15.05.2013, 13:15 Uhr | 0 |

Machine-to-Machine-Kommunikation Engmaschige Vernetzung könnte Städte entlasten

Immer mehr Menschen zieht es vom Land in die Stadt. In der urbanen Umgebung könnte die zunehmende Vernetzung zur Lösung von Problemen beitragen, erklärten Experten auf einer Fachtagung des Münchner Kreises zum Thema "M2M und Internet der Dinge" Anfang Mai. Dafür müsse das "Silo-Denken" überwunden und die Einführung offener Systeme forciert werden.

Siemens-Planungsbüro
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Vom Computer in der Fertigung: Der Weg von der virtuellen Planung zur realen Herstellung wird dank neuer Technologien deutlich kürzer. Dazu gehört auch die M2M-Kommunikation.

Foto: Siemens

"Es gibt unzählige Anwendungsfelder für urbane Machine-to-Machine-Kommunikation", ist Sebastian Wahle überzeugt. Der Leiter für M2M Solutions am Fraunhofer-Institut Fokus Berlin sieht Einsatzmöglichkeiten von der Fahrzeug- und Flottensteuerung über Parkplatz- und Parkscheinautomatenkontrolle bis hin zur Echtzeitüberwachung von Gebäuden und Anlagen. "Alles um uns herum ist zunehmend vernetzt und in der Lage zu kommunizieren", fasst es Wahle zusammen.

Chips und Sensoren für die Erfassung von Informationen werden kleiner, günstiger und effizienter. Hinzu kommen leistungsfähige Telekommunikationsnetze, die Daten in Echtzeit übermitteln können. Software ist vermehrt in der Lage, große Datenmengen zu analysieren und Rückschlüsse zu ziehen. Selbst kleine und günstige Gegenstände können durch sogenannte Proxies auch ohne eigene Elektronik Teil der Vernetzung werden. Smartphones, deren Verbreitung ebenfalls stetig zunimmt, können diese Rolle übernehmen. Allerdings, so bemängelten Fachleute auf einer Tagung des Münchner Kreises, herrsche immer noch ein "Silo-Denken" vor, wenn es um die bislang eingesetzten Systeme gehe.

Beispielsweise seien gesammelte Daten vielfach nur für speziell dafür vorgesehene Anwendungen und Nutzergruppen verfügbar. Wie diese Silos überwunden werden könnten, darüber diskutierten Experten unter der Fragestellung "M2M und das Internet der Dinge – vom Hype zur praktischen Nutzung".

Es fehlen übergreifende Standards

"Das Silo-Denken wird meist aus Kostengründen verfolgt, es hemmt jedoch das Innovationspotenzial", sagte Fraunhofer-Forscher Sebastian Wahle. Vor allem fehle es an übergreifenden Standards und herstellerunabhängigen Lösungen. Das Fokus-Institut stellt deshalb offene Test- und Entwicklungsumgebungen im Bereich von Machine-to-Machine (M2M) und der Kommunikation in Smart Cities bereit.

Der Schwerpunkt liegt dabei auf Prototypen wie der OpenMTC-Plattform (Machine Type Communication), die auf neuen Standards des europäischen Normierungsgremiums Etsi basieren. Die Plattform soll als Middleware fungieren und M2M-Kommunikation im größeren Rahmen ermöglichen. Als Beispiel nannte Wahle eine Registrierung von WLAN-Geräten mittels verteilter M2M-Gateways – unabhängig davon, ob das jeweilige Gerät mit einem speziellen Netzwerk verbunden ist. So können etwa Rückschlüsse für die Nutzung in einer bestimmten Region gezogen werden, auch eine Ortung ist denkbar.

Allerdings dürfe dabei die Privatsphäre der Menschen nicht aus den Augen gelassen werden. Unternehmen, Gerätehersteller, Universitäten und Forschungseinrichtungen können sich OpenMTC zunutze machen, um eigene Innovationen daraufhin zu erproben, erklärte Wahle.

Auch Rainer Speh, VP Technology und Innovation im Bereich Infrastructure & Cities der Siemens AG, warb für neue Denkansätze im Bereich M2M und Internet der Dinge. Denn die Stadt von morgen verlange, etwa durch den rasanten Anstieg der Einwohnerzahlen, nach neuen Lösungen.

Bessere Ausnutzung der Verkehrsinfrastruktur

Beispiel Verkehr: Hier könnten sogenannte Trusted Social Networks dazu beitragen, überlastete Infrastrukturen besser auszunutzen. "Der Schlüssel liegt in der aktiven Einbindung der Bürger", so Speh. Nutzer könnten beispielsweise ihre geplanten Routen sowie Startdaten einspeisen, innerhalb des vertrauenswürdigen Netzwerks würden dann die sinnvollsten Strecken zum gewünschten Zeitpunkt vorgeschlagen. "Solche Systeme können einen Ausbau der Infrastruktur nicht ersetzen, aber zu einer homogeneren Nutzung der Verkehrswege bei einem höheren Durchsatz führen."

Voraussetzung dafür sei jedoch, dass die Menschen mitmachen und rasch einen Mehrwert für sich sehen, so Speh. Gerade für Smart Cities brauche es einen Ansatz für das Gesamtsystem, nur so könne sich ein Markt entwickeln, erklärte der Siemens-Manager, der damit auch die Segmente E-Health, Energie oder Abfallwirtschaft im Blick hat.

Christoph Grote, Geschäftsführer der BMW Forschung und Technik GmbH, sieht ebenfalls Chancen für mehr Effizienz durch sogenanntes Crowd-Sourcing von Daten. Die Chancen erhöhten sich, "je mehr Datenquellen aus unterschiedlichen Industrien an eine übergreifende Plattform angebunden und dort verarbeitet werden", so Grote. Allerdings bestehe eine besondere Herausforderung darin, die bereitgestellten Daten zu harmonisieren und einheitliche Qualitätsmaßstäbe festzulegen.

Diese Herausforderung sieht auch Speh: "Wir sollten nicht einfach auf die Analyse von Big Data vertrauen, sondern bereits im Vorfeld überlegen, wo die Erzeugung von Daten wirklich Sinn macht."

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Von Simone Fasse | Präsentiert von VDI Logo
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