04.08.2014, 14:24 Uhr | 0 |

Lizenz ist erteilt Deutschland darf im Indischen Ozean nach Rohstoffen suchen

Deutschland darf im Indischen Ozean vor Madagaskar nach Kupfervorkommen suchen. Die internationale Meeresbodenbehörde in Jamaika hat der Bundesanstalt für Geowissenschaften eine entsprechende Genehmigung erteilt. In 3000 Metern Tiefe vermuten die Forscher riesige Kupfervorkommen, die man dringend für den Bau der Windkraftanlagen benötigt. 

Das Forschungsschiff Kilo Moana
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Das Forschungsschiff Kilo Moana: Zunächst wollen die Wissenschaftler herausfinden, wie viel Rohstoffe auf dem Meersboden lagern. Biologen machen sich Gedanken, durch welche Fördermethoden die Tierwelt möglichst wenig Schaden nimmt.  

Foto: University of Hawaii

Jetzt hat Deutschland bereits zwei Lizenzen für die Suche nach Rohstoffen auf dem Grunde des Meeres. Nach einem 75.000 Quadratkilometer großen Gebiet im Pazifischen Ozean darf die Hannoveraner Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) jetzt auch in einer 10.000 Quadratkilometer großen Region südöstlich von Madagaskar auf Schatzsuche gehen. Die Lizenz gilt 15 Jahre lang und kostet rund 370.000 Euro. Sie wurde erteilt von  der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA) mit Sitz in Jamaika. 

Felder haben Kupfergehalt von 24 Prozent

Auf dem Meeresboden des Indischen Ozeans liegen Manganknollen in unvorstellbaren Mengen. Allein im Zentralpazifik hat die BGR ein Vorkommen von rund 30 Millionen Tonnen Manganknollen entdeckt. Darin sind rund eine Million Tonnen Wertmetalle wie Nickel, Kupfer und Kobalt enthalten. Jede Knolle hat eine Größe von drei bis vier Zentimetern.

Die Knollen vor Madagaskar liegen in einer Tiefe von etwa 3000 Metern. Sie enthalten neben Kupfer auch Nickel, Kobalt und sogar Edelmetalle wie Gold und Platin. „Dort unten haben einige Felder einen Kupfergehalt von 24 Prozent, das sind damit die höchsten Metallanreicherungen, die bisher vom Meeresboden bekannt sind“, zitiert der Spiegel den verantwortlichen BGR-Experten Ulrich Schwarz-Schampera. Kupfer gehört zu den weltweit am stärksten nachgefragten Metallen – unter anderem, weil große Mengen davon in Windenergieanlagen für Kabel verbraucht werden.

Zunächst geht es allerdings gar nicht darum, die Schätze zu fördern. In Expeditionen – die letzte fand im vergangenen Jahr statt – erkunden die Wissenschaftler erst einmal die Mengen an Rohstoffen. Davon hängt es ab, ob es sich lohnt, viel Geld in die Fördertechnik zu stecken, die erst noch entwickelt werden muss.

Die Technik muss unter anderem umweltverträglich sein. Deshalb waren bei der letzten Expedition mit dem von der BGR gecharterten amerikanischen Forschungsschiff Kilo Moana auch Biologen des Deutschen Zentrums für Biodiversitätsforschung am Senckenberg-Instituts dabei. Ihnen ging es darum, sich einen Überblick darüber zu verschaffen, welche Meeresbewohner bei einem Abbau gefährdet würden. Denn der weiche Untergrund würde durch ungeeignete Abbautechniken aufgewirbelt und das Tiefenwasser lange Zeit unbewohnbar.

Schlitten mit Sensoren erkundet Meeresboden

Zur Erkundung dient, wie im Pazifik, ein Schlitten, den das Forschungsschiff hinter sich her zieht. Er ist mit Sensoren ausgestattet, die so genannte Schwarze Raucher erkunden. Dabei handelt es sich um heiße Quellen, die Materialien aus dem flüssigen Inneren der Erde herausbefördern. Diese können sich zu Manganknollen formieren.

Bereits vor mehr als 30 Jahren hat Deutschland angefangen, den Meeresgrund nach Schätzen abzusuchen. Der damalige Hannoveraner Rohstoffkonzern Preussag förderte 1978 erstmals in einem Pilotprojekt für kurze Zeit Rohstoffe aus der Tiefe. Die Arbeiten wurden eingestellt, weil es damals keinen Rohstoffmangel gab. Das hat sich mittlerweile geändert.

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Von Wolfgang Kempkens
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