aufgegeben

Bisher verfolgte Amazon ein anderes Erfolgskonzept, das am Preis festmachte: Die Kindle-Reader und Fire-Tablets sind mit 49 beziehungsweise 99 Euro dermaßen preisgünstig, dass sie schon fast einen Kaufreflex auslösen. Und wer erst mal so einen Technik- und Kaufberater von Amazon in der Tasche hat, richtet sich erfahrungsgemäß auch schnell im Amazon-Universum ein.

Das klappt aber mit einem Einstiegspreis für das Fire Phone von 650 Dollar nicht mehr. Dafür bekommt der Käufer ein Highend-Gerät auf dem aktuellen Stand der Technik bekommt, das sich mit Vierkern-Prozessor, empfindlicher 13 Megapixel-Kamera und optischem Bildstabilisator nicht hinter den Oberklasse-Smartphones von Samsung oder Apple verstecken muss.

Dynamische Perspektive eingebaut

Und eben mit der „Dynamischen Perspektive“ etwas Besonderes zu bieten hat. Diese 3D-Darstellung misst mit vier! Kameras auf der Bildschirmseite, in welchem Winkel und aus welcher Entfernung der Anwender auf das Gerät schaut. So liefert sie die Daten, die man braucht, um Objekte auf dem Bildschirm so darzustellen, dass es den Eindruck erweckt, sie dreidimensional aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. 

ARCHIV - Das Logo des Internethändlers Amazon ist auf einem i-Phone zu sehen, aufgenommen am 23.08.2012 in Berlin. Foto: Sebastian Kahnert (zudpa: "Amazon startet Gratis-Musikdienst für Prime-Kunden in den USA" vom 12.06.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Das Logo des Internethändlers Amazon ist auf einem i-Phone zu sehen, aufgenommen im August 2012. Jetzt bringt Amazon selbst ein Smartphone auf den Markt. 

Foto: dpa

Dreht man das Handy, bewegt sich der Benutzer um das dargestellte Objekt herum. Das klappt nicht nur mit Gebäuden in einer 3D-Karte – auch Kleidungsstücke können so präsentiert und dann bei Gefallen mit einem Touch bei Amazon – und nur bei Amazon – gekauft werden.

Diese spezielle 3D-Darstellung erinnert an den Parallaxeneffekt in Apples iOS 7, allerdings wird die räumliche Wirkung als intensiver beschrieben.

Der Markt wird entscheiden

Ob das neue Konzept unter dem proprietären Betriebssystem Fire OS 3.5 ausreicht, die Zielgruppe zu verleiten, viel Geld für eine Amazon-Filiale ohne Vergleichsangebote in der Hosentasche auf die Theke zu blättern, wird wohl erst die Zukunft zeigen, die zunächst in den USA beginnt.

Dort können Interessenten das Fire Phone schon vorbestellen, ab dem 25. Juli soll es dann ausgeliefert werden. Verschiedene farbige Cover sind als Zubehör erhältlich. Ob und wann man das erste Amazon-Smartphone auch in Deutschland kaufen kann, ist noch nicht bekannt.

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Von Klaus Ahrens
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