08.10.2014, 16:09 Uhr | 0 |

Wettbewerb in Kopenhagen Begehbares Stundenglas vereint Stadtarchitektur und Photovoltaik

Ein gigantisches Stundenglas sammelt Sonnenenergie und ist gleichzeitig Aufenthaltsort für die Bürger Kopenhagens ­– mit diesem Konzept überzeugt ein argentinischer Architekt die Jury des Wettbewerbs Land Art Generator. Sie prämiert Ideen, die Stadtarchitektur und Photovoltaik geschickt miteinander verbinden. 

Die Form des Solar Hourglasses erinnert an eine gigantische Sanduhr
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Die Form des Solar Hourglasses erinnert an eine gigantische Sanduhr. Am 2000 Quadratmeter großen Deckensegel sind Spiegel angebracht, die Sonnenstrahlen zu einem Energiestrahl bündeln.  

Foto: Land Art Generator

Das Solar Hourglass von Santiago Muros Cortés verbindet Kunst im öffentlichen Raum mit ökologischer Energieproduktion. Denn darum geht es den dänischen Initiatoren des Wettbewerbs Land Art Generator, den der argentinische Architekt in diesem Jahr gewonnen hat.

Zwei strahlend weiße, sanft gewölbte Flächen erzeugen eine Form, die an ein Stundenglas (Sanduhr) erinnert. An der himmelwärts gewandten Seite der oberen Fläche sind auf knapp 2000 Quadratmetern Spiegel montiert, die Licht unabhängig von der Position der Sonne stets auf einen festen Punkt konzentrieren, wo es gebündelt wird. Die dort entstehende Wärme trifft auf eine Substanz aus verflüssigtem Nitrat, die sich auf mehr als 600 Grad erhitzt. Über einen Wärmetauscher entsteht schließlich Strom, der 860 Haushalte versorgen kann. Der Clou: Das Solar Hourglass ist gleichzeitig Aufenthaltsfläche für die Bürger Kopenhagens, die von der ganzen Technik kaum etwas mitbekommen aber den Energiestrahl bestaunen können. 

Kraftwerke werden öffentliche Kunst 

Weil Erneuerbare Energien immer größeren Anteil an der Stromproduktion gewinnen, müssen sie auch akzeptiert sein, im besten Fall integriert in die alltägliche Wahrnehmung, sind die Initiatoren des Wettbewerbs überzeugt. Riesige Windräder oder gewaltige Flächen von Sonnenkollektoren, die Wälder und Wiesen zerschneiden, können dafür in der Stadt nicht die Lösung sein. „Das Kraftwerk als öffentliches Kunstwerk zu präsentieren, kann gleichzeitig ein Beitrag für den Umweltschutz, ein Gewinn an Lebensqualität, ein Lernort und eine Stimulation für die lokale Wirtschaft sein“, sagen Robert Ferry und Elizabeth Monoian, die den Wettbewerb im Jahr 2010 gestartet haben.

Der Architekt und die Designerin wählten nach Dubai zum Auftakt und New York 2012 für dieses Jahr Kopenhagen als Austragungsort, weil die Stadt sich zum Ziel gesetzt hat, bis zum Jahr 2025 vollkommen CO2-neutral zu werden. Mehrere Hundert Künstler, Ingenieure und Architekten aus mehr als 40 Ländern beteiligten sich diesmal an dem Wettbewerb.

Schwimmende Photovoltaik-Ente ist Skulptur und Kraftwerk

Auf Platz zwei kam in diesem Jahr die Idee zweier polnischer Teilnehmer, die einen zylindrischen Turm in einen Garten voller Energiepflanzen platzierten. Hier soll sich Naturerlebnis mit Energieproduktion aus Biogas verbinden. Die Italiener Antonio Maccà und Flavio Masi kamen auf Rang drei mit ihrer kunstvollen Installation aus durchlöcherten Metallzylindern, in der Wind- und Sonnenenergie erzeugt werden können.

Besondere Aufmerksamkeit fand aber das Konzept, mit dem vier Briten Platz vier erreichten: die Energieente. Sie soll aus einem Leichtstahlgerüst mit einer Außenhaut bestehen, auf der Sonnenkollektoren angebracht sind. Nach dem Projektplan wird sie so hoch sein wie ein zwölfstöckiges Haus.

Energie für mehrere Tausend Haushalte könne die Ente liefern, wenn sie durch den Hafen Kopenhagens dümpelt, versprechen die Entwickler. Sie ist der Eiderente nachempfunden, die dort häufig vorkommt, und von vielfachem Nutzen, schreiben sie: „Die Energieente ist eine unterhaltsame Skulptur, eine Würdigung der lokalen Natur, ein Kraftwerk und Speicher für Erneuerbare Energien und ein Informationsleuchtturm.“ Also alles, was der Wettbewerb bieten soll. 

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Von Werner Grosch
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