10.06.2014, 10:55 Uhr | 0 |

Gefahr für Minenarbeiter Bergbauunternehmen stürzen sich auf arsenverseuchte Kupferquellen

Der Weltmarkt schreit nach Kupfer, doch das Vorkommen des Erzes in guter Qualität wird knapp. Deswegen beginnen immer mehr Bergbauunternehmen mit dem Abbau arsenbelasteten Kupfers – eine erhebliche Gesundheitsgefahr für Bergmänner, die jeden Tag mit Arsenstaub in Berührung kommen.

Chilenische Bergarbeiter im Streik
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In Chile protestieren über 2000 Arbeiter für bessere Arbeitsbedingungen in der Escondida-Mine, der größten Kupfermine der Welt. Ihre Kollegen beim Bergbauunternehmen Codelco werden in Zukunft in arsenbelasteten Minen sogar um ihre Gesundheit fürchten müssen.

Foto: dpa

Alle Welt braucht Kupfer. Elektrische Anlagen aller Art zeichnen sich durch einen hohen Kupferanteil aus. Und für Wasserleitungen in Wohngebäuden gilt in weiten Teilen der Welt das Gleiche. Zwar wird Kupfer insgesamt noch nicht knapp. Wohl aber wird hochwertiges Kupfer knapp. Die Bergbauunternehmen müssen daher immer häufiger auch minderwertiges Kupfer abbauen. In Südamerika, der kupferreichsten Region der Welt, gilt das inzwischen auch schon für Kupfer mit einem hohen Arsengehalt. Bergbaugesellschaften und Kupferkäufer sind damit gleichermaßen unzufrieden.

Chile und Peru müssen sich mit schmutzigem Kupfer auseinandersetzen

Chile ist der wichtigste Kupferproduzent in Südamerika – vor Peru. Das wichtigste chilenische Bergbauunternehmen ist die riesige staatliche Codelco. In Peru dominiert die staatliche chinesische Chinalco. Sie alle müssen sich mit dem sogenannten schmutzigen Kupfer auseinandersetzen. Gemeint ist damit Kupfererz, das durch seinen Arsengehalt qualitativ stark leidet.

Arsen in den Kupfervorkommen ist durchaus nichts Neues. Eine Mumie, die in der chilenischen Atacama-Wüste gefunden wurde, hat bei der Obduktion ergeben, dass dieser Mensch vor nahezu 1500 Jahren an einer Arsenvergiftung gestorben ist. Heute aber beschäftigt sich der Codelco-Bergbaukonzern mit Plänen, in dieser nordchilenischen Region eine große neue Kupfermine anzulegen. In der Vergangenheit waren solche arsenhaltigen Kupfervorkommen einfach übergangen worden. Das aber können sich die Bergbauunternehmen heute nicht mehr leisten. Ihre alten, weitgehend arsenfreien Vorkommen nähern sich dem Ende der Auswertbarkeit.

Arsenhaltiges Kupfererz ist aber für die Kupferhütten ein erhebliches Risiko. Zum einen sind die Arbeiter in den Hütten gefährdet, weil sie mit dem Arsen in Berührung kommen und vor allem Arsenstaub einatmen. Zum anderen aber wollen die Käufer des Kupfers kein Material haben, das sich durch einen nennenswerten Arsengehalt auszeichnet.

Bei der Arsenreduktion sinkt auch der Kupfergehalt

In der chinesischen Mine Toromocho in Peru beläuft sich der Arsengehalt des Kupfererzes auf immerhin ein Prozent. Die meisten Hütten akzeptieren aber keinerlei Erz mit mehr als 0,5 Prozent Arsengehalt. In China ist sogar die Einfuhr von Kupfererzkonzentrat mit mehr als 0,5 Prozent Arsengehalt strikt verboten. Also müssen die Minengesellschaften nach immer neuen Wegen suchen, um den Arsengehalt zu reduzieren. Das geschieht meistens in der Produktionsstufe, in der das abgebaute Erz zu Erzkonzentrat aufgearbeitet wird.

Es gibt vielfältige Methoden bis hin zum Ausglühen des Erzes. In Toromocho ist es der chinesischen Sinalco auf diese Weise tatsächlich gelungen, den Arsengehalt des Kupferkonzentrats von ursprünglich einem auf nur noch 0,7 Prozent zu reduzieren. Die Kehrseite der Medaille ist aber, dass durch diese Behandlung des Erzes der Kupfergehalt des Konzentrats von 26 auf 22 Prozent senkt. Zu den höheren Kosten kommen also noch sinkende Erlöse hinzu. Außerdem sind die erreichten 0,7 Prozent immer noch viel zu viel, um das Kupferkonzentrat nach China verschiffen zu können.

Eine Lösung ist die Mischung verschiedener Kupferkonzentrate

Die bislang einzige erfolgversprechende Lösung zur nachhaltigen Reduzierung des Arsengehalts im Kupfer ist die Mischung ganz verschiedener Erzkonzentrat-Provenienzen. Dabei verkaufen die Minengesellschaften das schmutzige, sprich arsenreiche Kupferkonzentrat an große Metallhandelshäuser wie zum Beispiel Glencore oder Trafigura, die dieses Konzentrat dann mit anderen Sorten mischen. Das aber zwingt die verkaufenden Minengesellschaften zu starken Preiszugeständnissen, während die Handelshäuser für das besonders arsenarme Kupfererz höhere Preise erlösen können. Kupfer wird also mit Sicherheit teurer.

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Von Peter Odrich
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