12.07.2014, 07:25 Uhr | 0 |

Google als Finanzier O3b-Satelliten sollen drei Milliarden Menschen das Internet bringen

Dieser Raketenstart war für drei Milliarden Menschen ganz besonders wichtig: Eine Sojus-Trägerrakete brachte in der Nacht zu Freitag vier Satelliten ins All, die die Menschen in 150 Schwellen- und Entwicklungsländern ans mobile Internet anschließen sollen. Im September folgen vier weitere Satelliten, dann soll der Aufbau des Netzes beginnen.

Kurz vor dem Start in Kourou
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Wenige Sekunden vor dem Start der Sojus-Trägerrakete mit vier Satelliten des Unternehmens O3b Networks. Mit insgesamt 16 Satelliten will das Unternehmen ein mobiles Internet für drei Milliarden Menschen in 150 Entwicklungs- und Schwellenländern aufbauen. Wichtiger Finanzier ist Google.

Foto: O3b/Screenshot Ingenieur.de

Schnelles Internet immer und überall ist für die Menschen in den Industrieländern schon lange eine Selbstverständlichkeit. Trotzdem sind noch immer zwei Drittel der Menschen weltweit offline. Dies trifft vor allem die Bevölkerung und die Unternehmen in den Entwicklungs- und Schwellenländern, wo das Verlegen einer kabelgebundenen Infrastruktur viel zu teuer ist. Mobiles Internet ist dafür die deutlich einfachere und bessere Lösung.

Internet und Telefon für 3 Milliarden Menschen

Der Aufbau eines solchen Satelliten-gestützten Internets durch die Firma O3b Networks ist diese Woche einen großen Schritt weitergekommen. In der Nacht zu Freitag hat eine Sojus-Rakete erneut ein Quartett von Satelliten in eine Erdumlaufbahn gebracht. Die Rakete startete vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou in Französisch-Guayana und brachte die vier Satelliten in ihre Umlaufbahn. Damit befinden sich jetzt acht der geplanten Flotte von 16 Satelliten der britischen Firma O3b im All. Hinter O3B stehen als Finanziers der Internetkonzern Google, der europäische Satellitenbetreiber SES und die britischen Bank HSBC.

Die Satelliten fliegen in einer Höhe von 8000 Kilometern über dem Äquator. Ihre Signale erreichen im Norden und Süden alle Gebiete bis etwa zum 45. Breitengrad. Sogar im Vatikan und auch in Melbourne können die Signale der Satelliten noch empfangen werden.

Nach Angaben des Kontrollzentrums am Weltraumbahnhof im südamerikanischen Französisch-Guayana sollen im September bereits die nächsten vier Satelliten in eine Erdumlaufbahn befördert werden. Mit der Mindestanzahl an Satelliten wäre das O3b-Netzwerk dann einsatzbereit und der kommerzielle Betrieb kann starten.

Satelliten fliegen 8000 km über dem Äquator

O3B – was für "Other 3 Billion" steht, also die „anderen drei Milliarden“ – will mit den Satelliten neben Internet auch Telefongespräche übermitteln. Dabei ist die nur 8000 km hohe Flugbahn der Satelliten interessant. Die geringe Flughöhe erlaubt sehr geringe Übertragungszeiten im Vergleich zu Geo-Satelliten. Bei diesen beträgt der Funkweg mindestens 72.000 Kilometer, was sich etwa bei Korrespondentenberichten im Fernsehen in den längeren Pausen zwischen der Frage des Moderators im Studio und der Antwort des Korrespondenten etwa aktuell in Tel Aviv bemerkbar macht.

Bei künftigen Übertragungen über das neue Satellitensystem dürften die Verzögerungszeiten deutlich geringer sein. Die Bandbreite für die Datenübertragung liegt bei 12 Gigabit pro Sekunde. Die Flugbahnen der Satelliten sind so gewählt, dass jeder direkt eine Bodenstation anpeilen kann, selbst wenn er sich gerade über dem Meer befindet.

Einer der stärksten Investoren des O3b Network-Projektes ist der Internetriese Google. Das Unternehmen hat sich bereits vor einiger Zeit das Ziel gesetzt, bezahlbare Daten- und Kommunikationsdienste bis in den letzten Winkel der Erde zu bringen. Leiter des Google-Satellittenprogramms ist Greg Wyler, der auch O3b gegründet hatte. Wyler hatte schon zuvor erfolgreich ein Mobilfunknetz in Ruanda aufgebaut. 

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Von Petra Funk
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