15.03.2013, 13:59 Uhr | 0 |

Mobiles Bezahlen Handys sollen Geldbörse ersetzen

Auf dem Mobile World Congress in Barcelona und der CeBIT in Hannover war das mobile Bezahlen wieder einmal Thema. Kreditkartenanbieter und Mobilfunkanbieter wittern das große Geld. Doch der Kunde zögert, weil es viele Bezahlmodelle gibt – aber keine so simple wie der Griff zur Geldbörse.

Noch greifen die Deutschen zum Bezahlen lieber ins Portemonnaie statt das Handy zu zücken.
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Noch greifen die Deutschen zum Bezahlen lieber ins Portemonnaie statt das Handy zu zücken.

Foto: Frank Kleefeldt, dpa

Vor wenigen Wochen titelte eine große Tageszeitung aus der Hauptstadt: "Berliner Start-ups erfinden das Bezahlen neu". Können tatsächlich zwei Unternehmen aus Deutschland der schleppenden Einführung des Handy-Payments neue Dynamik verleihen?

Eines haben die jüngst eingeführten Systeme von Payleven und SumUp gemein: Die Technik steckt in einem unscheinbaren Kästchen, das ungefähr halb so groß ist wie eine Streichholzschachtel und das in die Kopfhörerbuchse des Smartphones gesteckt (SumUp) oder per Bluetooth (Payleven) angedockt werden muss. Danach wird der Kaufpreis in eine App getippt und die EC- oder Kreditkarte in den Kartenleser gesteckt. Abschließend muss man den Kauf auf dem Touchscreen mit einer schön gemalten Unterschrift bestätigen.

Technologie stammt vom ehemaligen Twitter-Gründer Jack Dorsey

SumUp will sich vor allem auf Taxifahrer, Gaststätten und den Einzelhandel konzentrieren. Konkurrent Payleven verfolgt eine etwas andere Strategie: Das hauseigene "Chip & PIN"-Lesegerät ähnelt den Kassenterminals, die man aus Kaufhäusern oder Supermärkten kennt, erfüllt die Sicherheitsforderungen der Payment Card Industry (PCI) und den Standard für die Interoperabilität von Chipkarten und Terminals zur Authentifizierung von Kartenzahlungen (EMV). Weder SumUp noch Payleven haben freilich die Technologie erfunden, auf der ihre Idee basiert: Sie stammt vom ehemaligen Twitter-Gründer Jack Dorsey und wird in den USA unter dem Markennamen Square Wallet feilgeboten.

Marktführer in den Vereinigten Staaten ist aber das auch auf Mobilgeräten verfügbare System des Onlinebezahldienstes Paypal. Einer aktuellen Repräsentativstudie der Marktforschungsfirma Comscore zufolge haben 48 % der Amerikaner den Zahlungsservice bereits benutzt. Google Wallet kommt als Zweiter der Befragung lediglich auf 8 %. Dahinter folgen PayPass Wallet von Mastercard mit kümmerlichen 3 % und Square Wallet mit 2 %. Paypal-Chef David Marcus gibt sich in Interviews optimistisch, dass die Bezahllösung der Ebay-Tochter bei rund 12 Mio. deutschen Paypal-Nutzern auch hierzulande Erfolg haben wird. Passende Apps für Android, iOS und Windows Phone stehen bereit, zusätzliche Hardware wird nicht benötigt.

Große Lösungen müssen her

Diese Zahlen zeigen: Wenn sich die elektronische Geldbörse im Handyformat wirklich durchsetzen soll, müssen große Lösungen her. Schon seit Jahren sehnt die GSM Association den Durchbruch für das Mobile Payment herbei, doch passiert ist bislang wenig – zumindest in Europa. Inzwischen gibt es einige Smartphones, die mit dem Nahbereich-Funkstandard NFC (Near Field Communication) ausgerüstet sind, was als Voraussetzung für das komfortträchtige kontaktlose Zahlen gilt.

Zwar bauen Hersteller wie Samsung, Nokia, Sony oder LG den NFC-Chip bereitwillig in ihre Top-Modelle ein; einzig Apple ziert sich. Aber an der Frage, wer letztlich den Kontakt zum Konsumenten halten und dessen wertvolle Shopping-Daten auswerten darf, scheiden sich die Geister: Mobilfunker und Finanzdienstleister kämpfen um die strategische Vormachtstellung auf einem Markt, der bereits im kommenden Jahr laut Juniper Research für einen weltweiten Umsatz von rund 50 Mrd. $ sorgen soll.

Auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona und der CeBIT in Hannover wurden neue Kooperationen verkündet. Für die spezielle "NFC Experience" auf dem MWC zeichneten die Caixabank, Gemalto, Telefónica und Visa Europe verantwortlich. Mit einem von Sony bereitgestellten Xperia-Smartphone, einer Payment-App von Telefónica und einer Prepaid-Karte von MoneyToPay (Caixabank) konnten die Kongressbesucher das smarte Bezahlen in der katalanischen Metropole testen. "Die Anzahl der kontaktlosen Transaktionen in Europa hat sich 2012 vervierfacht und wird sich in diesem Jahr erneut vervierfachen", frohlockt Sandra Alzetta, Senior Vice President bei Visa Europe. "In Großbritannien erfolgen jeden Monat über 2,5 Mio.  kontaktlose Transaktionen."

Deutsche zurückhaltend beim mobilen Bezahlen

Hierzulande ist man von solchen Erfolgsmeldungen noch weit entfernt – trotz der lobenswerten Aktivitäten von SumUp, Payleven & Co. Typisch ist die Geschichte von Mpass, einem zur Förderung des mobilen Bezahlens gegründeten Joint Venture von Telekom, Vodafone und O2, das nicht so recht von der Stelle zu kommen scheint. Zwar sagte der deutsche Telefónica-Chef René Schuster kürzlich voraus, dass "Bezahlkarten aus Plastik bald der Vergangenheit angehören", doch momentan vermag Mpass lediglich bei Überweisungen von einem Handy zum anderen zu überzeugen.

Deshalb startet der Mobilfunkanbieter jetzt mit der "O2 Wallet" ein weiteres Projekt, das an PayPass-Akzeptanzstellen im In- und Ausland funktionieren soll. Zum Start läuft das System auf NFC-tauglichen Samsung-Smartphones. In Kürze will man außerdem die erste Bank als Partner begrüßen. Damit könnte O2 schneller am Markt sein als der große Konkurrent Deutsche Telekom, der im vergangenen Sommer eine strategische Partnerschaft mit Mastercard verkündete und seine "Mobile Wallet" auf der CeBIT an einem Softdrinkautomaten demonstrierte – mit einem aktuellen Samsung-Modell oder einem pinkfarbenen NFC-Sticker für alle anderen Handys.  

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Von Frank Erdle | Präsentiert von VDI Logo
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