17.06.2013, 15:50 Uhr | 0 |

Einwahl geglückt Google plant weltweites Internet durch Ballons am Himmel

Ballons in der Stratosphäre sollen Milliarden Menschen mit einem Internetzugang versorgen. Google hat einen ersten Test mit 30 Ballons in Neuseeland erfolgreich durchgeführt.

Google-Ballons am Boden
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30 Ballons mit Internet-Technik an Bord ließ Google in Neuseeland in die Stratosphäre aufsteigen. Hier im Bild die Vorbereitungen am Boden.

Foto: Google

Der neuseeländische Ingenieur Charles Nimmo wird wohl in die Geschichte eingehen. Er war der erste, der am Wochenende 15 Minuten lang im Internet unterwegs war und seine Internetverbindung per Ballons erhielt. Google hatte in der vergangenen Woche 30 Hightech-Ballons in die Stratosphäre über Neuseeland aufsteigen lassen. Diese Ballons erzeugen auf der Erde ein Internet. Jeder Ballon kann eine Fläche von rund 40 Kilometern im Durchmesser abdecken. Und das geht nicht nur theoretisch. Erste Tests am Wochenende sind geglückt.

Googles Vision: In einer Höhe von mehr als 20 000 Metern über der Erde schweben unzählige Ballons. Der Wind in der Stratosphäre treibt sie vorwärts. Als Nutzlast tragen sie Sende- und Empfangsanlagen. Kontakt nehmen Erdbewohner mit Hilfe einer fußballgroßen Antenne auf. Ziel des Systems: Menschen, die in abgelegenen Gebieten wohnen, etwa in weiten Teilen Afrikas, Asiens und Südamerikas, können auf diesem Weg im Internet surfen.

Bodenstationen, die über die ganze Welt verteilt sind, stellen die Verbindung zu den Sende- und Empfangsstationen her, die an den Ballons hängen. Diese können auch untereinander kommunizieren, bilden also ein Netzwerk. Die Übertragungsrate soll bei einigen Megabit pro Sekunde liegen und entspricht damit dem vom Mobiltelefon bekannten Standard 3G.

Erste Tests in Neuseeland erfolgreich

Dass diese Idee funktioniert, zeigen die ersten Ergebnisse eines Versuchs am Wochenende in Neuseeland. Dort wurden 30 Ballons mit Sende- und Empfangsanlagen in Position gebracht. 50 Tester in der Region erhielten Antennen, mit denen sie Kontakt zu den Internet-Ballons aufnehmen konnten. Das gelang.

Für das Projekt Loon – der Name spielt auf die englischen Wörter „balloon“ (Ballon) und „lunatic“ (verrückt) an – sollen einmal rund 1000 Ballons in Position rund um die Erde gebracht werden. „Wir halten einen Ring von Ballons für möglich, die, von stratosphärischen Winden vorwärts getrieben, den Erdball umrunden und den Menschen auf der Erde eine Verbindung zum Internet ermöglichen“, sagte Projektleiter Mike Cassidy in Neuseeland.

Die fliegenden Ballons in den Bergen Neuseelands sind ein faszinierenden Bild. Ihre Hülle ist aus besonders strapazierfähigem Polyethylen gefertigt. Eine Ballonhülle ist 15 Meter weit und 12 Meter hoch und ist mit Helium gefüllt. Der Ballon muss die gesamte Sende- und Empfangstechnik tragen, deren Strombedarf von Solarpanelen gedeckt wird. Diese leisten bei voller Sonne 100 Watt.

Technik muss sehr belastbar sein

Dabei muss die gesamte Technik unglaublich belastbar sein. Denn in 20 000 Metern Höhe zerren nicht nur die Winde der Stratosphäre an Ballon und Technik. Zugleich gibt es kaum Schutz vor den Strahlen der Sonne. Zudem herrschen Temperaturen von bis zu minus 50 Grad. Der Atmosphärendruck beträgt nur noch 1 Prozent im Vergleich zu den Verhältnissen auf der Erde.

Mit den Ballons ließen sich Internetzugänge für zwei Drittel der Erdbevölkerung herstellen, die bislang noch ohne schnellen beziehungsweise bezahlbaren Zugang sind, so Googles Hoffnung. Aber selbst in abgelegenen Gebieten von höher entwickelten Staaten sind schnelle Internetzugänge oft unmöglich, weil etwa Gebirge Kontakte zur nächsten Station verhindern. Bei einer Versorgung aus der Luft sind sie dagegen kein Hindernis.

Für den Luftverkehr sind die Ballons keine Gefahr, jedenfalls nicht im Normalfall, denn in diese Höhen dringen nicht einmal Militärflugzeuge vor. Nur wenn die Ballons zu Wartungs- oder Reparaturarbeiten auf die Erde zurückgesteuert werden, könnten sie Flugzeugen in die Quere kommen.

Winde in der Stratoshpäre könnten Ballons stark verwehen

Das ist eins der Probleme, die zu lösen sind, ehe das Ballon-Internet weltweit realisiert werden kann. Da der Kurs der  Stationen von den in der Stratosphäre herrschenden Winden abhängt, lassen sich Landeplätze nicht gezielt ansteuern. Möglicherweise sorgen diese Winde auch dafür, dass sich die Ballons nicht gleichmäßig über der Erde verteilen, sondern sich an bestimmten Stellen konzentrieren, sodass eine flächendeckende Versorgung nicht möglich ist.

„Wir befinden uns noch ziemlich am Anfang“, räumt Google-Projektleiter Cassidy ein. Er hat allerdings schon Ideen, wie sich die Routen der Ballons ein wenig beeinflussen lassen. Mit solar betriebenen Pumpen und könnten die Ballons gezielt zum Steigen oder Sinken veranlasst werden. Wenn Helium aus der Hülle abgepumpt und in einen Speicher gepresst wird, sinkt der Ballon – und steigt wieder, wenn das Helium zurückströmt.

Weitere Informationen gibt es auf der Google-Projektseite.

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Von Wolfgang Kempkens
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